Paris/Tel Aviv

Reporter ohne Grenzen streicht heimlich Terroristen aus Gaza-Journalistenliste

Foto: picture-alliance/ dpa

Die in Paris ansässige Organisation Reporters sans frontières (RSF) hat mindestens zwei palästinensische Terroristen aus ihrer Datenbank getöteter Journalisten im Gaza-Krieg entfernt, die zuvor als Medienvertreter geführt worden waren.

Darauf aufmerksam gemacht hatte laut »The Jerusalem Post« zunächst die Organisation HonestReporting. Das Medienbeobachtungsportal verglich die RSF-Datenbank zu verschiedenen Zeitpunkten. Dabei stellte es fest, dass der Name von Mohammad Jarghoun nicht mehr in der Liste auftauchte. Jarghoun war zuvor als 23-jähriger Reporter eines Medienproduktionsunternehmens beschrieben worden.

Am 1. Juli dagegen hatten die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Arm der palästinensischen Terrororganisation Hamas, Jarghoun als Mitglied eines Bataillons ihrer Rafah-Brigade bezeichnet. RSF entfernte seinen Namen später sowohl aus der Datenbank als auch aus einem eigenen Artikel, in dem Journalisten aufgeführt werden, die im Zusammenhang mit ihrer Arbeit ums Leben gekommen sein sollen.

An Kampfhandlungen beteiligt

Auch Mohamed Nasr Abu Huwaidi wurde aus den RSF-Aufzeichnungen gestrichen. Die Organisation hatte ihn zunächst als Journalisten bezeichnet, der während der Dreharbeiten zu den Folgen eines israelischen Angriffs getötet worden sei. Nach Angaben der Al-Quds-Brigaden, des militärischen Arms des Palästinensischen Islamischen Dschihad, war Huwaidi jedoch Kommandeur dessen zentraler Medieneinheit. Das Committee to Protect Journalists (CPJ) stellte zudem fest, dass er an Kampfhandlungen beteiligt gewesen sei, und entfernte ihn ebenfalls aus seiner eigenen Liste getöteter Journalisten.

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Die RSF ergänzten laut »The Jerusalem Post« nach den Änderungen ihre Erläuterungen zur Methodik. Die Organisation erklärte, ihre Liste werde laufend aktualisiert, sobald neue Informationen über seit dem 7. Oktober 2023 getötete Journalisten vorlägen. Zugleich betont RSF, dass ein Todesfall nur dann in das Barometer aufgenommen werde, wenn ein Zusammenhang mit der journalistischen Tätigkeit festgestellt worden sei.

HonestReporting kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass auch unter den weiterhin von RSF geführten Personen zahlreiche Verbindungen zu Terrororganisationen bestehen. Einer vorläufigen Überprüfung zufolge weist ein Viertel der noch gelisteten 67 Journalisten entsprechende Verbindungen auf. Darunter seien Personen, für die Terrororganisationen sogenannte Märtyrerbekanntmachungen veröffentlicht hätten, Kämpfer mit dokumentierter Beteiligung an Kampfhandlungen sowie Mitarbeiter von Medien mit Verbindungen zu Terrorgruppen.

Von westlichen Medien zitiert

Die Bedeutung der RSF-Datenbank geht dabei über eine bloße Statistik hinaus. HonestReporting zufolge wurde die Organisation zwischen Mai 2025 und Anfang August 2026 in 40 Beiträgen von 13 großen englischsprachigen westlichen Medien zitiert, wenn es um den Vorwurf ging, die israelische Armee habe Journalisten gezielt angegriffen.

HonestReporting fordert deshalb eine öffentliche Erklärung von Reporter ohne Grenzen. Die Organisation solle darlegen, weshalb die betreffenden Namen nachträglich aus den Aufzeichnungen entfernt wurden und warum Beschwerden beim Internationalen Strafgerichtshof, in denen mutmaßliche Terroristen als Journalisten aufgeführt worden seien, zurückgezogen wurden. im

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