Passt Schwarz-Rot-Gold zu Makkabi?

Pro & Contra

PRO – Alon Meyer: Das neue Logo ist Ausdruck eines deutsch‐jüdischen Selbstverständnisses

Schwarz‐Rot‐Gold: Makkabi Deutschland bekommt ein neues Logo, beschlossen mit großer Mehrheit von der Generalversammlung im November 2018. Natürlich wurde diskutiert. Doch am Ende war klar: Die Entwicklung muss weitergehen. Damit wollen wir ganz bestimmt nicht mit alten Traditionen brechen, sondern in eine neue Zeit starten. Wir müssen unsere jungen Makkabäer anhören, ihr neues Selbstverständnis respektieren, sie darin unterstützen, nicht als »die Juden« wahrgenommen zu werden, sondern als »jüdische Deutsche«, als ein Teil dieses Landes.

Makkabi Deutschland ist die jüdische Nationalmannschaft Deutschlands. Die einst gepackten Koffer sind ausgepackt, auch wenn – nicht nur uns, sondern allen Demokraten Europas – die Entwicklung der vergangenen Jahre Grund zur ernsthaften Sorge bereitet. Unsere Sportler sind stolz darauf, mit dem Davidstern auf der Brust und den deutschen Farben auf den Trikots einlaufen zu können. Für sie ist ein Leben in Deutschland schlicht selbstverständlich. Genau diesem Wunsch sind wir nachgekommen.

Wir wollen nicht mit alten Traditionen brechen, sondern in eine neue Zeit starten.

Die Entwicklung, die dazu geführt hat, möchte ich kurz nachzeichnen. 2006: Ganz Deutschland hat mit der im eigenen Land ausgetragenen Fußball‐Weltmeisterschaft ein neues Nationalbewusstsein entwickelt. Die Zeiten des Sich‐Nicht‐Trauens, der Unsicherheit und auch des schlechten Gewissens haben sich verändert, das Zeigen unserer Nationalfarben ist wieder »erlaubt«. Unsere internationalen Gäste haben dies mit uns gefeiert. Dieses Gefühl – ein neues deutsch‐jüdisches Selbstverständnis – hat sich insbesondere auch unter den jungen Juden eingestellt.

2011: Erstmals bei den European Maccabi Games 2011 in Wien hat Makkabi Deutschland dem Wunsch der Trainer und Obleute, der Sportler und deren Fans entsprochen und eine Ausrüstung in Schwarz‐Rot‐Gold gewählt. So wurden wir endlich auch im europäischen Ausland als »deutsch« wahrgenommen.

2015: Vier Jahre später, bei den im eigenen Land ausgetragenen European Maccabi Games 2015, erreichte dies einen neuen Höhepunkt mit Spielen, die offen waren und bei denen man nicht im Verborgenen blieb. Eine völlig neue Wahrnehmung des jüdischen Lebens in Deutschland! Und auch hier das Einlaufen des deutschen Teams in der Waldbühne in Schwarz‐Rot‐Gold.

2016: Makkabi Deutschland veranstaltete nach 1996 die erste Makkabiade in Deutschland mit 400 AthletInnen aus 20 Makkabi‐Ortsvereinen. 2017: Zum ersten Mal lief die bis dato größte deutsche Delegation bei der Maccabiah 2017 in Israel mit Fahnen und Konfetti in den deutschen Nationalfarben ins Teddy‐Stadion in Jerusalem ein. Mit Stolz und Freude – und herzlich bejubelt! Dies sollte der neue deutsch‐jüdische Weg sein.

2018: Erstmals fanden die Makkabi Deutschland Junior Games in München statt. Neben den sportlichen Wettkämpfen feierten wir den Schabbat, gedachten der Opfer des Olympia‐Attentats ’72 und boten Schiurim mit jüdischen Inhalten an – und das mit fast 400 Jugendlichen unterschiedlicher Glaubenszugehörigkeiten.

 

»Unsere Sportler sind stolz darauf, mit dem Davidstern auf der Brust und den deutschen Farben auf den Trikots einlaufen zu können.«  Alon Meyer

Ja, das neue Logo von Makkabi Deutschland ist schwarz‐rot‐gold. Doch nicht nur das. Es symbolisiert eine neue Offenheit. Der konzeptionelle Gedanke »Stay open. Jüdische Werte, Identität und Bewusstsein nach innen leben. Nach außen erlebbar machen« kommt in dem neuen Makkabi‐Logo dadurch zum Ausdruck, dass der weltweit einheitliche Magen David, mit den vier Buchstaben Mem, Kaf, Beit und Yud, also מכבי = Maccabi, sich nun im Zentrum des Logos befindet und von dynamischen, aufstrebenden, schwarz‐rot‐goldenen Schwüngen begleitet wird.

Sowohl bei den EMG als auch bei den Makkabi‐Weltspielen messen sich jüdische Teams aus verschiedensten Ländern miteinander. Im Gegensatz zu den Ortsvereinen ist das Jüdischsein hier kein Alleinstellungsmerkmal, sondern eine Gemeinsamkeit.

Der neue, in den Mittelpunkt gerückte Makkabi‐Stern unterstreicht unsere Zugehörigkeit zur Makkabi‐Weltfamilie, ein Symbol fast aller Makkabi‐Vereine und -Verbände weltweit! Amerika läuft in Blau‐Rot‐Weiß ein, die Holländer in Orange und Makkabi Deutschland eben in Schwarz‐Rot‐Gold. Das neue Logo unterstützt die Selbstverständlichkeit, mit der die Athleten für Makkabi Deutschland bei internationalen Wettkämpfen antreten wollen.

Fazit: Das Logo spiegelt die Ideologie unseres Verbandes wider! Wir sind ein jüdischer Dachsportverband in Deutschland! Darauf dürfen und wollen wir stolz sein!

Alon Meyer ist Präsident von Makkabi Deutschland und Vorsitzender von TuS Makkabi Frankfurt.

 

CONTRA – Harry Schnabel hält gerade jetzt wenig von fahnenschwenkender Euphorie

Die Delegierten der Makkabi Ortsvereine haben also entschieden: Die Koffer sind ausgepackt. Die Bewegung ist angekommen. Zeit für Schwarz‐Rot‐Gold. Makkabi ist deutsch! So zu lesen auf der Homepage von Makkabi Deutschland.

Sind es nicht die gleichen Delegierten, die unentwegt darüber berichten, dass antisemitische Anfeindungen auf Fußballplätzen stetig zunehmen, wenn Makkabi‐Vereine am Wettbewerb beteiligt sind und der entgegengebrachte Hass immer unerträglicher wird?

Haben wir nicht gerade erst anlässlich der zahlreichen Gedenkfeiern zum 9. November landauf, landab hören müssen, wie besorgt Gemeindevertreter um ihre Mitglieder sind, wenn sie sich in der Öffentlichkeit als Juden zu erkennen geben?

Hat sich nicht erst kürzlich der Zentralrat der Juden in Deutschland wie auch der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein bestürzt über die Zunahme antisemitischer Straftaten gezeigt? Eine Zunahme, die sowohl die Amadeu Antonio Stiftung als auch RIAS empirisch belegen.

Das Letzte, was die Gründungsväter von Makkabi im Sinn gehabt haben, war die Stärkung nationalstaatlicher Gefühle.

Felix Klein fügte sogar noch hinzu, »dass es sich dabei nur um die Spitze des Eisbergs« handele. »Antisemitische Übergriffe und judenfeindliche Einstellungen haben sich in völlig inakzeptabler Weise in Deutschland ausgebreitet.« Ausgerechnet jetzt meint Makkabi Deutschland, Geschichte schreiben zu müssen. Ausgerechnet jetzt in Zeiten zunehmender nationalstaatlicher Tendenzen wird Blau‐ Weiß durch Schwarz‐Rot‐Gold ersetzt.

In 1921 wurde beim 21. Zionistischen Kongress in Karlsbad der Makkabi‐Weltverband gegründet. Das Letzte, was die Gründungsväter von Makkabi im Sinn gehabt haben dürften, war die Stärkung nationalstaatlicher Gefühle der in der Diaspora lebenden Juden. Vielmehr ging es darum, der jüdischen Jugend in den Makkabi‐Vereinen, den Zionismus näherzubringen.

Es besteht sicher Konsens, dass die Makkabi‐Bewegung eine jüdisch‐zionistische Historie hat. Nur, was bitte an dieser Bewegung ist deutsch? Die Makkabi‐Delegierten waren, so scheint mir, nicht vom »Angekommensein« in Deutschland gesteuert, sondern von der Sehnsucht danach fehlgeleitet!

Wir Juden können uns die Zukunft in Deutschland schwarz‐rot‐gold schönfärben, nur bitte aufpassen, dass uns im Zuge dessen nicht der Verstand und das Gespür für geschichtliche Zusammenhänge zugekleistert werden. In Bezug auf jüdisches Leben in Deutschland ist derzeit vorsichtige Skepsis eher angebracht als fahnenschwenkende Euphorie.

»Die jetzt eingeleitete Fehlinterpretation der Makkabi‐Historie wird noch schmerzlicher durch das Entfernen der zionistischen Traditionsfarben.« Harry Schnabel

Die derzeitige Ausrichtung von Makkabi Deutschland steht den Urgedanken der Gründungsväter diametral entgegen. Einen solchen Evolutionsprozess hätte nicht einmal Charles Darwin für möglich gehalten. Und die jetzt eingeleitete Fehlinterpretation der Makkabi‐Historie wird noch schmerzlicher durch das Entfernen der zionistischen Traditionsfarben Blau‐Weiß.

Wenn überhaupt, wäre die Bar‐Kochba‐Bewegung ein geeignetes Vehikel gewesen, um das zu transportieren, worum es den Delegierten wahrscheinlich geht, nämlich neben der jüdischen noch eine deutsche Identität zuzulassen. Makkabi ist hierfür denkbar ungeeignet!

Immerhin wird es für Nostalgiker wie mich eine »Makkabi‐Traditionslinie« geben. Wenigstens das Merchandising hat an alles gedacht. Der »Logo‐Kampagne« merkt man gleichwohl an, dass keine geschichtsbewussten Protagonisten, sondern eine renommierte Werbeagentur federführend war. Ihr kann man keinen Vorwurf machen.

Die könnte, muss aber nicht wissen, dass es die Historie nicht ohne Weiteres zulässt, Schwarz‐Rot‐Gold in Deutschland mit Orange in Holland oder Blau‐Rot‐Weiß in den USA zu vergleichen.
Sie könnte, muss aber nicht wissen, dass »Makkabi« kein gängiger Beiname wie Eintracht oder Borussia ist, sondern vom Freiheitskämpfer Jehuda Makkabi herrührt. Die Delegierten der Ortsvereine von Makkabi Deutschland hätten dies wissen müssen!

Natürlich verstehe ich, dass die dritte und vierte Generation nach dem Holocaust ein anderes, weniger befangenes Verhältnis zu Deutschland hat; dem Land, in dem man lebt. Das ist auch gut so!

Man möge sich bitte nur selbst hinterfragen, warum gerade jetzt – zur Unzeit, wie ich finde – ein Signal der Zugehörigkeit mit nationalstaatlicher Symbolik gesetzt werden musste. Hoffentlich ist die von solch einer Symbolik ausgehende Erwartung nicht zu hoch und die später einsetzende Ernüchterung nicht zu groß.

Harry Schnabel ist Mitglied im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und im Präsidium des Zentralrats der Juden.

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