Syrien

Menschenrechtler warnen vor Völkermord in Syrien

Kämpfe zwischen Truppen der islamistischen Machthaber und Anhängern des gestürzten Assad-Regimes bedrohen die alawitische Minderheit Foto: picture alliance / SIPA

Angesichts der Massenverbrechen von Islamisten an Angehörigen der alawitischen Minderheit in Syrien sieht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) Hinweise auf einen Völkermord. »Die Bundesregierung muss sich sofort für eine mit internationalen Experten für Genozidverbrechen besetzte Untersuchungskommission auf UN-Ebene einsetzen, da wir der syrischen Untersuchungskommission nicht vertrauen können«, forderte die Organisation am Montag in Göttingen.

Unter dem Vorwand, Anhänger des alten Assad-Regimes zu verhaften, nähmen die islamistischen Machthaber gezielt Mitglieder der alawitischen Minderheit fest und exekutierten sie öffentlich. »Vor allem Frauen und Kinder sind Opfer dieser Hinrichtungen. Das Ziel dieser Angriffe ist die Auslöschung der alawitischen Gemeinschaft«, so GfbV-Nahostreferent Kamal Sido.

»Ganze Familien ausgelöscht«

Die in Großbritannien ansässige GfbV-Partnerorganisation Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte spricht inzwischen von mehr als 1.400 Toten an der syrischen Mittelmeerküste. Demnach wurden seit dem 6. März mindestens 973 Zivilisten, meist Alawiten, getötet. Andere Quellen berichten von mehreren Tausend Todesopfern. »Mich erreichen verzweifelte Anrufe von Alawiten aus Syrien, die berichten, dass ganze Familien ausgelöscht wurden«, sagte Sido. Videos in Sozialen Medien zeigen Ansammlungen von Leichen und brutale Gewalt durch offenkundig islamistische Kämpfer gegen Zivilisten bis hin zu Erschießungen.

Bei den Tätern soll es sich vor allem um ausländische Dschihadisten aus den Reihen der sunnitischen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) handeln. Deren Kämpfer hatten im Dezember den syrischen Diktator Baschar al-Assad vertrieben und die Macht übernommen. Assad und ein Großteil der gestürzten Herrschaftselite entstammen wie viele Opfer der derzeitigen Gewaltwelle der religiösen Minderheit der Alawiten, einer Sekte mit Bezügen zum schiitischen Islam.

Regierung macht Gegner verantwortlich

Von der Übergangsregierung in Damaskus hieß es am Wochenende, bewaffnete Anhänger Assads hätten am Donnerstag in der Küstenprovinz Latakia eine koordinierte Militäraktion gegen die Sicherheitskräfte gestartet, woraufhin letztere am Freitag größere Truppenkontingente mit Artilleriegeschützen, Panzer und Raketenwerfern dorthin verlegt hätten. Beobachtern zufolge sollen dann von diesen Kräften Massaker an Zivilisten verübt worden sein.

Unterdessen erklärte das syrische Verteidigungsministerium die Kämpfe mit Anhängern des gestürzten Präsidenten Baschar al-Assad für beendet. »Wir ebnen den Weg für die Rückkehr zur Normalität und für die Konsolidierung von Sicherheit und Stabilität«, teilte Ministeriumssprecher Abdul Ghany am Montag auf X mit.

Beirut

Israel: Hochrangiger Hisbollah-Kommandeur getötet

Im Krieg zwischen Israel und der libanesischen Terrororganisation ist keine Deeskalation in Sicht. In der Nacht trifft ein heftiger israelischer Angriff erneut Ziele in Beirut

 01.04.2026

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gutachten missverstanden: Bundestagsdienst bewertet Iran-Angriffe nicht abschließend

Laut Medienberichten hat der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig eingeordnet. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« widerspricht in einer Analyse dieser Darstellung nun

 01.04.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Filmtage: Kino kündigt Kooperation, Organisatoren üben scharfe Kritik

Die Jüdische Gemeinde sieht »faktisch eine Kapitulation vor antisemitischem Druck«, während die Astor Film Lounge ihre Entscheidung verteidigt

von Imanuel Marcus  01.04.2026

Dresden/Leipzig

Hitlergruß: Urteil gegen Melanie Müller ist rechtskräftig

Das Urteil gegen die Schlagersängerin wegen des Zeigens des Nazigrußes ist rechtskräftig. Warum sie die Revision zurückzieht und was das für sie bedeutet

 01.04.2026

Pessach

Preis der Freiheit

Unabhängigkeit und Selbstbestimmung entstehen nicht von allein. Sie müssen erstritten, manchmal sogar erkämpft werden

von Josef Schuster  01.04.2026

Berlin

»Arrogante Belehrungen«: Israelische Botschaft kritisiert Castellucci scharf

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung übt Kritik an der Jerusalemer Regierung für die Ausweitung der Todesstrafe. Die israelische Botschaft spricht von Doppelmoral

 01.04.2026 Aktualisiert

Buenos Aires

Argentinien stuft Irans Revolutionsgarden als Terrororganisation ein

Präsident Javier Milei begründete den Schritt unter anderem mit dem Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA im Jahr 1994, bei dem 85 Menschen ermordet wurden

 01.04.2026

Ottawa

PFLP-Ableger: Kanada löst Samidoun auf

Der Schritt erfolgt wegen »Nichteinhaltung« gesetzlicher Vorgaben. In Kanada war die Gruppe zuvor als Terrororganisation eingestuft worden

 01.04.2026

Washington D.C.

Trump stellt baldiges Kriegsende in Aussicht

»Ob wir ein Abkommen haben oder nicht, ist jetzt irrelevant«, sagt der amerikanische Präsident

 01.04.2026