Interview

»Leidenschaft für die Mitte«

Rabbiner Bradley Shavit Artson Foto: Tobias Barniske

Herr Rabbiner Artson, am Sonntag wurde in Berlin das Zacharias Frankel College offiziell eröffnet. Was bedeutet das für Sie?
Für mich fühlt sich das wie ein Wunder an. Ich hätte niemals erwartet, dass Deutschland unser Partner bei der Wiederetablierung jüdischen Lebens sein wird.

Derzeit gibt es mit Gesa Ederberg eine einzige Masorti-Rabbinerin in Deutschland. Glauben Sie, dass sich Ihre Bewegung hier ähnlich etablieren kann wie in den USA?
Das ist meine Hoffnung und meine Erwartung. In den USA hat das konservative Judentum etwa eine Million Anhänger. Ich hoffe, dass europäische Juden sich von einer religiösen Praxis angesprochen fühlen, die gleichzeitig traditionell und modern ist, und dass wir in Deutschland und in Europa ein robustes Heim finden werden. Die Ziegler School of Rabbinic Studies, die ich an der American Jewish University leite, übernimmt die geistliche Leitung bei der Ausbildung der konservativen Rabbiner am Frankel College – in Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam. Allerdings werden die Studenten erst im nächsten Frühjahr ausgewählt und beginnen im Wintersemester 2014/15 mit ihrer fünfjährigen Ausbildung. Die ersten Masorti-Rabbiner, die in Potsdam ein reguläres Studium absolviert haben, werden also in etwa sechs Jahren ordiniert.

In Deutschland gibt es bereits das Abraham Geiger Kolleg für die Reformbewegung, das orthodoxe Rabbinerseminar zu Berlin und die Rabbinerausbildung von Chabad. Wie bereichert das Frankel College die jüdische Bildungslandschaft?
Das konservative Judentum ist eine alte Tradition, die Wurzeln in Deutschland hat und sich leidenschaftlich zur Mitte bekennt. Wir sehen es als Pflicht an, uns an Tora und Halacha zu halten, aber wir bleiben offen, um neue Einsichten in unsere Praxis zu integrieren.

Warum haben Sie Zacharias Frankel als Namensgeber des neuen College ausgewählt?
Rabbiner Zacharias Frankel, der 1854 das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau gegründet hat, war ein Genie. Er verstand, dass beide Extreme dem menschlichen Geist schaden: Die gesamte Tradition abzulehnen, bedeutet, dass man das Leben in jedem Moment neu erfinden muss. Aber durch die Tradition gefesselt zu sein und zu erstarren, ist genauso unnatürlich und ungesund.

Was ist traditionell, was modern?
Konservative Juden feiern einen traditionellen Schabbat, zünden Kerzen, treffen sich zu einer speziellen Mahlzeit und beten in der Synagoge. Aber manche Masorti-Rabbiner haben den Menschen, die keine andere Möglichkeit sehen, erlaubt, am Schabbat mit dem Auto zur Synagoge zu fahren. Manche unserer Rabbiner untersagen das Telefonieren am Schabbat, und andere erlauben es, weil sie glauben, dass das Gespräch mit Menschen, die wir lieben, eine Form ist, den Schabbat zu bereichern. Außerdem ist die große Mehrheit von konservativen Synagogen inzwischen egalitär. Frauen genießen dieselben Rechte wie Männer.

Mit dem Vizepräsidenten der American Jewish University in Los Angeles und Dekan des Frankel College sprach Ayala Goldmann.

Landtagswahl Sachsen-Anhalt

Charlotte Knobloch: »Das macht mir Angst«

Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt schickt Charlotte Knoblauch einen Appell an Demokraten. Denn was nun passiert ist, hätte sie sich in ihren »schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können«

 06.09.2026

Landtagswahl Sachsen-Anhalt

Schulze: »Habe nicht vor, mit AfD zusammenzuarbeiten«

Hält die CDU in Sachsen-Anhalt an der »Brandmauer« im Umgang mit der AfD fest? Spitzenkandidat Schulze vermeidet nach der Wahlniederlage eine klare Antwort

 06.09.2026

Landtagswahl Sachsen-Anhalt

Analyse: AfD punktet mit Unzufriedenheit und Polarisierung

Der AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war seit langem erwartet worden. Nun ist er da. Doch was sind die Gründe dafür? Eine Analyse der Forschungsgruppe Wahlen gibt Aufklärung

 06.09.2026

Zentralrat der Juden

Josef Schuster »persönlich entsetzt« über Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt

Die AfD holte bei der Landtagswahl in dem ostdeutschen Bundesland nach ersten Prognosen etwa 44 Prozent der Stimmen. Der Zentralratspräsident warnt vor einer Regierungsbeteiligung der Partei

 06.09.2026

Landtagswahl

Absolute Mehrheit knapp verfehlt? Was das für die AfD hieße

Die AfD räumt bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ab, verfehlt aber trotzdem womöglich ihr großes Wahlziel - die Alleinregierung. Das könnte ihr vielleicht aber auch nutzen

von Jörg Ratzsch  06.09.2026

Landtagswahl

AfD bei Wahl in Sachsen-Anhalt klar vor CDU

In den Umfragen lag die rechtsextreme AfD seit langem deutlich in Führung. Nun gibt es erste Zahlen

 06.09.2026 Aktualisiert

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  06.09.2026

Jerusalem

Israels Sicherheitsrat: Weltweite Reisewarnung für die jüdischen Feiertage

Die Behörde warnt vor gezielten Anschlägen durch extremistische Gruppen und Einzeltäter auf Juden und Israelis. Von Reisen in zahlreiche arabische und an den Iran grenzende Staaten wird dringend abgeraten

 06.09.2026

München

Bayern erhöht Staatsleistungen für israelitische Kultusgemeinden

Seit 1997 gibt es in Bayern einen Staatsvertrag mit den jüdischen Gemeinden. Dieser muss immer wieder mal angepasst werden. Am Freitag war es wieder soweit. Ein Signal der Wertschätzung

 06.09.2026