Kiel

Leitfaden zur Verfolgung antisemitischer Vergehen vorgestellt

Kerstin von der Decken (CDU), Ministerin für Justiz und Gesundheit in Schleswig-Holstein Foto: picture alliance/dpa

Das Bundesland Schleswig-Holstein geht konsequent gegen den Judenhass vor, der sich seit der palästinensischen Terrorattacke gegen Israel am 7. Oktober weiter verbreitet hat. Die Landesregierung in Kiel hatte bereits eine Antisemitismusklausel im Bereich Kultur initiiert, bevor Berlin unlängst nachzog.

Nun stellte die schleswig-holsteinische Justizministerin Kerstin von der Decken (CDU) in Kooperation mit ihrer Kollegin aus dem Innenressort, Sabine Sütterlin-Waack (CDU), einen neuen Leitfaden zur Verfolgung antisemitischer Straftaten für Staatsanwälte und Polizeibeamte vor.

Der Leitfaden sei ein internes Dokument, das nicht an die Presse verteilt werde, teilte das Kieler Justizministerium dieser Zeitung mit.

»Erkennen und verfolgen«

Laut von der Decken handelt es sich um eine »praxisnahe Handlungsempfehlung beim Erkennen und Verfolgen antisemitischer Straftaten«. Es sei ihr wichtig zu betonen, »dass es natürlich zuvorderst darum geht, dass Menschen gar nicht erst zur Zielscheibe antisemitischer Gewalt werden. Es gilt, solch abscheuliche Straftaten zu verhindern«, so die Landesministerin.

»Das ist die eine wichtige Aufgabe, die wir haben, also die erste Säule. Leider ist es aber auch Realität, dass es einen hundertprozentigen Schutz nicht geben kann. Deshalb ist die Unterstützung und Beratung von Opfern nach einer antisemitischen Straftat unsere zweite zentrale Aufgabe, beziehungsweise die zweite Säule, die wir mit Nachdruck bearbeiten«, erklärte Kerstin von der Decken.

Der Ministerin in Kiel geht es darum, »dem Terror der Hamas und seinen Auswirkungen auch in Deutschland eine konsequente Antwort des Rechtsstaats entgegenzusetzen. Denn der freiheitliche Rechtsstaat nimmt es nicht hin, wenn auf der Straße oder im digitalen Raum der Terror der Hamas unterstützt und gefeiert wird.«

Änderungen des Staatsangehörigkeitsrechts

Von der Decken kündigte an, Schleswig-Holstein werde gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen in der ersten Bundesratssitzung 2024 für einen Entschließungsantrag werben. Der Titel: »Antisemitismus effektiv bekämpfen - Existenzrecht Israels schützen«. Ziel sei es, den Straftatbestand der Volksverhetzung so zu erweitern, dass er ein öffentliches Leugnen des Existenzrechts Israels effektiv erfasst. Änderungen des Straf- und Staatsangehörigkeitsrechts sollen dann folgen.

Landesinnenministerin Sütterlin-Waack erklärte, Hass, Gewalt und Hetze gegen Juden dürften in Deutschland keine Verbreitung finden. »Wir werden alles tun, um die Sicherheit der Jüdinnen und Juden in unserem Land zu gewährleisten. Alle jüdischen Bürgerinnen und Bürger sollen sich in Deutschland sicher fühlen.«

Gerhard Ulrich, der Beauftragte Schleswig-Holsteins für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, nannte den neuen Leitfaden einen bedeutsamen Meilenstein: »Er ermöglicht es Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften, antisemitische Vorfälle noch besser zu erkennen und gibt Sicherheit in ihrer weiteren Verfolgung.«

Strafrechtlich relevant

Oberstaatsanwalt Georg Friedrich Güntge von der Generalstaatsanwaltschaft in Kiel erklärte, die Verfahrenszahlen zeigten deutlich, »dass strafrechtlich relevanter Antisemitismus leider auch in Schleswig-Holstein real ist. Realität ist aber auch, dass Staatsanwaltschaft und Polizei in diesem Land dem Phänomen mit null Toleranz begegnen.«

Für den Staatsschutz im schleswig-holsteinischen Landeskriminalamt sagte dessen Leiter Bernd Koop: »Der Leitfaden wird dabei helfen, die Arbeit der Landespolizei durch die Festlegung ganz konkreter Bearbeitungsstandards weiter zu professionalisieren. Darüber hinaus verbinden wir mit dem Leitfaden und der Wirkung, die er entfalten soll, auch die Hoffnung, dass noch mehr Opfer, Geschädigte und Zeugen als bisher antisemitische Vorfälle bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft anzeigen, wir also das noch zu große Dunkelfeld verkleinern und das Hellfeld erweitern.« im

Brüssel

EU gibt Namen sanktionierter israelischer Siedler bekannt

Drei führende Mitglieder sowie vier Organisationen der israelischen Siedlerbewegung sind nun mit Strafmaßnahmen belegt worden

 28.05.2026

Terrorismus

Er soll Waffen beschafft haben: Mutmaßliches Hamas-Mitglied in Dänemark verhaftet

Die Bundesanwaltschaft in Deutschland hat einen Haftbefehl gegen Yousif C. erwirkt, der am Mittwochabend in Dänemark festgenommen wurde, weil er im Verdacht steht, Waffen für einen Anschlag auf jüdische oder israelische Ziele besorgt zu haben

 28.05.2026

Oranienburg

Prien: NS-Terrorgeschichte zeitgemäß vermitteln

Bundesbildungsministerin Karin Prien hat die Gedenkstätte Sachsenhausen besucht. Dort rief sie auch dazu auf, die Demokratiebildung zu stärken

von Yvonne Jennerjahn  28.05.2026

Brüssel

Handelssanktionen gegen Israel? In der EU wächst der Druck

Frankreich, Schweden und weitere Staaten drängen die EU-Kommission, schnell einen entsprechenden Vorschlag vorzulegen

von Michael Thaidigsmann  28.05.2026

London

Sicherheitsbedenken: British Museum verschiebt Vortrag über das antike Israel

Ein Oberhaus-Mitglied droht mit Konsequenzen für staatlich finanzierte Einrichtungen, wenn diese unter Druck bestimmte Inhalte nicht mehr präsentieren

 28.05.2026

Berlin

CDU schickt Broschüre an AfD-Abgeordnete - mit Austrittstext

Die CDU hat eine Zusammenstellung mit harten Vorwürfen gegen die AfD herausgegeben und sandte sie jetzt auch direkt an deren Mitglieder im Bundestag - begleitet von einer Anregung

 28.05.2026

Meinung

Die staatliche Förderung von »Islamic Relief« ist unentschuldbar

Die NGO ist eng mit der islamistischen Muslimbruderschaft verflochten. Es ist ein Skandal, dass das Auswärtige Amt die Organisation dennoch jahrelang mit Millionen Euro unterstützte – und nun zu den Vorwürfen schweigt

von Ralf Fischer  28.05.2026

Washington D.C.

USA setzen Sanktionen gegen Francesca Albanese wieder in Kraft

Nach Angaben des amerikanischen Finanzministeriums steht die umstrittene UN-Sonderberichterstatterin wieder auf der Sanktionsliste. Die Maßnahmen erschweren ihr unter anderem die Nutzung von Kreditkartenanbietern

 28.05.2026

München

Charlotte Knobloch: Holocaust-Bildungsstätte »nötiges Gegengewicht«

Die Gedenkstätte Yad Vashem errichtet ein Bildungszentrum in München. Für die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde ist das eine notwendige Maßnahme

 28.05.2026