Vereinte Nationen

Nach Streit um Israel: USA wollen der UNESCO wieder beitreten

Foto: picture alliance / REUTERS

Die USA wollen nach mehreren Jahren Abwesenheit wieder Teil der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) werden. Außerdem wolle Washington beim Wiedereintritt 600 Millionen Dollar an offenen Zahlungen begleichen, teilte die UN-Organisation mit. Washington war im Streit über die Nahost-Politik aus der UNESCO ausgetreten.

Aus US-Regierungskreisen verlautete, dass die Entscheidung zum Wiedereinstieg aber vor allem aus geopolitischen Gründen getroffen worden sei. In Washington gehe die Sorge um, dass China die Lücke besetzte, die die USA gelassen hätten, und damit Einfluss auf wichtige Entscheidungen bei der UNESCO nehme. Konkret gehe es etwa um Standards für Künstliche Intelligenz und Ausbildung im Technologiebereich weltweit.

Multilateralismus In den kommenden Wochen muss die Wiederaufnahme der USA noch durch eine Abstimmung der 193 Mitgliedsstaaten bestätigt werden. Doch das dürfte eine reine Formalität sein. Die Ankündigung zum Wiedereintritt der USA wurde am Montag überwiegend positiv aufgenommen. Nur Chinas Botschafter Jin Yang übte Kritik an der Abwesenheit der USA und äußerte die Hoffnung, dass es Washington mit dem Multilateralismus ernst meine.

Die USA waren einst wichtigster Geldgeber für die UNESCO, die unter anderem durch die von ihr ausgewiesenen Weltkultur- und Weltnaturerbestätten bekannt ist. Eine Rückkehr der USA spült damit auch wieder viel Geld in die Kassen der Organisation.

Die USA und Israel hatten ihre Zahlungen an die UNESCO eingestellt, nachdem in einer Abstimmung Palästina zu einem Mitgliedsstaat gewählt wurde, obwohl es sich nicht um einen souveränen Staat handelt. Im Jahr 2013 verloren beide Staaten ihre Stimmrechte. Der damalige Präsident Donald Trump entschied 2017, komplett aus der UNESCO auszutreten.

Historischer Moment »Es ist ein historischer Moment für die UNESCO«, sagte Generaldirektorin Audrey Azoulay am Montag. »Es ist auch ein wichtiger Tag für den Multilateralismus.«

Vergangene Woche überbrachte ihr eine Delegation der US-Regierung in Paris einen Antrag auf Wiederaufnahme. In dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur AP vorlag, wurde darauf verwiesen, dass es Fortschritte bei der Entpolitisierung der Debatte über den Nahen Osten und strukturellen Reformen innerhalb der Unesco gegeben habe.

Die Entscheidung der USA zurückzukehren, sei das Resultat von fünf Jahren Arbeit, sagte Azoulay der AP. Man habe versucht, Spannungen abzubauen, vor allem beim Thema Nahost, und habe die Funktionsweise der Organisation verbessert. Ein Diplomat sagte, man würde auch Israel wieder aufnehmen, falls es das wünsche. Eine Reaktion gab es zunächst nicht. Auch der palästinensische Botschafter gab keinen Kommentar ab.

Freie Welt Auch wenn der Austritt der USA mit der Nahost-Politik zu tun hatte, ist der Wiedereintritt eher dem erstarkten China geschuldet. Das legten auch Aussagen eines Abteilungsleiters im Außenministerium, John Bass, im März nahe.

Das Fehlen der USA in der UNESCO habe China eine einflussreichere Position verschafft und erschwere es Washington, für seine Vision einer freien Welt zu werben, sagte er. Auch wenn man im Wettbewerb mit Peking bei modernen Technologien bleiben wolle, könne man es sich nicht mehr leisten, außen vor zu sein. Denn die UNESCO setze wichtige Standards.

Schon im Oktober 2016 war es zu Problemen zwischen Israel und der UNESCO gekommen. Damals hatte die UN-Behörde unter der Federführung arabischer Staaten eine Resolution verabschiedet, in dem für die heiligen Stätten Jerusalems lediglich arabische Namen genannt wurden.

Israel war darin fälschlicherweise vorgeworfen worden, den Zugang zur Al-Aksa-Moschee für Muslime illegal einzuschränken. Israel reagierte damals, indem es die Kooperation mit der UNESCO in den Bereichen Bildung und Forschung einstellte.

Die USA waren schon 1984 unter dem damaligen Präsidenten Ronald Reagan zeitweilig aus der UNESCO ausgetreten. Damals wurden als Gründe Misswirtschaft, Korruption und eine pro-sowjetische Haltung der Organisation genannt. Erst 2003 traten die USA wieder bei. ap/ja

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  10.10.2026

Das eingeschaltete Blaulicht ist auf dem Dach von einem Einsatzfahrzeug der Polizei am 28.02.2026 bei einem Polizeieinsatz zu sehen.

Deutschland

Berlin-Kreuzberg: Aushänge gegen Judenhass - Jugendliche greifen Geschäftsinhaber an

Der Staatsschutz ermittelt

 10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026