Einspruch

Rache am Kritiker

Ein Mann bemüht sich jahrelang um die Restitution einer Immobilie, die seiner Familie gehört hatte, ehe sie von den Nazis »arisiert« wurde. Als das Haus, ein früheres Sanatorium, endlich zurückgegeben wird, gerät der Mann auf einmal selbst ins Visier der Justiz – und wird am Ende für ein »Vergehen«, das sich bestenfalls als Bagatelle bezeichnen lässt, zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

In einem Rechtsstaat ist das ein unglaublicher Vorgang. Doch lässt sich, was die Republik Österreich mit Stephan Templ gemacht hat, möglicherweise besser verstehen, wenn man weiß, dass der Verurteilte nicht irgendwer ist, sondern ein Journalist, der sich seit Jahren auf Restitutionsfälle in der Alpenrepublik spezialisiert und dabei immer wieder unangenehme Wahrheiten veröffentlicht hat. Sein 2001 erschienenes Buch Unser Wien – »Arisierung« auf österreichisch gilt als Standardwerk zum Thema.

Diktatur Das lässt den Verdacht aufkommen, dass es hier nicht um Recht gegangen ist. »Revanche«, notierte die sonst zurückhaltende Neue Zürcher Zeitung, sei »eines der möglichen Motive« für das Urteil. Rache könnte einiges erklären, zumindest das völlig unangemessene Strafmaß, das eher an willfährige Richter einer Diktatur denn an ein alle Punkte sorgsam abwägendes Gericht erinnert. Dem Demokraten, der von einer Justiz als unabhängige Gewalt im Staat ausgeht, muss das Urteil gegen den österreichischen Journalisten Stephan Templ schlaflose Nächte bescheren. Beinahe noch beunruhigender ist, dass bislang ein medialer Aufschrei in Österreich ausblieb.

»Heiteres Bezirksgericht« hieß vor Jahren eine Kolumne in einer österreichischen Tageszeitung, in der Absurditäten des Alltags, die nicht nur in Österreich vor Gericht enden können, zur Gaudi der Leser ausgebreitet wurden. Die Absurdität hat der jüdische Journalist Stephan Templ nun mit voller Härte zu spüren bekommen. Heiter ist daran aber nichts mehr. Templ muss tatsächlich ins Gefängnis.

Der Autor ist Journalist in Basel.

Epstein-Akten

Neuvermessung eines Monsters

Die Dokumente sind wie ein großes Puzzle. Sie räumen mit vielen Legenden auf und zeigen, wer den Aufstieg des millionenschweren Investors und Sexualstraftäters förderte – und davon profitierte

von Lennart Pfahler  26.02.2026

Eckernförde

Deutschland erhält autonomes Spionage-U-Boot aus Israel

Der unbemannte »BlueWhale« wird von Israel Aerospace Industries (IAI) gemeinsam mit dem deutschen Schiffbaukonzern Thyssenkrupp hergestellt

 25.02.2026

Washington D.C.

Fehlende Epstein-Akten zu Trump? Demokraten wollen Antworten

Das US-Justizministerium betont: »Wir haben nichts gelöscht.« Doch laut Demokraten fehlen in den veröffentlichten Akten Dokumente, die Verstrickungen Trumps zeigen sollen

 25.02.2026

Gedenkstätten

Panse: Israelkritik in Buchenwald ist »geschichtsvergessen«

Thüringens Antisemitismusbeauftragter Michael Panse kritisiert geplante israelfeindliche Aktionen beim Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald scharf. Mit einer öffentlichen Diskussion will er auf Aufklärung setzen

 25.02.2026

Wiesbaden

Deutschlandweiter Schlag gegen Hass und Hetze im Netz

Hitlergruß, Hakenkreuze, Hetze: Polizisten gehen in allen 16 Bundesländern gegen mutmaßliche politische Kriminalität im Netz vor. Rund 140 Ermittlungsverfahren laufen. Was steht besonders im Fokus?

 25.02.2026

Epstein-Akten

Bill Gates räumt Affären mit russischen Frauen ein

Zugleich äußert der 70-jährige Philanthrop über seine Kontakte zu Jeffrey Epstein und spricht von einem schweren Fehler

 25.02.2026

Kiel

Daniel Günther will härtere Strafen bei antisemitischen Taten

»Wir bringen einen Beschlussvorschlag ein, mit dem die Länder Antisemitismus und Antiisraelismus in jeglicher Hinsicht klar verurteilen«, so der schleswig-holsteinische Ministerpräsident

 25.02.2026

Botschafter in Tel Aviv

Auch Lambsdorff will in Israel Hebräisch lernen

Im Sommer soll der Diplomat Steffen Seibert als Deutschlands Botschafter in Tel Aviv ablösen. Jetzt verrät Alexander Graf Lambsdorff, warum er sich auf die neue Aufgabe freut

 25.02.2026

Meinung

Was Layout verraten kann

Holger Friedrich hat die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung auf den Markt gebracht. Bei der Gestaltung drängen sich merkwürdige Bilder auf. Welche Zielgruppe will er wohl erreichen?

von Marco Limberg  25.02.2026