27. Januar

Nie wieder!

Demonstration militärischer Stärke: Irans Revolutionsgarden schicken im April 2020 einen Militärsatelliten ins All. Foto: imago images/ZUMA Wire

27. Januar

Nie wieder!

Die Bekenntnisse am Holocaust-Gedenktag müssen auch für iranische Drohungen gegen den jüdischen Staat gelten

von Maram Stern  24.01.2021 11:16 Uhr

Wenige Tage vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, bei dem sich Politiker aus aller Welt öffentlich dem »Nie wieder« verschreiben, hört man aus einem Land ganz andere Töne. Im Iran diskutiert das Parlament tatsächlich ein Gesetz, dass die Regierung verpflichten soll, den Staat Israel bis zum Jahr 2040 auszulöschen.

Die Singularität des Holocaust verbietet uns leichtfertige Vergleiche mit dem Nationalsozialismus. Aber in diesem Fall muss man den Vergleich tatsächlich ziehen. Denn es ist, wie bei den Nazis, unbestrittene amtliche Regierungspolitik, das jüdische Volk zu vernichten. Zahllose Male von verschiedensten Funktionären des Regimes öffentlich angekündigt. Das zeitliche Ziel 2040 hatte der »Revolutionsführer« Chamenei bereits 2014 ausgegeben.

ideologie Es ist allerdings eine ungute europäische Sitte, solche Ankündigungen zu ignorieren oder als Bestandteil der iranischen Regierungsfolklore abzutun und schnell zu vergessen. Fälschlicherweise betrachtet man die iranische Führung als »irrationale« Akteure. Natürlich, in unserem westlichen Sinne sind sie verrückt. Aber das kann man nur auf ihre Zielsetzungen und ihre Ideologie beziehen, keinesfalls auf ihr Handeln.

Krieg und insbesondere internationaler Terrorismus sind feste und planmäßige Bestandteile des Konzepts der »Iranischen Revolution« von Anfang an.

Dem Gedanken, dass Krieg eine bloße »Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln« ist, hat man in Europa abgeschworen. »Krieg darf kein Mittel der Politik sein«, hört man dagegen. Wir vergessen dabei gerne, dass andere das anders sehen. Krieg und insbesondere internationaler Terrorismus sind feste und planmäßige Bestandteile des Konzepts der »Iranischen Revolution« von Anfang an.

Und jetzt hat der Iran auch noch offiziell bestätigt, dass er entgegen den Bestimmungen des Wiener Abkommens wieder begonnen hat, Uran auf 20 Prozent anzureichern. Technologisch ist der Iran damit wieder auf dem Weg zur Atombombe. Nicht schon wieder, möchte man schreien. Aber es war vorhersehbar.

abkommen Wie viele andere auch habe ich das Abkommen zum iranischen Atomprogramm von Anfang an skeptisch betrachtet. Der Iran ist von Haus aus kein Land, dem man ohne strenge Kontrollen auch nur einen Millimeter trauen kann. Die Interessen von China und Russland sind andere als die des Westens. In Europa hatte man die Hoffnung, wenigstens ein Mindestmaß an Verbindlichkeit mit dem Iran installieren zu können. Als Jude verlässt man sich aber ungern auf das Prinzip Hoffnung.

Als die Regierung Trump 2018 ihren Ausstieg aus dem Abkommen erklärte, war es de facto erledigt. Nicht, weil Trump so viel Macht besitzt, sondern auch, weil der Iran in gleicher Weise nie ein ernsthaftes Interesse an dem Vertrag hatte. Man hat den willkommenen Anlass genutzt, um zurück zur ursprünglichen Strategie gehen zu können.

In Teheran diskutiert das Parlament ein Gesetz zur Auslöschung Israels bis zum Jahr 2040.

Es hätte durchaus auch eine Alternative für den Iran gegeben. Denn schließlich waren die USA nicht der einzige Vertragspartner. Insofern dokumentiert der iranische Bruch des Vertrags auch, wie wenig man die Europäer und auch Deutschland in dieser Frage als handlungsfähige Akteure ernst nimmt oder gar fürchtet.

gesichtswahrung Der EU-Außenbeauftragte hat den Iran am 11. Januar aufgefordert, seinen Kurs »unverzüglich« umzukehren. Nach meinem Verständnis von »unverzüglich« sind wir jetzt über die Zeit. Allein zur Gesichtswahrung bedürfte es eigentlich einer starken und praktischen europäischen Antwort.

Bislang begnügt man sich jedoch weiter mit »scharfer« Kritik und dem Bekenntnis zur Fortführung des Vertrags. Eines Vertrags wohlgemerkt, an den sich zwei Vertragspartner schon gar nicht mehr halten. Man treibt das Prinzip Hoffnung auf die Spitze und will nicht wahrhaben: Dieser Vertrag ist am Ende.

Die Singularität des Holocaust verbietet uns leichtfertige Vergleiche mit dem Nationalsozialismus. Aber in diesem Fall muss man den Vergleich tatsächlich ziehen.

Die neue Regierung Biden wird nicht aus dem Stegreif zum Status quo von 2017 zurückkehren können. Und sie sollte es auch nicht wollen. Es wäre ein propagandistischer Sieg für den Iran, der zugleich alle verbalen Attacken und terroristischen Aktivitäten der vergangenen drei Jahre nachträglich legitimieren würde.

verhaltensmuster Es ist ein durchgängiges Verhaltensmuster des Iran, in allen Verhandlungen und Verträgen immer neue Ausnahmen zu erfinden, Lücken zu suchen und mit fragwürdigen Interpretationen Nachverhandlungen zu initiieren. Das spiegelt wider, dass der Iran zwar auf dem Papier, nicht aber im Geist zu diesem Vertrag steht. Kein Vertrag kann so funktionieren. Und deshalb kann möglicherweise mit dem Iran auch niemals ein Vertrag funktionieren − vor allem, solange Teheran nicht öffentlich und glaubhaft seiner Politik abschwört, Israel vernichten zu wollen.

Ein Letztes, weil ich immer wieder höre: »Selbst wenn der Iran eine Bombe hätte, würde er sie nie einsetzen.« Diese Spekulation ist für mich indiskutabel und verbietet sich von vornherein. Israel darf gar nicht erst in diese Gefahrenlage kommen. Deshalb sei allen europäischen Verantwortlichen, die am 27. Januar ihr Bekenntnis zum »Nie wieder« ablegen, gesagt: Lassen Sie sich nicht schon wieder auf die Tricksereien des Terror-Regimes in Teheran ein! Machen Sie klar, dass »Nie wieder« auch für Drohungen gegen Israel gilt. Und handeln Sie so, als würde es um Ihre eigenen Kinder gehen!

Der Autor ist Geschäftsführer des Jüdischen Weltkongresses (WJC).

Washington

Trump: Iran muss sofort seine Stellvertreter im Libanon stoppen

Der Iran muss seine Proxys im Libanon unter Kontrolle bringen, fordert Trump. Andernfalls müsse Teheran mit harten Konsequenzen rechnen

 21.06.2026

Potsdam

Linke sucht Kontakt mit Juden im Kampf gegen Antisemitismus

Der Partei wird immer wieder Antisemitismus vorgeworfen. Nun heißt es in einem Beschluss, dass der Parteivorstand mit jüdischen Verbänden in den Austausch gehen soll

 21.06.2026

Iran-Verhandlungen

US-Vizepräsident Vance sieht »große Fortschritte«

In der Schweiz wird über ein Ende des Iran-Kriegs verhandelt. US-Vizepräsident Vance bewertet den Auftakt der Gespräche offenbar als Erfolg

 21.06.2026

Teheran

Iran: Verhandlungen mit USA auf einen Tag begrenzt

Die Verhandlungen zwischen Teheran und Washington in der Schweiz wurden mit Spannung beobachtet. Nun dämpft der Iran die Erwartungen

 21.06.2026

Meinung

Die Linkspartei ist für Juden unwählbar geworden

Jede Hoffnung, »Die Linke« könnte ein vernünftiger Partner werden, wurde enttäuscht. Die Partei unterstützt konsequent die Kräfte, die jüdisches Leben unmöglich machen wollen

von Sigmount A. Königsberg  21.06.2026

Berlin

Mann mit Kippa beleidigt und bespuckt

Laut eines Medienberichts kam es am Samstag in Berlin-Charlottenburg zu einem antisemitischen Vorfall

 21.06.2026 Aktualisiert

Kiew

Selenskyj schickt polnischen Orden zurück

Weil er eine Einheit ehrt, die im Zweiten Weltkrieg Massaker an Polen und Juden begangen hat, entzieht Polens Präsident Nawrocki dem ukrainischen Staatschef Selenskyj die höchste Auszeichnung des Landes. Der schickt den Orden jetzt per Post zurück

 21.06.2026

Potsdam

Neuer Linken-Chef: Kein Unterschied zwischen CDU »und den Faschisten selbst«

Luigi Pantisano sorgte am Wochenende auf dem Linken-Parteitag in Brandenburg mit einer Aussage für Empörung. Kurz darauf wurde er mit lediglich 53 Prozent zum Co-Vorsitzenden der Partei gewählt

 21.06.2026

Luzern

Gespräche zwischen Iran und USA starten

Es geht um Teherans Atomprogramm und ein Ende der Kämpfe zwischen der Terrormiliz Hisbollah und Israel: Heute wollen Vertreter der USA und des Irans in der Schweiz Lösungen für diese heiklen Probleme näherkommen

 21.06.2026