Berlin

Roth will im Streit um »Stalag 326«-Gedenkstätte vermitteln

Die Gedenkstätte Stalag 326 Foto: picture alliance / Robert B. Fishman, ecomedia

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) will im Streit um die Finanzierung der Gedenkstätte »Stalag 326« in Schloß Holte-Stukenbrock vermitteln. Sie kündigte am Sonntag in Berlin an, die Verantwortlichen des Landes und der kommunalen Ebene zu einem klärenden Gespräch einzuladen.

»Es wäre ein herber Rückschlag für die Erinnerungskultur in unserem Land und ein gefährlicher Präzedenzfall, wenn die Gütersloher CDU mit Unterstützung der AfD die Finanzierung einer wichtigen Gedenkstätte stoppt und damit deren Schließung riskiert«, sagte Roth.

Nach den Plänen von Bund, Land Nordrhein-Westfalen und Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) soll der Gedenkort für Kriegsgefangene der Nationalsozialisten aus der ehemaligen Sowjetunion bis 2031 zu einer nationalen Gedenkstätte erweitert werden. Im Gütersloher Kreistag hatte eine Mehrheit mit Stimmen von CDU, AfD und FWG/UWG (Kreisverband der Freien und Unabhängigen Wähler
Gütersloh) gegen die geplante Beteiligung an den Betriebskosten in Höhe von 460.000 Euro jährlich votiert. Der Förderverein hat die Gedenkstätte »Stalag 326« nun bis auf Weiteres geschlossen, um zu prüfen, ob sie weiter betrieben werden kann.

Ausbau Bund, Land und LWL haben Zusagen zum Ausbau der Gedenkstätte in Höhe von 64 Millionen Euro gegeben. Die Betriebskosten sollen nach dem Ausbau gemeinsam vom LWL (55 Prozent), dem Land (20 Prozent) und den Kommunen in der Region (25 Prozent) getragen werden. Das Projekt ist nach Angaben des Landschaftsverbandes LWL ohne kommunale Beteiligung an den Betriebskosten nicht durchführbar. Eine Machbarkeitsstudie für den Ausbau der Gedenkstätte hatte der LWL bereits vor drei Jahren im Kreistag Gütersloh vorgestellt.

Roth betonte: »Die Erinnerungspolitik in unserem Land ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.« Der Bund habe 25 Millionen Euro im Vertrauen darauf zur Verfügung gestellt, dass auch die anderen Beteiligten ihren Beitrag leisteten. »Nur so kann die so wichtige Erinnerungsarbeit im Kulturföderalismus funktionieren.« Die Erinnerung an Krieg und Gewalt durch das nationalsozialistische Deutschland müsse demokratischer Konsens sein. »Diesen gilt es zu befestigen und nicht zu beschädigen«, appellierte die Kulturstaatsministerin.

NRW-Landtagspräsident André Kuper (CDU) hatte vor der Abstimmung im Kreistag vor einem Scheitern der Pläne gewarnt und betonte, die geplante Gedenkstätte sei wichtig für die Demokratiebildung, gerade in Zeiten, in denen rechtsextreme Tendenzen zunehmen. Kuper setzt sich bereits seit mehreren Jahren für das Projekt ein.

Anforderungen Der private Förderverein der Gedenkstätte erklärte am Samstag, die Mitglieder seien »zutiefst getroffen und schockiert« von der Entscheidung des Kreistags. Die meisten ehrenamtlichen Mitarbeiter sähen sich nicht mehr in der Lage, »dem zeitlichen Umfang, der Vielfalt und der Qualität der Anforderungen gerecht zu werden«. Die Bereitschaft weiter mitzuarbeiten, bleibe zwar erhalten, »aber nicht in dieser Form«.
Dabei sei es angesichts des wachsenden Rechtspopulismus besonders wichtig, über den Nationalsozialismus mit seiner »vernichtenden Ideologie« aufzuklären, hieß es.

Die kleine Gedenkstätte in Schloß Holte-Stukenbrock erinnert an die 300.000 Gefangenen, die von 1941 bis 1945 das sogenannte »Stammlager 326« (Stalag) der Nationalsozialisten durchliefen und von dort aus zur Zwangsarbeit im Ruhrbergbau, in Landwirtschaft und Industrie eingesetzt wurden. Schätzungen zufolge starben etwa 65.000 Menschen aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen, in einem nahe gelegenen Lazarett und in den Arbeitskommandos. epd

Dresden/Königstein

Mutmaßliche Kämpfer des Islamischen Staates festgenommen

Zwei Männer sollen als Kämpfer für den IS aktiv gewesen sein und dafür Geld erhalten haben. Nun sitzen die beiden Iraker in Sachsen in Untersuchungshaft

 14.08.2026

Glosse

Ship happens: Anti-Israel-Aktivisten krachen in Hafenmauer

Ein Kleinschiff mit »pro-palästinensischen« Seefahrern will im Herbst die Gaza-Küste erreichen. Zwischen ihnen und dem Ziel liegen 3000 Kilometer Luftlinie – und eine wachsende Anzahl an Problemen

von Imanuel Marcus  14.08.2026

Erfurt/Berlin

BSW-Spitze fordert Voigts Rücktritt – und Ende der Koalition

Das Bündnis Sahra Wagenknecht regiert in Thüringen mit CDU und SPD – zum Missfallen der Parteizentrale. Schluss damit, verlangt ein Vorstandsbeschluss

 14.08.2026

Iran-Krieg

Vance: Kriegsziel Nr. Eins besteht darin, Öl und Gas für Amerikaner billig zu halten

Der amerikanische Vizepräsident sagt, die Verhinderung einer iranischen Atomwaffe stehe an zweiter Stelle. Derweil schickt das Pentagon einen neuen Flugzeugträger in die Region

 14.08.2026

Hamburg

Volker Beck kämpft um Beteiligung als Nebenkläger

Der DIG-Präsident gehört zu den Personen, gegen die sich mutmaßliche Anschlagspläne des Iran gerichtet haben sollen. Dennoch hat das Gericht seinen Antrag auf Zulassung im Prozess zurückgewiesen

 14.08.2026

Wahl in Sachsen-Anhalt

Bundesrat sieht sich gewappnet für mögliche AfD-Regierung

Den Bundestag mischt die AfD regelmäßig auf. Könnte sie das auch mit dem Bundesrat tun, wenn sie in Sachsen-Anhalt den Regierungschef stellen sollte? Der Bundesratspräsident bleibt gelassen

 14.08.2026

Nahost

Angriff auf Schiffe: Lage am Golf weiter angespannt

Im Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran wurde ursprünglich eine Einigung innerhalb von 60 Tagen angestrebt. Doch eine Lösung des Konflikts scheint ungewiss. Gibt es Fortschritte?

 14.08.2026

Boston

Gericht weist Klage der US-Regierung gegen Harvard ab

Trumps Regierung kassierte bereits im vergangenen Jahr in einem rechtlichen Streit mit der Elite-Uni eine Niederlage. Nun scheitert sie erneut vor Gericht. Im Zentrum stand ein Antisemitismus-Vorwurf

 14.08.2026

Exklusiv

Causa Georg Restle: Jetzt meldet sich WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni zu Wort

Felix Schotland, Mitglied im WDR-Rundfunkrat und im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, beschwerte sich über einen X-Post des Journalisten Georg Restle. Nun bekam er eine Antwort

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026