Einspruch

Nit möööglich, liebe CDU!

Ehrensenator der Leibniz-Universität Hannover: Michael Fürst Foto: privat

Die Älteren unter uns werden sich erinnern. Riesige Schlappschuhe, Schlabberhosen und eine winzige Geige waren sein Markenzeichen: Grock, ein weltberühmter Schweizer Clown mit seinem unnachahmlich vorgebrachten »Waruuum?«, dem in voller Naivität folgte: »Nit möööglich!«

So ähnlich habe auch ich gefühlt. Was verleitet eine CDU-Fraktion, in der sich ja viele jüdischer Verbundenheit rühmen, dazu, uns mit dem Thema Schächten zu erfreuen? Wir haben ja in Niedersachsen sonst keine Probleme: Die Diesel-VWs tuckern vor sich hin, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus gibt es nur anderswo, Schlachthöfe werden geschlossen, weil sie nicht richtig töten, und unser Geflügel wird stets artgerecht dem menschlichen Verzehr zugeführt.

zurückrudern Natürlich geht man nicht ganz so weit, wie einige meinen, gehört zu haben. Natürlich will man nicht das Schächten verbieten, nein, es geht »nur« um das betäubungslose Schächten, und ein bisschen Zurückrudern findet auch schon statt. Es ging doch nur um 200 Schafe für das Opferfest, für die Muslime eine Ausnahmeregelung beantragt hatten.

An uns Juden hat man dabei gar nicht gedacht. Das kennen wir ja! Dabei gehört das betäubungslose Schächten zum Kern des jüdischen Ritus.

An uns Juden hat man dabei gar nicht gedacht. Das kennen wir ja! Dabei gehört das betäubungslose Schächten zum Kern des jüdischen Ritus. Ein Verbot wäre ein nicht hinnehmbarer Frontalangriff auf die jüdische Religion – und auf die islamische.

tierwohl Meine Freunde in der CDU! Juden und Muslime begrüßen es sehr, dass Sie sich für das Tierwohl engagieren möchten. Gerade in unseren Religionen haben Tierwohl und artgerechte Haltung einen hohen Stellenwert – und betäubungsloses Schächten ist, wenn es richtig gemacht wird, gerade keine Tierquälerei.

Aber muss die CDU nun auch noch AfD-Themen für sich reklamieren, um Wähler zu gewinnen? Reicht es nicht, ordentliche Politik zu machen? Vorher ein wenig nachzudenken, führt meistens zu besseren Resultaten. Der Wähler wird’s belohnen.

Der Autor ist Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen.

Meinung

Einladung, Empörung, Ausladung

Dass der Iran am Weltwirtschaftsforum in Davos zunächst willkommen war und kurz darauf wieder ausgeladen wurde, ist ein Lehrstück darüber, wie Menschenrechte erst dann zählen, wenn sie zum Reputationsrisiko werden.

von Nicole Dreyfus  19.01.2026

Warnung

Holocaust-Überlebende besorgt um Zukunft der Demokratie

Sieben Holocaust-Überlebende berichten in dem Buch »Nach der Nacht« über ihre Sorgen um die Demokratie und den Aufstieg rechter Parteien. Zu sehen sind Ausschnitte der Interviews auch im Nachtprogramm der ARD

 19.01.2026

Analyse

Mächtiger Nebenbuhler

Saudi-Arabien wird für die USA ein immer wichtigerer Partner in Nahost. Was bedeutet diese Entwicklung für Israel?

von Joshua Schultheis  19.01.2026

Dachau

2025 mehr als eine Million Besucher in KZ-Gedenkstätte

Erstmals wurden in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein ganzes Jahr lang Besucher gezählt. 2025 waren es mehr als eine Million. Im kommenden Frühjahr will man deren Profil genauer untersuchen

 19.01.2026

Köln

Jüdischer Karnevalsverein antisemitisch angefeindet

»Es ist das bisher Heftigste, was uns passiert ist«, sagt der Präsident des jüdischen Karnevalsvereins »Kölsche Kippa Köpp«. Den Mut verliert Aaron Knappstein aber nicht

von Leticia Witte  19.01.2026

Russland

Kreml: Putin erhält Einladung in Gaza-»Friedensrat«

In der Ukraine führt der Kremlchef Krieg, in den »Friedensrat« von US-Präsident Donald Trump für den Gazastreifen ist er dennoch eingeladen worden. Moskau erklärt, was es davon hält

 19.01.2026

Kunstakademie Düsseldorf

Jüdische Organisationen verlangen Absage von Veranstaltung mit palästinensischer Terror-Unterstützerin

Die Hintergründe

 19.01.2026 Aktualisiert

Washington D.C.

Bericht: Trump-Regierung prüft Asyl für britische Juden

Großbritannien sei »kein sicherer Ort mehr für Juden«, sagt Donald Trumps persönlicher Anwalt Robert Garson gegenüber »The Telegraph«

 19.01.2026

Proteste im Iran

USA verstärken Militärpräsenz im Nahen Osten

Ein Schlag gegen das Mullah-Regime steht für Washington weiterhin im Raum

 19.01.2026