Berlin

»Liebevolles Engagement«

Es war eine gigantische Gala, die das Jüdische Museum Berlin am Montag im Rahmen seines zehnjährigen Jubiläums veranstaltete. Über 800 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur hatten sich in Abendgarderobe geworfen, um der Verleihung des Preises für Verständigung und Toleranz beizuwohnen. Neben Altkanzler Helmut Schmidt und Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker war die halbe Bundesregierung zugegen, um ihrer Kabinettschefin Angela Merkel zu der Ehrung durch Museumsdirektor Michael Blumenthal zu applaudieren.

akademie Im Kontrast zur festlichen Kleidung der VIPs stand das Äußere des Ortes. Erstmals organisierte das Museum die Gala in seinem neuen Erweiterungsbau. Die frühere Großmarkthalle gegenüber dem Bau von Daniel Libeskind soll ab 2012 die Akademie des Museums beherbergen. Zwar ist an der Frontseite bereits einer der Kuben erkennbar, die Bestandteil des neuen Libeskind-Entwurfs »Zwischenräume« sind. Doch viel mehr als der Rohbau ist noch nicht fertig.

Umso überraschender, wie es die Eventmanager dennoch schafften, eine helle, freundliche Atmosphäre zu zaubern. Mit einer theaterartigen Kulisse aus zwei auf ihren Ecken stehenden Kuben nahmen sie das Motiv des Libeskind-Entwurfs auf. Vor diesem Bühnenbild hielt Blumenthal eine sehr persönliche Laudatio auf die deutsche Regierungschefin. Der frühere US-Finanzminister zeichnete den Werdegang Merkels von der ostdeutschen Physikerin zum ersten weiblichen Bundeskanzler nach. Es war »nicht selbstverständlich, dass jemand, der in der DDR großgeworden ist, sich für jüdisches Leben in Deutschland so liebevoll engagiert wie Sie«, sagte der 1939 aus Deutschland geflüchtete Blumenthal.

feinde Die Kanzlerin betonte in ihrer Dankesrede, wie sehr sie das Wiedererblühen jüdischen Lebens in Deutschland, »nur ein Menschenalter nach der Schoa«, erfreue. Sie räumte auch ein, dass »heute leider noch immer jüdische Einrichtungen von der Polizei beschützt werden« müssen: »Damit dürfen wir uns nicht abfinden!« Merkel sagte auch dem Antisemitismus, der »die Legitimität des Staates Israel infrage stellt«, den Kampf an und warnte vor »Feinden von außen«, die »Israel und die ganze freie Welt mit Nuklearwaffen bedrohen.«

Glosse

Wir stehen zum Existenzrecht Pakistans!

Absurder als im rot-rot-grünen Berlin wird’s nicht mehr

von Philip Fabian  13.10.2026

Replik

Einspruch, euer Ehren!

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an Philippe Sands. Ausgerechnet ein Mann, dessen Autorität auf juristischer Präzision und universellen Maßstäben gründet, nimmt es mit dem Völkerrecht erstaunlich ungenau

von Leeor Engländer  13.10.2026

9. November

Bautzen erinnert an Novemberpogrome 1938

Der Bautzener Kornmarkt war Schauplatz der Novemberpogrome von 1938. Eine temporäre Installation soll am authentischen Ort an NS-Opfer erinnern

 13.10.2026

Großbritannien

Premier Burnham: Iran steckt hinter geplantem Angriff auf US-Militärbasis

Mehrere Männer werden verdächtigt, einen Anschlag auf einen Militärstützpunkt in Großbritannien geplant zu haben. Nun sagt der britische Premier: Das waren die iranischen Revolutionsgarden

 13.10.2026

Medien

Israel verweigert »taz«-Korrespondentin Arbeitsvisum

Diaspora-Ministerium: »Antiisraelische Akteure und diejenigen, die Israel verleumden, sollten keinen Fuß in das Land setzen«

 13.10.2026

Berlin

Jüdische Kulturtage müssen Hauptausstellung absagen

Wegen einer Finanzierungslücke fällt die Ausstellung aus. Die Jüdische Gemeinde kritisiert die Förderentscheidung des Senats

 12.10.2026

Mitglieder der JSUD vor dem Eingang zum Synagogenhof der Jüdischen Gemeinde Halle

Sachsen-Anhalt

So instrumentalisiert die AfD den Eklat von Halle

AfD-Rechtsaußen Hans-Thomas Tillschneider geriert sich als Opfer »fanatisierter Studenten«. Eine Einordnung

von André Anchuelo  12.10.2026

Katharina von Schnurbein

»Ich habe das Gefühl, den richtigen Weg gegangen zu sein«

Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein wechselt von Brüssel nach Berlin. Sie folgt dort Felix Klein nach. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  12.10.2026

Berlin

Merz fordert SPD und Grüne auf, nicht mit Linken zu koalieren

Gibt es in Berlin eine rot-rot-grüne Koalition? Der Kanzler appelliert an SPD und Grüne

 12.10.2026