Antisemitismus

Licht im Dunkelfeld

Demonstration von Impfgegnern in Düsseldorf, 12. Februar Foto: imago images/Future Image

Antisemitismus

Licht im Dunkelfeld

RIAS nimmt in Nordrhein-Westfalen seine Arbeit auf – mit Anlaufstellen in Düsseldorf, Köln und Dortmund

von Michael Thaidigsmann  14.04.2022 08:22 Uhr

Auch Nordrhein-Westfalen hat jetzt eine Meldestelle für Antisemitismus: Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) NRW mit fünf Mitarbeitern in Düsseldorf, Köln und Dortmund ist seit dieser Woche Anlaufstelle für Betroffene von judenfeindlichen Vorfällen oder für Zeugen.

Mit der neuen Einrichtung, die das Land Nordrhein-Westfalen mit jährlich 266.000 Euro bezuschusst, solle vor allem ein »niederschwelliges Angebot« gemacht werden, sagte der Leiter der Einrichtung, Jörg Rensmann, der Jüdischen Allgemeinen.

angst Häufig würden sich Betroffene aus Scham oder Angst nicht bei Polizei und Strafverfolgungsbehörden melden. Zudem würde die neue Einrichtung auch Vorfälle unterhalb der Schwelle zur Strafbarkeit erfassen und untersuchen, sagte Rensmann. Man agiere »immer im Sinne der Betroffenen«, so der Leiter der Einrichtung.

Die neuen Anlaufstellen gäben auch jenen Personen, die kein Vertrauen in die Justiz hätten, die Möglichkeit, vertraulich Erlebtes oder Vorkommnisse zu kommunizieren. Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, betonte, es brauche »vertrauensbildende Maßnahmen«, damit antisemitische Vorfälle auch wirklich bekannt würden.

Die Trägerschaft der neuen Meldestelle hat vorerst der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein.

Die Trägerschaft der neuen Meldestelle hat vorerst der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein. Im Juli soll dann ein eigens zu diesem Zweck gegründeter Verein übernehmen.

zusammenarbeit Bei der Vorstellung des Projekts in Düsseldorf lobte Jörg Rensmann auch die enge Zusammenarbeit mit dem Land. Der Antisemitismus sei eine »sehr konkrete und reale« Bedrohung und nehme in Deutschland wieder zu. 2021 wurden in Nordrhein-Westfalen 437 judenfeindliche Straftaten registriert, mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Bundesweit stieg die Zahl der registrierten Vorfälle um 30 Prozent.

Es wird aber von einem relativ hohen »Dunkelfeld« ausgegangen, also von Vorfällen, die nicht bei offiziellen Stellen angezeigt werden. Dieses Dunkelfeld wolle man erhellen, um die Früherkennung von Antisemitismus zu verbessern, sagte die Antisemitismusbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Das gelte sowohl bei Taten als auch bei Worten, die womöglich nicht strafrechtlich relevant seien.

RIAS-Meldestellen gibt es in Deutschland seit 2018. Mittlerweile haben auch Bayern, Berlin, Hessen, Niedersachsen, das Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen derartige Einrichtungen. Die nordrhein-westfälische RIAS-Meldestelle ist ab sofort unter www.rias-nrw.de erreichbar und auch in den sozialen Netzwerken vertreten.

Teheran

Irans Vizeaußenminister: »Entweder siegen wir oder werden zu Märtyrern«

Nach Drohungen von US-Präsident Donald Trump zeigt sich die iranische Regierung kampfbereit. Der Vizeaußenminister findet deutliche Worte

 19.05.2026

Europäische Union

»Terror-Rente«: Brüssel vertraut Zusicherungen aus Ramallah

In ihrer Antwort auf die Anfrage der Europaabgeordneten Hildegard Bentele bleibt EU-Kommissarin Dubravka Šuica vage, was die Zahlungen an palästinensische Terroristen angeht

von Michael Thaidigsmann  19.05.2026

Berlin

Anstehende Abgeordnetenhauswahl: Jüdischer Verein warnt vor AfD und Linken

Laut »WerteInitiative« sind beide Parteien ein Risiko für die jüdische Gemeinschaft. Auf unterschiedliche Weise spielten sie Minderheiten gegeneinander aus, heißt es in einem Positionspapier

 19.05.2026

Essay

Wie die »New York Times« Israel verteufelt

Der Autor Nicholas Kristof überzieht Israel in einem Meinungsbeitrag mit ungeheuerlichen Vorwürfen. Doch belastbare Beweise für seine Behauptungen legt er nicht vor – und schadet damit dem Journalismus

von Daniel Neumann  19.05.2026

Kiel

TKMS und Elbit vertiefen Partnerschaft bei Marinetechnik

Während das deutsche Unternehmen seine Erfahrung im U-Boot- und Marineschiffbau einbringen will, sollen die Israelis vor allem Elektronik-, Sensor- und Waffentechnologie liefern

 19.05.2026

Berlin

Studie dokumentiert zunehmende Bedrohungslage jüdischer Wissenschaftler

Die Analyse des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender fasst erstmals entsprechende Vorfälle an mehr als 100 Hochschulstandorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen

 19.05.2026

Berlin

Neuer Förderaufruf: Projekte gegen Antisemitismus gesucht

Nach der Fördergeldaffäre nimmt der Berliner Senat einen neuen Anlauf. Für Projekte gegen Judenhass soll ein Aktionsfonds geschaffen werden

 19.05.2026

Washington

Trump: Geplanter Angriff auf Iran vorerst gestoppt

»Wenn wir ein Abkommen mit Iran erreichen können, ohne sie in Grund und Boden zu bombardieren, wäre ich sehr glücklich«, so der US-Präsident

 19.05.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« erhält Tacheles-Preis

Der Tacheles-Preis wird alle zwei Jahre an Personen oder Organisationen verliehen, die sich für die Sicherung einer jüdischen Zukunft in Deutschland einsetzen. Die Laudatio hält der neue WELT-Chefredakteur Helge Fuhst

 18.05.2026