Einspruch!

Rabiate Drohungen

Same procedure as every year. Mit dem Iran ist es wie mit »Dinner for one« an Silvester. Er liefert zuverlässig immer dasselbe – allerdings ist es weniger witzig. Sollte es iranische Strategie sein, die wegen des Atomprogramms nervöse Weltgemeinschaft zu beruhigen, dann geht sie gerade nicht auf.

Der Iran liefert mit Übergriffen auf ausländische Botschaften, Tests von Langstreckenraketen und Präsentationen von Marschflugkörpern eigentlich ununterbrochen negative Nachrichten. Vermutlich ist genau das Teherans Strategie. Im Wust der Ankündigungen, Propagandalügen, Schmeicheleien und Tiraden fällt gar nicht mehr so richtig auf, wie unglaublich jede einzelne der Aktionen ist, die der Iran sich leistet.

Ölpreise Die jüngste Ankündigung, der Welt mit der Blockade der Straße von Hormus eine wirtschaftliche Lebensader abzuklemmen, passt genau ins Profil. Die Drohung ist rabiat genug, dass die ersten Befürworter schärferer US-Sanktionen ins Wanken geraten. Können wir uns wirklich leisten, dass die Ölpreise explodieren oder gar ein Krieg in der Region ausbricht? Zugleich ist die Drohung irrational genug, dass man sie im Westen nicht wirklich ernstnehmen muss – schließlich würde der Iran seine eigenen Brennstoffimporte ins Stocken bringen.

Die Welt hat sich an dieses Regime gewöhnt, so wie man sich an den bellenden Hund von nebenan gewöhnt – so sehr, dass man es ihm sogar durchgehen lässt, dass er ab und zu beißt. Damit dieses Regime noch einen echten Schock auslöst, muss es vermutlich mindestens ein westliches Schiff im Persischen Golf versenken. Alles unterhalb dieser Schwelle kann Teheran sich offenbar leisten.

Neuerdings will das Regime wieder mit dem Westen über sein Atomprogramm sprechen. Und währenddessen bauen die Experten in den bekannten – und vermutlich auch in einigen völlig unbekannten – Anlagen weiter an der Bombe. Same procedure as every year.

Der Autor ist Chef vom Dienst beim Kölner Stadtanzeiger.

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