Berlin

Propaganda abgesagt

Machte von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch: die Urania in Berlin-Charlottenburg Foto: dpa

Um »Frieden« und um »Gerechtigkeit« für »Palästina« sollte es gehen, und bezahlen wollte alles die Islamische Republik Iran. Doch die Urania, die in Berlin mit Erwachsenenbildung einen guten Namen hat, machte im letzten Moment von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch.

Die Kulturabteilung der iranischen Botschaft hatte Räume der Urania in der Berliner City West gemietet. Während der Urania-Veranstaltungsbetrieb noch in den Sommerferien ist, wollten dort am morgigen Freitag, den 16. August, deutsche Palästina-Aktivisten ein Symposium abhalten, finanziert von Teheran und geöffnet nur für »registrierte Interessenten«, wie es in der Einladung hieß.

völkerverständigung Der Leiter der Urania, Ulrich Bleyer, kündigte der Botschaft nun. Er müsse, teilte er mit, davon ausgehen, »dass gegen die Urania-Ziele der Völkerverständigung verstoßen wird, weil z.B. das Existenzrecht Israels infrage gestellt oder Terror gegen Israel als Widerstand gegen eine Besatzungsmacht definiert wird«.

Diese Kündigung mit dieser Begründung bringt die gescheiterten Veranstalter in Rage. Von einem Anschlag auf die Meinungsfreiheit ist die Rede. Eine der Referentinnen, die Freiburger Ärztin Gabi Weber, schreibt: »Es ist an der Zeit, zu erkennen, dass der Einsatz für die Freiheit in Palästina auch einen Einsatz für unsere eigene Freiheit und unsere fundamentalen Rechte bedeutet.« Weber betreibt in Freiburg das umstrittene »Café Palestine«. Die Absage durch den Leiter der Urania, Ulrich Bleyer, wertet Weber so: »Wie kann es auch anders sein? Auch die Urania Berlin knickt vor der Israellobby ein.«

aktivistin Eine andere deutsche Aktivistin, die Sachbuchautorin Petra Wild (Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina. Der zionistische Siedlerkolonialismus in Wort und Tat), wehrt sich in dem Onlinedienst linkezeitung.de gegen den Vorwurf, es sei eine antisemitische Veranstaltung: Ihre Kritiker seien bloß »Unterstützer des zionistischen Siedlerkolonialismus«, denen es nur um »moralische Diffamierung« ihrer Gegner gehe. Die deutschen Filmemacher Stefanie Landgrad und Johannes Gulde, um deren Film Wir weigern uns, Feinde zu sein es Diskussionen gab, wollten ebenso auftreten wie der Betreiber des Onlineportals muslim-markt.de, Yavuz Özoguz.

In der Einladung zu der Veranstaltung, die von der iranischen Botschaft verschickt wurde, hieß es, Palästina leide »nun seit fast sieben Jahrzehnten unter einer völkerrechtswidrigen Besatzung«, und der Gazastreifen sei das »quasi größte Freiluftgefängnis der Welt«.

Gegen die anti-israelische Veranstaltung in der Urania hatte es Proteste gegeben. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) hatte durch ihren Präsidenten Reinhold Robbe die Urania aufgefordert, die »Propagandaveranstaltung der Kulturabteilung der iranischen Botschaft« zu verhindern. Ob ein neuer Ort für das Symposium gefunden wurde, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. Die Veranstalter bekundeten, den Termin beibehalten zu wollen.

Meinung

Die Juden waren’s!

Claudia Roth und die jüdische Lobby: Eine kleine Chronik der Unschuld

von Andreas Büttner  06.11.2026

Interview

»Ich bezweifle, dass Claudia Roth es ernst meint mit dem Kampf gegen Antisemitismus«

JSUD-Präsident Ron Dekel geht mit der Grünen-Politikerin hart ins Gericht und wirft ihr vor, antisemitische Narrative salonfähig zu machen

von Michael Thaidigsmann  06.11.2026

Israelfeindliche Politikerin

Berliner Linke fordert Vanessa Emde zum Mandatsverzicht auf

Nach Wochen der Diskussion über den Umgang mit der direkt gewählten Abgeordneten, scheint die Parteispitze nun durchgreifen zu wollen

 06.11.2026

Vorwurf der Kampagne

Eklat um Claudia Roth: Nun reagiert der Zentralrat

Die Grünen-Politikerin bereut es, israelfeindliche Regisseure auf der Berlinale kritisiert zu haben und sieht die Schuld dafür beim Zentralrat der Juden

 06.11.2026

Berlin

Gregor Gysi für Rauswurf von Vanessa Emde

»Ich hoffe, dass wir sie ausschließen«, sagt Gysi über die wegen israelfeindlicher Aussagen umstrittene Abgeordnete

 06.11.2026

Bayern

Charlotte Knobloch wünscht sich Ilse Aigner als Bundespräsidentin

Die bayerische Landtagspräsidentin »lebt mit den Menschen, nicht über ihnen«, so Knobloch

 06.11.2026

USA

Trump will bald Entscheidung zum Iran-Krieg verkünden

Nach der Wahlniederlage seiner Republikaner beschäftigt sich US-Präsident Trump mit der Frage, ob er den Krieg mit dem Iran wiederaufnehmen soll. Die Bemühungen der Vermittler laufen auf Hochtouren

 06.11.2026

Berlin

Emde erschien mit radikaler Anti-Israel-Aktivistin zur Fraktionssitzung

Während die Linke weiter um den Umgang mit der Neuköllner Abgeordneten ringt, provozierte diese erneut

 05.11.2026

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  05.11.2026