Jom Haazmaut

Leipzig feiert den 78. Unabhängigkeitstag Israels

Landtagspräsident Alexander Dierks, Botschafter Ron Prosor, Ministerpräsident Michael Kretschmer und Oberbürgermeister Burkhard Jung (v.l.n.r.) Foto: ddk

Jom Haazmaut

Leipzig feiert den 78. Unabhängigkeitstag Israels

Botschafter Ron Prosor spricht von »Optimismus, Lebensfreude und Tatendrang«

von Detlef David Kauschke  29.04.2026 11:59 Uhr

Eine Woche nach den Jom-Haazmaut-Feiern in Israel ist am Dienstagabend in Leipzig der 78. Unabhängigkeitstag des jüdischen Staates gefeiert worden. Zu diesem Anlass hatten Israels Botschafter Ron Prosor, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sowie Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur in die Glashalle der Leipziger Messe geladen.

Die Botschaft Israels hatte bislang die Feierlichkeiten stets in Berlin abgehalten. Im vergangenen Jahr war bereits Nordrhein-Westfalen Mitgastgeber, diesmal war es der Freistaat Sachsen. Ron Prosor sagte, dass die Feiern jedes Jahr in einer anderen Stadt stattfinden sollten. Er freue sich, diesen Anlass diesmal mit denen zu feiern, die in Sachsen und anderswo mit Herz und Seele an den Beziehungen zwischen Israel und Deutschland arbeiten.

Israel begehe seinen Unabhängigkeitstag wie einen Geburtstag, betonte der Botschafter. Die Existenz Israels sei nicht selbstverständlich, es müsse jedes Jahr dafür gekämpft werden. Und das vergangene Jahr sei kein einfaches gewesen. Aber umso mehr gebe es diesmal zu feiern: »Wir feiern alles, wofür dieser Tag steht: Optimismus, Lebensfreude und Tatendrang statt leerer Worte.«

Bekämpfung der Ideologie

In seiner Rede ging Prosor auch auf die aktuelle Situation ein. Israel habe einen sehr hohen Preis dafür bezahlt, die tödliche islamistische Ideologie verharmlost zu haben. »Und diese Ideologie ist längst in Europa und Deutschland angekommen.« Sein Rat lautete daher: »Sie müssen diese Ideologie heute bekämpfen, sonst werden Sie es morgen bereuen.« Im dritten Jahr nach dem 7. Oktober habe sich Israels Nachbarschaft dramatisch verändert. Es bestehe die Möglichkeit, einen besseren Nahen Osten für alle Menschen aufzubauen.

»Doch anstatt die Chance wahrzunehmen und anzupacken, gibt es in Europa viele Stimmen, die weiter nur moralische Belehrungen anzubieten haben«, kritisierte der Diplomat. Dabei habe in Europa der Antisemitismus neue Höhen erreicht, die er nie für möglich gehalten habe.

Prosor würdigte die deutsch-israelischen Beziehungen. Und er nannte die Anwesenden »die besten Botschafter für das Wunder der Aussöhnung und Freundschaft zwischen unseren Ländern«.

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Entschlossenes Vorgehen

Sachsens Ministerpräsident dankte dem Botschafter für das Vertrauen. Es sei eine große Freude und Ehre, den Unabhängigkeitstag Israels in Leipzig feiern zu können. Michael Kretschmer sagte, dass dies nicht selbstverständlich sei. Man sei in der Verantwortung, dieses Vertrauen immer wieder neu zu rechtfertigen. Dazu gehöre auch ein entschlossenes Vorgehen gegen jene, »die versuchen, Antisemitismus hier bei uns in Deutschland zu etablieren«.

Der CDU-Politiker erklärte, dass sich Sachsen vorgenommen habe, in diesem Jahr in ganz besonderer Weise über jüdische Kultur zu sprechen. Er verwies auf »Tacheles«, das landesweite Themenjahr zur jüdischen Kultur, das im Dezember in Chemnitz begann. Er kündigte an, in Dresden ein neues Zentrum der jüdischen Kultur aufbauen zu wollen. Zudem warb er für Leipzig als möglichen Standort für das Holocaust-Bildungszentrum der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem in Deutschland.

Oberbürgermeister Burkhard Jung betonte in seiner Ansprache die guten Beziehungen Leipzigs zur israelischen Partnerstadt Herzliya. Und auch in seiner Funktion als Präsident des Deutschen Städtetages machte er deutlich: »Wir stehen in Solidarität und in Freundschaft an der Seite der Menschen in Israel.«

Auftritt von Idan Amedi

Musikalischer Höhepunkt des Abends war der Auftritt des Sängers Idan Amedi. Er ist als Schauspieler aus der Erfolgsserie »Fauda« bekannt. Bei seinem Einsatz als Soldat wurde er im Januar 2024 beim Kampf gegen Terroristen im Gazastreifen schwer verletzt. Er verbrachte eine lange Zeit im Krankenhaus, wo er sich wieder ins Leben zurückkämpfte. Am Dienstagabend wurde Idan Amedi vom Publikum gefeiert. Botschafter Ron Prosor würdigte ihn als einen Menschen, der den israelischen Widerstandsgeist und die israelische Lebensfreude in sich vereine.

Gegen die Veranstaltung fanden zwei Protestveranstaltungen in der Leipziger Innenstadt statt. Nach Polizeiangaben verlief der Abend dort weitestgehend ruhig. Nur in der Glashalle der Leipziger Messe wurde es kurz etwas lauter, als drei Personen die Rede von Botschafter Prosor mit hebräischen Protestrufen unterbrechen wollten. Die Störer wurden vom Veranstaltungsort abgeführt.

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