André Herzberg

Nein, ihr seid nicht mutig

André Herzberg Foto: Stephan Pramme

Na, jetzt klopft ihr euch auf die Schulter, nach eurer billigen Neun-Minuten-Provokation. Ihr habt uns lächerlich gemacht, indem ihr euch im Film unseren Stern an die Brust geheftet und das Seil um den Hals gelegt habt. Ihr wusstet, dass wir nervös aufheulen werden, aber eure kalten Anwälte haben euch zugenickt und gesagt, dass das als Kunstfreiheit durchgeht.

Euer Plan ist aufgegangen, unsere Alten haben aufgeheult, da habt ihr angefangen zu lächeln.

Vorfahren Wir wenigen sind die, die getroffen wurden. Wir sind wieder mal als das behandelt worden, was wir sind: als Fremde. Unser Leid, unsere Erinnerung ist eben nicht eure. Wir können nicht so mit unseren Erinnerungen spielen. Es sind unsere Vorfahren, es ist unser Leid, es bleibt unsere Demütigung.

Kalt seid ihr und niemals mitfühlend. Eins waren wir nie für euch: Menschen wie ihr.

Wir haben uns angepasst, uns verleugnet, aber ihr spürt uns auf, eure Kälte spürt uns auf, macht uns immer wieder ängstlich und beschämt. Eure rohe Brutalität, euer Lachen, euer kaltes Hervorzerren unserer Leiden lässt uns in unsere Löcher verkriechen.

Kalt seid ihr und niemals mitfühlend. Manchmal winselt ihr auch, weil ihr auch noch das Gefühl habt, ihr seid übervorteilt worden, wegen des Geldes, das ihr uns mal gezahlt habt, schreit, jetzt ist es aber genug, dann haltet ihr uns immer wieder vor, wir wären nicht besser als ihr, wir würden mit anderen machen, was ihr mit uns gemacht habt. Eins waren wir nie für euch: Menschen wie ihr.

STERN Was mutig gewesen wäre: Ihr hättet euch als die verkleidet, die ihr die ganze Zeit darstellt, deren Gehabe ihr ohnehin kopiert. Ihr wärt Nachbar, Zugführer und letztlich Mann in der Uniform gewesen, der uns Gesichtslose mit dem Stern an der Brust bis zur Gaskammer führt – und wie ihr damit weiterlebt.

Aber so war es nur pure, verlogene Heuchelei, die euch ein paar Taler bringt.

Der Autor ist Sänger der Band »Pankow« und wuchs als Kind jüdischer Kommunisten in der DDR auf.

Justiz

Historiker im KZ-Prozess: SS-Wachen waren an Erschießungen beteiligt

Mehr als 200.000 Menschen waren zwischen 1936 und 1945 im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Bewacht wurden sie von Menschen wie Josef S. Der 101-Jährige steht dafür jetzt vor Gericht

von Lukas Philippi  03.12.2021

Einwanderungsgesellschaft

Bundespräsident verleiht Verdienstorden

Zu den Ausgezeichneten gehören unter anderem KIgA und das Jugendbildungswerk »Open Mind«

 03.12.2021 Aktualisiert

Medien

Antisemitismusvorwürfe: DW stellt Mitarbeiter während Prüfung frei

Geprüft werden die Anschuldigungen von Ahmad Mansour und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

 03.12.2021

Brüssel

EU-Verfahren gegen Deutschland

Europäische Kommission: Ähnlich wie in Ungarn oder Luxemburg wurde nicht genug gegen Hassrede getan

 02.12.2021

Auffrischungsimpfung

Israelischer Experte übt massive Kritik an Ständiger Impfkommission

Ronni Gamzu bemängelt die Langsamkeit der Deutschen

 02.12.2021

KZ Sachsenhausen

Angeklagter streitet Vorwürfe weiter ab

Wahrscheinlich einer der letzten noch lebenden potenziellen Täter steht seit Oktober vor Gericht

 02.12.2021

Bayern

Generalstaatsanwalt prüft AfD-Chatgruppe

Am Mittwoch war durch einen Bericht des Bayerischen Rundfunks bekannt geworden, dass Teilnehmer der »Alternativen Nachrichtengruppe Bayern« unter anderem über gewalttätige Proteste und einen Bürgerkrieg in Deutschland diskutiert hatten

 02.12.2021

Antisemitismus

Weltverband will weitere Konsequenzen aus Israel-Boykott Malaysias ziehen

Israels Team durfte nicht zur WM anreisen. Jetzt kündigt der Weltsquashverband eine Überprüfung des Vorgangs an

von Michael Thaidigsmann  02.12.2021

Antisemitismus

Bund: Vorwürfe schnell aufklären

Beauftragte für Kultur und Medien nimmt aktuelle Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Deutschen Welle »sehr ernst«

 02.12.2021