Einspruch

Recht und Gerechtigkeit

Es klingt nach einem Skandalurteil aus
finstersten Nachkriegszeiten: Der Internationale Gerichtshof (IGH) hat den Anspruch italienischer Naziopfer auf Entschädigungszahlungen durch die Bundesrepublik zurückgewiesen.

Der Skandal allerdings ist nicht der Richterspruch in Den Haag. Denn in dem Verfahren ging es nicht um die Frage, ob die heutige Regierung Deutschlands in der Nachfolge des Dritten Reichs juristisch oder zumindest moralisch zu Entschädigungen verpflichtet ist. Dies haben die Richter in ihrem Urteil nicht in Abrede gestellt, im Gegenteil. Gegenstand des Verfahrens war, ob ein italienisches Gericht, vor dem Opfer des NS-Terrors geklagt hatten, die Bundesrepublik zu Entschädigungszahlungen zwingen kann.

Schlachtfeld Dies zu bejahen, hätte zentrale Grundsätze des internationalen Rechts außer Kraft gesetzt – zu ihnen gehört die sogenannte Staaten-immunität, die besagt, dass kein Staat mittels seiner nationalen Gerichte über einen anderen Staat urteilen darf. Das ist auch richtig so. Wäre es anders, könnten deutsche Vertriebene vor deutschen Gerichten Polen verklagen oder palästinensische Flüchtlinge vor jordanischen Gerichten den Staat Israel. Das Recht würde zu einem neuen Schlachtfeld für internationale Konflikte.

Nicht der Ausgang des jahrelangen Rechtsstreits ist empörend, sondern die Haltung der Bundesrepublik, die vor dem IGH geklagt hatte. Sie lässt es zu, dass Menschen, die nachweislich unter dem Naziregime gelitten haben, auch rund 70 Jahre später noch durch alle Instanzen darum kämpfen müssen, wenigstens symbolisch so etwas wie Wiedergutmachung zu erfahren.

Außenminister Westerwelle hat nach dem Urteil angekündigt, der Weg sei nun frei für individuelle Entschädigungen der italienischen Naziopfer. Die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung hängt daran, wie schnell sie diesen freien Weg wirklich geht. Rechtssicherheit herrscht jedenfalls.

Berlin

Zweite Anklage wegen Mordversuchs am Holocaust-Mahnmal

Khalaf A. habe mit dem bereits im März wegen des Mordversuchs verurteilten Wassim Al M. in Kontakt gestanden und diesen ermutigt, sein Vorhaben umzusetzen, hieß es

 09.09.2026

Verteidigung

Nach Deal über VW-Werk: Israelische Rüstungsunternehmen wollen noch mehr in Deutschland investieren

Rafael und Elbit wollen die deutsch-israelische Zusammenarbeit bei der Produktion von Abwehrraketen und anderem Militärgerät erheblich ausweiten. Covenant will in Sachsen Marschflugkörper produzieren

 09.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 09.09.2026

Iran

Kamran Hekmati in Teheran aus dem Gefängnis entlassen

Der 71-jährige iranisch-amerikanische Jude kommt nach einjähriger Haft wegen einer Reise nach Israel frei, darf das Land aber weiterhin nicht verlassen

 09.09.2026

Bundestag

Merz wirft AfD Pläne für »ethnische Säuberungen« vor

Wenige Tage nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt gibt sich Bundeskanzler Merz kämpferisch gegenüber der Partei. Bei der Generaldebatte im Bundestag wirft er ihr vor, mit ihren migrationspolitischen Positionen das Land zu spalten

 09.09.2026

Fußball

»Für Juden spielen wir nicht«

Beim Oberliga-Verein Tennis Borussia Berlin soll es zu antisemitischen Anfeindungen gegen den jüdischen Vorstandsvorsitzenden Ariel Gala gekommen sein – aus der eigenen Jugendabteilung

 09.09.2026

Max Privorozki

»Ich werde Halle nicht verlassen, solange wir in einer freien Gesellschaft leben«

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk spricht der Gemeindevorsitzende über Wahlergebnisse, Prognosen und die Aufgabe der Gesellschaft

 09.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  09.09.2026

Nahost

USA zerstören iranischen Tanker - Teheran feuert Raketen ab

Wieder nimmt das US-Militär iranische Schiffe ins Visier. Teherans Reaktion erfolgt umgehend. Ein Experte warnt vor einer unkontrollierbaren Eskalationsspirale

von Lars Nicolaysen  09.09.2026