Studie

»Lehrer sollten Umgang mit Antisemitismus im Studium lernen«

Foto: dpa

Die Frankfurter Soziologin Julia Bernstein hat vorgeschlagen, den Umgang mit Antisemitismus im Lehramtsstudium zu verankern. »Lehrkräfte sollten Umgang mit Antisemitismus im Studium lernen«, sagte Bernstein dem Evangelischen Pressedienst (epd). Lehrer müssten besser geschult werden, um Antisemitismus zu erkennen. Viele Studierende könnten ihre Ausbildung an der Universität abschließen, ohne sich mit heutigen Antisemitismus- oder Rassismusformen auseinandergesetzt zu haben, sagte sie.

Am Donnerstag erscheint Bernsteins Studie zu Antisemitismus in der Schule aus Sicht der Betroffenen. Darin wird deren Sicht auch mit der Perspektive der Lehrkräfte verglichen. Es ist die erste Studie dieser Art in Deutschland.

BEWUSSTSEIN »Lehrer erkennen viele Formen des Antisemitismus oft nicht«, sagte Bernstein. Aus der Perspektive der Lehrkräfte sei Antisemitismus Hass oder Feindseligkeit gegenüber Juden. Für Betroffene fange Antisemitismus aber viel früher an. Er beginne mit Ressentiments, Ignoranz oder Skepsis gegenüber Juden. Oft bagatellisierten Lehrer auch, wenn etwa »Du Jude« als Beschimpfung im Klassenzimmer oder auf dem Pausenhof verwendet werde. Es fehle das Bewusstsein, dass Jude-Sein als Stigma benutzt werde und als Abwertung gemeint sei. »Du Jude« gehört nach Erkenntnissen mehrerer Studien zu den am weitesten verbreiteten Schimpfwörtern auf deutschen Schulhöfen.

Bernstein hat für die Studie 227 Interviews ausgewertet, darunter sind 55 Interviews mit betroffenen Schülern, 87 Interviews mit nicht-jüdischen Lehrern und 25 mit jüdischen Lehrkräften. Darüber hinaus wurden Experten und Sozialarbeiter befragt.

ISRAEL Israelbezogener Antisemitismus sei an Schulen auch häufig verbreitet. Der Staat Israel werde auf Basis von Vorurteilen kritisiert. So werde Israel mit einem Apartheidstaat oder Naziregime verglichen. Israelbezogener Antisemitismus könne so weit führen, dass man dem Staat sein Existenzrecht abspreche, sagte Bernstein.

Unter den Interviewten gebe es auch Kinder, die körperliche Gewalt erfahren hätten: »Ein Junge wurde auf dem Nachhauseweg mit Steinen beworfen. Sein Rucksack hat ihm das Leben gerettet. Er ist nach Israel ausgewandert«, sagte Bernstein. »Viele Lehrer haben Angst, das Problem Antisemitismus an ihrer Schule beim Namen zu nennen. Sie fürchten um den Ruf ihrer Schule.«

Antisemitismus sei ein Phänomen, das es seit 2000 Jahren gebe und das immer wieder in einem anderen Gewand daherkomme, sagte die Soziologin. Zwar sei das Bewusstsein, dass es Antisemitismus in der Gesellschaft gebe, vorhanden. »Aber die meisten Menschen weisen es von sich, dass es Antisemitismus auch in ihrem Umfeld gibt. Jeder muss damit anfangen, sich selbst als erstes zu prüfen.« epd

Aue-Bad Schlema (Sachsen)

CDU-Kandidat gewinnt OB-Wahl in Aue gegen Rechtsextremen

Mit dem Wahlsieg von Marcus Hoffmann bleibt Aue-Bad Schlema in CDU-Hand. Der Kandidat der rechtsextremen »Freien Sachsen« scheitert an der Wahlurne

 08.06.2026

Großbritannien

Antisemitische Straftaten in London stark gestiegen

Der größte monatliche Zuwachs von durch Judenhass motivierten Übergriffen seit ende 2023 wird registriert

 08.06.2026

Nahost

Reaktion auf Hisbollah-Angriff: Israel nimmt Hauptquartier der Terroristen ins Visier

Die israelische Armee erklärt, sie habe auch Abschussvorrichtungen für Raketen zerstört

 08.06.2026

Nahost

Israel reagiert mit Angriffen auf iranische Raketenattacken

Ist die Waffenruhe endgültig vom Tisch? Der Überblick am Morgen

 08.06.2026

Krieg

Medien: Trump fordert von Israel Verzicht auf Gegenschläge

Der US-Präsident fordert zugleich den Iran auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ein Abkommen abzuschließen

 07.06.2026

Krieg

Iran bricht die Waffenruhe und feuert Raketen auf Israel

Was bislang bekannt ist

 07.06.2026 Aktualisiert

Kommentar

Der alte Hass trägt heute Palästinaflaggen

Wie der kulturelle Boykott Israels die Ausgrenzung von Juden normalisiert

von Sarah Maria Sander  07.06.2026

Meinung

Libanon: Zwischen Anschein und Wirklichkeit

Wer den aktuellen Konflikt verstehen will, darf den Zedernstaat nicht als tragisches Opfer Israels lesen

von Jacques Abramowicz  07.06.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor islamistischer Einflussnahme auf deutsche Institutionen

Laut BfV-Chef Sinan Selen geht es nicht um kurzfristige Aktionen, sondern langfristig angelegte Strategien, die auf eine Veränderung politischer Entscheidungsprozesse abzielen

 07.06.2026