Meinung

Mitzvah Day: Pflichten, die helfen

Es gibt 613 Mizwot, die jeder Jude zu befolgen hat. Klar, viele gelten nicht in der heutigen Zeit, in der es keinen Tempel gibt, und viele gelten nicht in der Galut, außerhalb Israels. Das Leben eines religiösen Juden richtet sich nach unseren Geboten, dem Schabbat und den Feiertagen, der Tfilla, der Kaschrut. Warum also gibt es einen eigenen Mitzvah Day, wenn wir doch sowieso tagein, tagaus unser ganzes Leben Mizwot zu vollbringen haben?

In einer Zeit, in der die meisten Juden immer säkularer, »modern« leben, neigen viele dazu, zu sagen: »Ich bin gläubig, ich versuche, ein guter Mensch zu sein, und spreche immer wieder mit G’tt.« Doch das Judentum besteht aus Taten. Nicht, dass der Glaube unwichtig wäre, aber daran zu denken, etwas Gutes zu tun, ist das eine, es auch wirklich zu tun, schon viel schwieriger.

fixpunkte Und in der Gemeinschaft fällt es viel leichter, ja, macht Spaß und stärkt den Zusammenhalt. Wir Menschen brauchen Fixpunkte im Leben. Wie beim Gedenken an die Pogromnacht und die Schoa tragen wir die Erinnerung immer in uns, dennoch brauchen wir spezielle Tage, an denen wir Jiskor sagen, an denen wir unserer Verstorbenen gedenken. Und genauso brauchen wir Highlights im Leben, gemeinsame Aktionen, Pläne.

Unsere Jugend trifft sich fast jede Woche, plant Auftritte zu Festen, zur Jewrovision, und jetzt ist sie Feuer und Flamme für den Mitzvah Day. Gerade die sozialen Tätigkeiten, Bikkur Cholim an führender Stelle, aber auch das Aufräumen von Parks, das Kuchenbacken für Bedürftige, sind eine Art Umsetzung des »Weahawta LeRe-acha Kamocha«, liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

jugend Und das Tolle am Mitzvah Day ist, dass nicht nur die Besuchten und Beschenkten davon profitieren, sondern die Jugend selber begeistert bei der Sache ist und lernt, dass man ein gutes Gefühl haben kann, wenn man eine Mizwa befolgt. Das gibt Kraft für das Alltägliche und motiviert, solche Mizwot auch an anderen Tagen, nicht nur am Mitzvah Day, durchzuführen. Je mehr man gibt, desto mehr bekommt man zurück.

Eine gute Sache, dieser Mitzvah Day, denn davon profitieren alle: die Jugend mit ihrer Aufgabe und dem Erfolgserlebnis, die direkt Betroffenen und wir, denn unsere Jugend wird durch ihre Mizwot in ihrem jüdischen Bewusstsein gestärkt, wovon das gesamte Judentum profitiert.

Der Autor ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Karlsruhe.

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