Demonstrationen

Nazis, Linke, Islamisten

»Kindermörder Israel« schallt es aus dem Polizeiauto in Frankfurt. Foto: Rolf Oeser

Zu Steinwürfen und anderen Formen der Gewalt kam es am vergangenen Wochenende in Frankfurt/Main, als eine bizarre Koalition aus Neonazis, arabischen und türkischen Migranten und Anhängern der Studentenorganisation »Die Linke – SDS« über die Einkaufsstraße Zeil marschierte, um gegen Israels militärisches Vorgehen im Gazastreifen zu demonstrieren.

Weil sie, wie es später hieß, deeskalierend wirken wollte, erlaubte die Einsatzleitung der Polizei den Organisatoren der Demonstration, den Lautsprecher eines Polizeiwagens zu nutzen. Zu hören war dann die Parole »Kindermörder Israel«. Man habe das vorher nicht gewusst, sagte eine Polizeisprecherin, »wir hätten das nicht erlaubt«.

Gespräch Frankfurts Polizeipräsident Achim Thiel telefonierte noch am selben Abend mit Dieter Graumann, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, um sein Bedauern auszudrücken.

Dieter Graumann erklärte, dass es ihn entsetzt habe, wie viel an Hass und Hetze auf deutschen Straßen gegen Israel und gegen Juden transportiert werde. »Total schockiert war ich aber auch, dass ein deutsches Polizeiauto dazu benutzt werden konnte, um widerliche Hassparolen zu verbreiten.« Leider habe sich die Polizei missbrauchen lassen. »Das war ein Fehler, der sich nicht wiederholen darf.« Er erwarte von der Polizei, dass sie für Recht und Ordnung sorge und politisch neutral bleibe. »Wir wollen unseren Behörden doch fest vertrauen können – und wollen dies auch weiterhin tun!«

koalitionen Gewalttätige Demonstrationen finden auch in anderen deutschen Städten statt. In Bremen wurde ein Passant unter »Zionisten sind Faschisten«-Rufen lebensgefährlich zusammengeschlagen. In Dortmund marschierten Migranten, unterstützt von Kadern der Nazipartei »Die Rechte«, mit Hamas-Fahnen durch die Innenstadt. 120 Demonstranten zogen am Samstag durch Gelsenkirchen.

Ein Sturm auf die Alte Synagoge in Essen konnte am Donnerstag vergangener Woche von der Polizei nur mit Mühe verhindert werden. In Bonn wurde ein junger Mann, der eine Israelflagge trug, von Salafisten am Rand einer antiisraelischen Demonstration bespuckt und beschimpft. Die Polizei schaute tatenlos zu.

Dieter Graumann sagte, dass sich hier ein Hass Bahn breche, der so stark sei, wie er das nicht erwartet habe. »Kritik ist eine Sache. Aber das Verbreiten von Hetze ist doch etwas ganz anderes. Wenn bei einer Demonstration im Ruhrgebiet etwa laut gerufen wurde ›Hamas, Hamas, Juden ins Gas‹ – dann ist das doch nur noch ekelerregend.« Hier müsse auch dem Letzten klar werden, welche Motivation hinter solchen Äußerungen stecke.

Großbritannien

Applaus für britischen Außenminister von der Hamas

Ein hochrangiger Funktionär der Terrorgruppe begrüßt die Sanktionen, mit denen das Vereinigte Königreich Israel belegt hat. Das sei ein »wichtiger Schritt in die richtige Richtung«

 10.09.2026

Sachsen-Anhalt-Wahl

Nach AfD-Sieg: Cem Özdemir rief jüdische Gemeinden an

Der Ministerpräsident versicherte, dass sie in Baden-Württemberg nicht auf gepackten Koffern sitzen müssten

 10.09.2026

Bayern

Jugendlicher bestreitet Anschlagspläne auf Synagoge

Ein 16-Jähriger steht in Augsburg wegen Planung eines Anschlags vor Gericht. Ihm werden schwere Straftaten vorgeworfen. Das Verfahren läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit

 10.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Krieg

Iran bereit für »Blitzoffensive«

Die iranische Militärführung betont ihre Bereitschaft zu schnellen Einsätzen im ganzen Land. Was Kommandeur Hassansadeh über Motivation und Strategie sagt

 10.09.2026

Erinnerung

Gedenkstätten-Leiterin wünscht sich stärkere Wirkung in Gesellschaft

Die Angebote von Gedenkstätten müssen nach Ansicht der niedersächsischen Stiftungsgeschäftsführerin Elke Gryglewski verständlicher werden. Sie fordert neue Zugänge zum Blick auf die NS-Zeit für breite Bevölkerungsschichten

von Charlotte Morgenthal  10.09.2026

Mecklenburg-Vorpommern

SPD nähert sich in Umfragen der AfD

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig präsentiert sich im Landtagswahlkampf als »die Frau gegen Blau«. In den Umfragen legt sie zu

 10.09.2026

Aufruf

Jüdische und christliche Jugendorganisationen warnen vor der AfD

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen: Auf den AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt könnte bald ein zweiter in Mecklenburg-Vorpommern folgen. Die Sorge darüber vereint junge Menschen christlicher und jüdischer Herkunft

 10.09.2026

Sachsen-Anhalt

Charlotte Knobloch: »Die AfD ist rechtsextrem«

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern äußert sich »bis ins Tiefste entsetzt« über den AfD-Wahlerfolg und plädiert erneut für ein Verbotsverfahren gegen die Partei

 10.09.2026