Halle-Prozess

Plädoyers von Vertretern der Nebenklage

Vor dem Landgericht in Magdeburg fand der Prozess gegen den Attentäter von Halle statt. Foto: dpa

Der Prozess gegen den Synagogen-Attentäter Stephan B. nähert sich dem Ende. Nachdem am Dienstag neun Nebenklagevertreter plädiert hatten, hielten am Mittwoch vier weitere Anwälte ihre Schlussvorträge.

Nebenanklage-Anwältin Assia Lewin kritisierte das Schweigen, Wegsehen und das »Unter-den-Teppich-kehren« der Familie des Angeklagten. »Die Eltern tragen eine große moralische Verantwortung«, betonte die Anwältin und sprach von einer feigen und verachtenswerten Tat. An den Angeklagten gerichtet sagte sie: »Niemand wird sich an Sie erinnern, erinnern wird man an das rechtsstaatliche Verfahren in Deutschland.«

Freiheitsstrafe Der seit Juli laufende Prozess vor dem Oberlandesgericht Naumburg findet aus Sicherheits- und Platzgründen im Landgericht Magdeburg statt. Insgesamt gibt es 43 Nebenkläger, die von 21 Anwälten vertreten werden. Die Nebenklagevertreter schlossen sich weitgehend der Bundesanwaltschaft an und forderten eine lebenslange Freiheitsstrafe und anschließende Sicherheitsverwahrung für den Rechtsterroristen. Die Bundesanwaltschaft sieht bei B. eine besondere Schwere der Schuld und hält ihn für voll schuldfähig.

Der Nebenklagevertreter Juri Goldstein sprach von einem der schlimmsten antisemitischen Verbrechen der Nachkriegszeit. Der Attentäter sei aus blankem Hass auf Menschen zur Synagoge gefahren.

Seine Absicht, mehr als 50 Menschen zu töten - Mütter, Väter, Erwachsene und Kinder -, sei »an Abscheulichkeit nicht zu überbieten«. Der Mörder habe eins erreicht: dass das Thema Antisemitismus erneut in den Mittelpunkt gerückt sei, sagte Goldstein.

»Namenloses Irrlicht« Anwalt Florian Feige, der ein bei dem Anschlagsgeschehen schwer verletztes Paar aus Wiedersdorf bei Halle vertritt, von dem der Täter ein Fluchtauto erpressen wollte, betonte, B. habe mit den Schüssen den Tod der beiden in Kauf genommen. Er habe ein Fluchtauto gewollt, das Leben der beiden Menschen sei ihm schlichtweg egal gewesen. Die Tat werde zwar nicht vergessen werden, aber nicht wie es sich B. vorgestellt habe, sagte Feige. Er werde als »namenloses Irrlicht« in Erinnerung beiben.

Der Anwalt sprach in diesem Zusammenhang von einem »Dorfdeppenphänomen«: Das Problem sei, dass sich vereinzelte Dorfdeppen, Anhänger von Verschwörungserzählungen, heute über das Internet vernetzen und bestärken könnten. Dabei sei auch B. geistig verarmt und habe jede Menschlichkeit abgelegt. Er bat den Angeklagten, nicht mehr das letzte Wort zu ergreifen. Dies sei zwar sein Recht, aber keine Pflicht. »Bitte verschonen Sie uns mit Ihrer zerebralen Diarrhoe«, so der Anwalt.

Synagoge Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 aus einer antisemitischen und rassistischen Motivation heraus versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, um dort ein Blutbad anzurichten.

Zu dem Zeitpunkt hielten sich 51 Menschen in der Synagoge auf, um gemeinsam den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur zu feiern. B. scheiterte an der Tür zum Synagogen-Gelände, erschoss dann die 40-Jährige Jana L. auf der Straße und den 20-jährigen Kevin S. in einem Döner-Imbiss und verletzte weitere Menschen.

Er ist unter anderem wegen zweifachen Mordes, versuchten Mordes in mehreren Fällen sowie weiterer Straftaten wie Volksverhetzung und Körperverletzung angeklagt. Ein Urteil wird für den 21. Dezember erwartet. epd

New York

Mamdani nennt pro-israelische Lobbygruppe »Monster«

New Yorks Bürgermeister verteidigt seine Wortwahl. Der demokratische Abgeordnete Josh Gottheimer wirft ihm vor, Judenhass salonfähig zu machen

 23.06.2026

Washington D.C.

Rubio spricht mit Golfstaaten über Iran-Abkommen

Der US-Außenminister hat sich bislang nur zurückhaltend zu Trumps Iran-Deal geäußert. Steht er wirklich dahinter?

 23.06.2026

Luzern/Teheran

Vance: Iran will IAEA-Inspektoren zulassen – Zeitplan offen

Es kommt Bewegung in die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Der amerikanische Vizepräsident sagt, wie amerikanische Bauern profitieren sollen

 23.06.2026

Berlin

Debatte um Organspende beschäftigt erneut den Bundestag 

Der Zentralrat der Juden lehnt die sogenannte Widerspruchslösung ab

von Christoph Arens  23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026

Osnabrück

Katar bremst bei VW-Kooperation mit israelischem Rüstungskonzern

Die Übernahme des VW-Werks in Osnabrück durch den staatlichen israelischen Rüstungskonzern Rafael ist noch nicht in trockenen Tüchern. Die Gründe sind offenbar politischer Natur

 23.06.2026

Essay

Fallstricke des Wokeismus

Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte bilden ein berechtigtes Korrektiv, aber was über Israel verbreitet wird, bedarf grundlegender Korrekturen

von Richard Blättel  22.06.2026

Kanada

Zwei Tote bei Anschlag im jüdischem Viertel von Montreal

Bei einem der Opfer soll es sich laut Medienberichten um Michael Moshe Mizrahi handeln, ein Mitglied der örtlichen jüdischen Gemeinde

 22.06.2026 Aktualisiert

Meinung

Wenn niemand sonst zu Israel steht

Unser Autor ist Schüler auf einem Gymnasium nahe Köln. Mit Entsetzen stellt er fest, dass Antisemitismus und Israelhass in seiner Klasse mittlerweile absoluter Mainstream sind

von Jan Tersteegen  22.06.2026