Antisemitismus

»Nicht jedes Bundesland allein«

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Foto: Gregor Zielke

Antisemitismus

»Nicht jedes Bundesland allein«

Felix Klein über die neue Bund-Länder-Kommission und Maßnahmen zur Bekämpfung von Judenhass

von Detlef David Kauschke  13.06.2019 11:17 Uhr

Am vergangenen Donnerstag haben die Bundeskanzlerin sowie die Länderchefs die Errichtung einer Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus beschlossen. Sie haben das einen Meilenstein genannt. Warum?
Wir haben jetzt zum ersten Mal ein Gremium, in dem Länder und Bund in einer Struktur systematisch Probleme und Lösungsmöglichkeiten besprechen und sich austauschen können. Die Vielzahl der Maßnahmen im Kampf gegen Antisemitismus liegt in der Kompetenz der Länder. Das betrifft unter anderem die Stärkung und Sensibilisierung von Polizei und Justiz oder die Ergänzung der Juristen- und Lehrerausbildung. Es ist zielführend, diese Themen gemeinsam anzugehen, nicht jedes Land für sich allein.

Sie haben das Gremium mit der Kultusministerkonferenz verglichen. Zeigt die nicht deutlich, dass beispielsweise im Bereich Schulen doch jedes Land allein agiert?
Natürlich entscheidet am Ende jedes Bundesland für sich. Aber die zwei informellen Treffen der Antisemitismusbeauftragten, die wir bereits hatten, zeigten bereits, wie erfolgreich die Vernetzung funktioniert, was bei der Aktion aller Antisemitismusbeauftragten gegen eine unerträgliche Plakatwahlwerbung der Partei »Die Rechte« zu sehen war. Das ist ein konkretes Beispiel dafür, wie wir gemeinsam vorgehen können. Ich stelle mir vor, dass Länder auch ihre Initiativen präsentieren und damit andere inspirieren, wie beispielsweise Bayern als erstes Land die Antisemitismusdefinition jetzt in den Landesbehörden anwendet, in Polizei- und Lehrerausbildung. Es ist wichtig, dass wir eine Kommission haben, in der alle Länder vertreten sind und in der wir gemeinsame Beschlüsse fassen können.

Sie haben am Mittwoch eine von der »Zeit«-Stiftung initiierte Aktion vorgestellt. Worum geht es dabei?
Betroffene und Zeugen antisemitischer Vorfälle sind oftmals unsicher, wie sie reagieren sollen, wenn sie in ihrem Umfeld Judenhass wahrnehmen. Dieses Projekt gibt Argumentationshilfen und Handlungsempfehlungen. Es ist eine Aktion aus der Zivilgesellschaft, an der sich Initiativen und Einzelpersonen beteiligen. Das ist genau das, was wir brauchen: dass sich die anständigen Menschen zusammenschließen und zeigen, dass wir keinen Antisemitismus in unserer Mitte dulden.

Wie bewerten Sie es, dass Ihr Aufruf zum »solidarischen Kippatragen« kaum jemanden erreicht hat?
Ich weiß, dass dennoch viele den Appell zur Kenntnis genommen und sich Gedanken gemacht haben. Das symbolische Kippatragen ist auch nicht die einzige Möglichkeit, Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft zu zeigen. Ich hätte mir mehr Teilnehmer gewünscht, bin aber nicht entmutigt. Allein die Tatsache, dass so viel berichtet wurde und das Thema wieder eine so hohe Aufmerksamkeit erfahren hat, ist ein gutes Zeichen.

Mit dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung sprach Detlef David Kauschke.

Andenken

Vier Schulen und mehrere Plätze nach Margot Friedländer benannt

Vor einem Jahr - am 9. Mai - starb die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit 103 Jahren. Für viele war sie ein Vorbild. Inzwischen tragen immer mehr Schulen, Straßen und Plätze ihren Namen. Eine Übersicht

von Karin Wollschläger  08.05.2026

Essay

Wenn meine Töchter mich fragen

Am 8. Mai 1945 wurde der NS-Staat besiegt, aber nicht das Denken, das ihn ermöglicht hat. Der Hass wächst heute wieder. Werde ich meinen Kindern einmal sagen können, dass ich nicht geschwiegen, sondern widersprochen habe?

von Andreas Albrecht  08.05.2026

Initiative

Antisemitismusbeauftragter Klein begrüßt Gesetzentwürfe im Bundesrat

Im Bundesrat geht es an diesem Freitag um den Handel mit Nazi-Opfer-Gegenständen und um das Leugnen des Existenzrechts Israels. Der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein begrüßt die Vorstöße

von Anita Hirschbeck  08.05.2026

Meinung

Der »Tag des Sieges« und der Krieg heute

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges müssen wir die Geschichte neu aufrollen und hinterfragen, wie wir mit dem stets pompös begangenen 9. Mai umgehen sollen

von Irina Bondas  08.05.2026

Washington D.C./Teheran

USA fordern Freilassung von Nobelpreisträgerin Mohammadi

Der Gesundheitszustand der inhaftierten iranischen Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi ist schlecht

 08.05.2026

Boulder/Washington D.C.

Brandanschlag auf Solidaritäts-Demo für Hamas-Geiseln: Täter bekennt sich schuldig

Nach dem tödlichen Angriff in Colorado auf eine Solidaritätskundgebung für israelische Geiseln droht dem mutmaßlichen Täter nach seinem Geständnis nun lebenslange Haft

 08.05.2026

Washington D.C.

USA laden Israel und Libanon zu neuer Gesprächsrunde ein

Nach israelischen Angaben soll es bei den Treffen unter anderem um konkrete Schritte zur Entwaffnung der Hisbollah gehen

 08.05.2026

Washington D.C.

Trump nach Eskalation in Straße von Hormus: USA gaben dem Iran »nur einen kleinen Klaps«

Nach Angaben des US-Zentralkommandos gerieten drei Zerstörer während ihrer Passage durch die Meerenge unter Beschuss. Das amerikanische Militär reagierte

 08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026