Meinung

Lieber Friedrich Merz!

Joshua Schultheis Foto: Charlotte Bolwin

Meinung

Lieber Friedrich Merz!

Der neue Bundeskanzler steht vor einer historischen Aufgabe im Umgang mit den Juden und mit Israel. Ein offener Brief

von Joshua Schultheis  07.05.2025 12:37 Uhr Aktualisiert

Sie haben lange darauf gewartet, Bundeskanzler zu werden. Am Ende waren es sogar noch einmal ein paar Stunden mehr, als gedacht. Im zweiten Wahlgang hat es dann aber geklappt. Herzlichen Glückwunsch! Erst der zehnte Mensch werden Sie sein, der das wichtigste politische Amt in der Bundesrepublik bekleidet. Die Erwartungen an Sie sind hoch. Auch in der jüdischen Gemeinschaft.

Einige Ihrer Vorgänger haben sich mit großen Gesten oder Entscheidungen ins Geschichtsbuch der Juden eingeschrieben.

Konrad Adenauer schloss gegen große Widerstände 1952 das Luxemburger Abkommen mit Israel. Die deutschen Milliardenzahlungen halfen, die junge, noch wackelige Wirtschaft des jüdischen Staates zu stabilisieren.

Willy Brandt fiel 1970 vor dem Denkmal des Warschauer Ghettoaufstands auf die Knie. Die Szene wurde zum ikonischen Sinnbild der Bitte um Vergebung für die nationalsozialistischen Verbrechen.

Herr Merz, wie werden Sie sich einen Platz in der jüdischen Geschichte sichern?

Helmut Kohl machte die Aufnahme jüdischer Flüchtlinge aus der Sowjetunion in der Bundesrepublik möglich. Die Zehntausenden Zuwanderer brachten die Gemeinden zu neuer Blüte.

Angela Merkel schließlich prägte die Formel von Israels Sicherheit als deutscher Staatsräson. Seitdem muss sich jede deutsche Regierung an diesem Anspruch messen lassen. Herr Merz, wie werden Sie sich einen Platz in der jüdischen Geschichte sichern?

Als Regierungschef werden Sie nichts Geringeres leisten müssen, als das Verhältnis sowohl zur jüdischen Gemeinschaft als auch zu Israel auf eine neue Basis zu stellen.

Lesen Sie auch

Die Angst unter Juden in Deutschland angesichts des grassierenden Antisemitismus ist groß, die Enttäuschung über eine hilflos wirkende Politik ebenso. Können Sie neues Vertrauen schaffen? Im Umgang mit dem jüdischen Staat, einem Land im Krieg unter einer in Teilen rechtsextremen Regierung, fehlte dem Ampel-Kabinett oft die Orientierung und Stringenz. Werden Sie diese wieder in die deutsche Außenpolitik hineinbringen?

Die Herausforderungen, vor denen Sie stehen, sind gewaltig. Viel Erfolg – Behatzlacha!

schultheis@juedische-allgemeine.de

Berlin

Mehr Straftaten gegen Gedenkstätten im vergangenen Jahr

Sachbeschädigung, Volksverhetzung, Diebstahl, Hausfriedensbruch: Die Zahl der Straftaten in und gegen Gedenkstätten ist im vergangenen Jahr gestiegen

 11.05.2026

Brüssel

EU beschließt Sanktionen gegen Israel

Die Europäische Union hat eine politische Einigung für Strafmaßnahmen gegen israelische Siedler erzielt

von Michael Thaidigsmann  11.05.2026 Aktualisiert

Stuttgart/Ulm

Antrags-Scharmützel im Prozess um Angriff auf israelische Rüstungsfirma

Die Verteidigung geht im Prozess um den Angriff auf das Unternehmen Elbit weiter auf Konfrontation zur Richterin. Die Verlesung der Anklage lässt auf sich warten

 11.05.2026

Iran-Krieg

440 Kilo Uran: Zentraler Streitpunkt mit dem Iran

Es dürfte tief unter der Erde in zwei Atomanlagen lagern. Der Verbleib des hoch angereicherten Urans bleibt Hauptkonflikt mit Teheran

 11.05.2026

Wien

Eurovision-Fans werfen EBU unfairen Umgang mit Israel vor

Der Hintergrund ist diesmal eine Werbekampagne der israelischen Rundfunkanstalt KAN für den Sänger Noam Bettan und dessen Beitrag »Michelle«

 11.05.2026

Berlin

Jüdische Gemeinde übt massive Kritik an Antisemitismus-Papier der Linken

Der Gemeinde-Vorsitzende Gideon Joffe bezeichnet das Konzept der Partei als »feige« und spricht von einem »Feigenblatt«

 11.05.2026

Brandenburg

Rechtsextremistische AfD gewinnt erstmals bei Bürgermeisterwahl

In Zehdenick zieht der AfD-Kandidat René Stadtkewitz mit deutlichem Vorsprung ins Rathaus ein. Für seine Partei ist es der erste Sieg bei einer Bürgermeisterwahl in diesem Bundesland

 11.05.2026

Nahost

Drohnenangriffe in Golfstaaten verschärfen Spannungen mit Iran

Die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Kuwait melden Drohnenattacken, Süd-Korea einen Angriff auf ein ziviles Schiff in der Straße von Hormus

 11.05.2026

Washington D.C.

Trump weist iranisches Angebot zurück

Die Antwort des Teheraner Regimes auf einen Vorschlag der USA sei »völlig inakzeptabel!«, schreibt der amerikanische Präsident

 11.05.2026