Kommentar

Manifest der Arroganz

Sie sagen und wollen Frieden für die Ukraine. Aber sie können nicht Frieden, weil sie wenig wissen – Alice Schwarzer, Sahra Wagenknecht und die durchaus vielfältige Gruppe der Mitunterzeichner ihres Friedensappells.

Ton und Inhalt sind von einer kaum zu überbietenden Arroganz. Tenor: Wir wissen wie es geht. Wer jedoch weiß, dass und wie oft sich nicht nur die Damen Wagenknecht und Schwarzer mit ihren diversen Prognosen auf unterschiedlichen Politikfeldern getäuscht haben, zweifelt mit gutem Recht an ihren Prognosen.

»Außenministerin Baerbock hatte, wie im Appell gerügt, verkündet, wir befänden uns mit Russland im Krieg. Das Dementi unterschlagen Wagenknecht & Co.«

Hofnarren Es lohnte sich, die Fehlprognosen und -einordnungen nicht nur jener zwei Damen, sondern auch so mancher Mitunterzeichner aufzuzählen. Da wäre Brigadegeneral a.D. Erich Vad, viele Jahre militärpolitischer Berater von Ex-Kanzlerin Merkel. Ihr und damit auch ihm ver»danken« wir die politisch, militärisch und wirtschaftlich nahezu selbstmörderische Russlandpolitik bis 2021/22. Peter Gauweiler, Jürgen Todenhöfer und Frau Käßmann lieben seit jeher die Rolle des Hofnarren.

»Die von Russland brutal überfallene ukrainische Bevölkerung braucht unsere Solidarität«, heißt es im Appell. Offensichtlich wissen Wagenknecht & Co besser als die Ukrainer was für diese gut ist. Was für eine Anmaßung.

Als eigentlicher Kriegstreiber wird der ukrainische Präsident Selenski dargestellt. Das Opfer als Täter. Schöne Grüße von George Orwell aus seinem Buch »1984«: »Krieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist Stärke.«

Selbstaufgabe Die »Solidarität« der Appellierenden mit der Ukraine bedeutet: Kollektive Selbstaufgabe und Fremdbestimmung. Wer schwach ist, soll sich nicht wehren. »Survival of the fittest«, also Sozialdarwinismus.

Kaffesatzleserei und eine 6 im Fach Geschichte: Die Ukraine »kann gegen die größte Atommacht der Welt keinen Krieg gewinnen.« Aber Vietnam konnte 1954 Frankreich und 1975 die USA besiegen, die Afghanen 1989 die UdSSR und 2021 die USA & Partner, inklusive Deutschland, wo General Vad zuvor die Kanzlerin »kundig« beraten hatte.

»Übertragen wir die «Friedens»sicht des Appells auf die Geschichte: Ihr zufolge wären die britischen und französischen Appeaser von München 1938 «Friedenshelden», weil sie Hitler das Sudetenland auf dem Goldenen Tablett darboten.«

Ja, Außenministerin Baerbock hatte, wie im Appell gerügt, verkündet, wir befänden uns mit Russland im Krieg. Das Dementi unterschlagen Wagenknecht & Co.

Ahnungslos Im Appell wird unterstellt, es gebe überhaupt keine Gespräche mit Putin. Ahnungslos. Aber Wagenknecht & Co wissen es »besser«.

Übertragen wir die »Friedens«sicht des Appells auf die Geschichte: Ihr zufolge wären die britischen und französischen Appeaser von München 1938 »Friedenshelden«, weil sie Hitler das Sudetenland auf dem Goldenen Tablett darboten; hätte Frankreichs Pétain von 1940 bis 1944 richtig gehandelt, weil er sich Hitler-Deutschland ergab und auch beim Judenmorden fleißig kollaborierte. Churchill und General de Gaulle wären Schufte, weil sie sich Hitler nicht beugten.

Wie »gut«, dass sich die 6 Millionen ermordeten Juden nicht gegen ihr Abschlachten wehrten. Dass Israel mal reaktiv, mal präventiv um seine Existenz in den Kriegen von 1948/49, 1956 , 1967, 1973 kämpfte und jetzt gegen die atomare Aufrüstung des Iran vorgeht, wäre, versteht sich, ein moralischer Skandal.

Die Theologin Käßmann kann ihren Mitunterzeichnern erklären was »Lügenmessiasse« sind.

Der Historiker und Publizist Prof. Dr. Michael Wolffsohn ist Hochschullehrer des Jahres 2017. 2022 erschien sein Buch »Eine andere Jüdische Weltgeschichte«.

Beirut

Israel: Haben hochrangigen Hisbollah-Kommandeur getötet

Im Krieg zwischen Israel und der libanesischen Terrororganisation ist keine Deeskalation in Sicht. In der Nacht trifft ein heftiger israelischer Angriff erneut Ziele in Beirut

 01.04.2026

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gutachten missverstanden: Bundestagsdienst bewertet Iran-Angriffe nicht abschließend

Laut Medienberichten hat der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig eingeordnet. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« widerspricht in einer Analyse dieser Darstellung nun

 01.04.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Filmtage: Kino kündigt Kooperation, Organisatoren üben scharfe Kritik

Die Jüdische Gemeinde sieht »faktisch eine Kapitulation vor antisemitischem Druck«, während die Astor Film Lounge ihre Entscheidung verteidigt

von Imanuel Marcus  01.04.2026

Dresden/Leipzig

Hitlergruß: Urteil gegen Melanie Müller ist rechtskräftig

Das Urteil gegen die Schlagersängerin wegen des Zeigens des Nazigrußes ist rechtskräftig. Warum sie die Revision zurückzieht und was das für sie bedeutet

 01.04.2026

Pessach

Preis der Freiheit

Unabhängigkeit und Selbstbestimmung entstehen nicht von allein. Sie müssen erstritten, manchmal sogar erkämpft werden

von Josef Schuster  01.04.2026

Berlin

»Arrogante Belehrungen«: Israelische Botschaft kritisiert Castellucci scharf

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung übt Kritik an der Jerusalemer Regierung für die Ausweitung der Todesstrafe. Die israelische Botschaft spricht von Doppelmoral

 01.04.2026 Aktualisiert

Buenos Aires

Argentinien stuft Irans Revolutionsgarden als Terrororganisation ein

Präsident Javier Milei begründete den Schritt unter anderem mit dem Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA im Jahr 1994, bei dem 85 Menschen ermordet wurden

 01.04.2026

Ottawa

PFLP-Ableger: Kanada löst Samidoun auf

Der Schritt erfolgt wegen »Nichteinhaltung« gesetzlicher Vorgaben. In Kanada war die Gruppe zuvor als Terrororganisation eingestuft worden

 01.04.2026

Washington D.C.

Trump stellt baldiges Kriegsende in Aussicht

»Ob wir ein Abkommen haben oder nicht, ist jetzt irrelevant«, sagt der amerikanische Präsident

 01.04.2026