Berlin

Netanjahu trifft Scholz und Steinmeier

Benjamin Netanjahu Foto: picture alliance / photothek

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kommt in die Bundesrepublik. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) werde ihn am Donnerstag zu einem Mittagsessen im Kanzleramt empfangen, teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit in Berlin mit.

Im Gespräch der beiden Regierungschefs werde es um »die bilaterale Zusammenarbeit sowie internationale und regionale Sicherheitsfragen« gehen. Ungeachtet der jüngsten Kritik an Netanjahus Politik freue sich der Kanzler auf den Besuch, versicherte Hebestreit.

HINTERGRUND In Israel gibt es derzeit regelmäßig Großdemonstrationen gegen die von Netanjahus rechts-religiöser Regierung geplante Justizreform. Dem dortigen Parlament soll es ermöglicht werden, Entscheidungen des Höchsten Gerichts aufzuheben. Kritiker sehen dadurch die Gewaltenteilung in Gefahr.

Bereits am Mittwochabend soll der israelische Regierungschef in Berlin eintreffen und bis Freitag bleiben.

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte sich bereits besorgt über das umstrittene Vorhaben geäußert. Er wird Netanjahu ebenfalls treffen. Eine Unterredung im Schloss Bellevue ist am Donnerstagnachmittag vorgesehen. Bereits am Mittwochabend soll der israelische Regierungschef in Berlin eintreffen und bis Freitag bleiben.

STAATSRÄSON Der bevorstehende Besuch war von der Bundesregierung zunächst nicht bestätigt worden, während die Botschaft Israels der Jüdischen Allgemeinen bereits am Dienstag letzter Woche mitteilte, Benjamin Netanjahu werde in der Bundesrepublik erwartet, wurde dies in Berlin erst gestern offiziell bekanntgegeben.

Das deutsch-israelische Verhältnis ist ein höchst sensibles Thema. »Die Sicherheit Israels ist für uns Staatsräson«, heißt es im Koalitionsvertrag der Ampelregierung. Gleichwohl sorgten die umstrittenen Justizreformpläne von Premier Netanjahu und seiner Koalition für Differenzen.

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP), Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und zuletzt am Freitag ungewöhnlich deutlich auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerten Sorge über den von Israels Regierung »geplanten Umbau des Rechtsstaates«.

Prinzipien Deutschland und Israel verbinde gemeinsame Werte, sagten Buschmann und Baerbock. Dazu gehört laut Baerbock »der Schutz rechtsstaatlicher Prinzipien wie die Unabhängigkeit der Justiz«. Steinmeier sagte bei einem Empfang zum 50-jährigen Bestehen der Universität Haifa, er setze auf die »kluge und ausgleichende Stimme« seines Freundes und Amtskollegen Isaac Herzog.

Herzog hatte sich zuletzt in einer TV-Rede offen gegen die Regierungspläne ausgesprochen. Sie seien eine Gefahr für das demokratische Fundament.

Kernpunkte der geplanten Reform hätten eine Schwächung der Justiz und der demokratischen Gewaltenteilung zufolge. So soll die Regierung etwa deutlich mehr Einfluss auf die Ernennung von Richtern erhalten. Entscheidungen des obersten Gerichts sollen mit einer einfachen Parlamentsmehrheit ausgehebelt werden können.

Die Kritik daran reißt in Israel nicht ab, und sie kommt aus allen Gesellschaftsschichten. Reservisten mehrerer Armeeeinheiten kündigten Dienstverweigerung an, sollte die geplante Reform umgesetzt werden. Der frühere Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit sprach angesichts der Reformpläne von einem »Ende der Demokratie«, der Historiker Yuval Noah Harari von einem »Staatsstreich« der Regierung.

Widerstand Für Mittwoch, wenn Netanjahu nach Berlin fliegt, sind Straßenblockaden auf den Zufahrtswegen zum Flughafen, für Donnerstag an landesweiter »Tag des eskalierenden Widerstands« angekündigt. Kritiker der israelischen Regierung riefen auch für Berlin zu Demonstrationen während Netanjahus Besuch auf.

Nicht allen geht das weit genug. In Israel mehren sich die Stimmen, die sich eine klarere Position nicht nur aus Berlin wünschen. Die Biden-Regierung in den USA habe deutliche Erklärungen abgegeben und Netanjahu nach der Wahl auch nicht wie sonst üblich ins Weiße Haus eingeladen, sagte etwa der israelische Rechtsexperte und Menschenrechtler Dan Jakir jüngst im Interview der »Berliner Zeitung«. Er hoffe, »dass Vertreter in Deutschland ähnlich deutlich werden«.

Die Themenpalette der Gespräche in Berlin dürfte breit gefächert sein. Neben der »bilaterale Zusammenarbeit« wird es auch um die Justizreform gehen sowie um die Zwei-Staaten-Lösung, um die es schon lange vor den jüngsten palästinensischen Terroranschlägen und dem Angriff israelischer Siedler auf die palästinensische Stadt Huwara schlecht stand, da die Palästinenserführer sowohl Verhandlungen als auch Abkommen mit Israel ablehnen und den Staat weiterhin nicht einmal anerkennen.

Dennoch wird sie regelmäßig von der Bundesregierung gegenüber der israelischen Regierung angemahnt. Auch die vom iranischen Atomprogramm ausgehende Gefahr dürfte zur Sprache kommen.

Unterdessen kündigte die Berliner Polizei »umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen und Verkehrssperrungen« an, zu denen es von Mittwoch bis Freitag »aufgrund eines Staatsbesuches« kommen werde. Primär betroffen seien die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte. dpa/kna/ja

Straße von Hormus

US-Marine soll jeden Minenleger versenken

Der amerikanische Präsident Donald Trump verschärft seinen Kurs gegen den Iran

 23.04.2026

Berlin

Bundesregierung sieht Chance bei Verhandlungen zwischen USA und Iran

Kehren die Washington und Teheran zurück an den Verhandlungstisch? Die Bundesregierung sieht in Verhandlungen eine Chance für den Frieden

 23.04.2026

Parteien

Streit um Israel: Linke auf der Sandbank?

Die Linke ringt weiter über ihre Haltung zu Israel und zum Nahostkonflikt. Der Parteivorstand will mit einem Leitantrag für den Parteitag in Postdam im Juni den Streit befrieden. Doch auch eine Personalie sorgt für Diskussionen

von Michael Thaidigsmann  23.04.2026

Zukünftige Führung

Schah-Sohn Reza Pahlavi wirbt in Berlin für härteren Kurs gegen Mullahs

Reza Pahlavi sieht keine Reformer in der iranischen Führung und wirbt für einen politischen Wandel. Vor seinem Auftritt wurde er mit Tomaten beworfen

 23.04.2026 Aktualisiert

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« kooperiert mit katholischer »Tagespost«

Ein Zeichen gegen Antisemitismus: »Die Tagespost« legt ihren Abonnenten die »Jüdische Allgemeine« kostenlos bei. Hinter der Aktion steckt unter anderem ein rundes Jubiläum

von Hannah Krewer  23.04.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon warnt: Räumung von Minen in Straße von Hormus könnte ein halbes Jahr dauern

Der Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus wird darüber informiert, dass Teheran mindestens 20 Minen in und um der wichtigen Meerenge platziert haben soll

 23.04.2026

China

Viraler Judenhass in China

Im Zuge des Iran-Kriegs nimmt der Antisemitismus im Diskurs der asiatischen Großmacht dramatisch zu. Eine Analyse

von Sven Benentreu  23.04.2026

Magdeburg

Landtag setzt mit Staatsvertrag Zeichen gegen Antisemitismus

Am 12. Dezember 2025 hatten das Land und die jüdischen Gemeinden Sachsen-Anhalt den geänderten Staatsvertrag unterzeichnet. Am Mittwochabend hat der Landtag den Vertrag beschlossen

 23.04.2026

Houston

Jüdisches Gemeindezentrum nach Drohungen geschlossen

Betroffen ist auch die Shlenker School, eine zur Gemeinde gehörende Gesamtschule. Das FBI und die Polizei ermitteln

 23.04.2026