Frankreich

»Le Pens Wähler sind frustriert«

Serge Klarsfeld Foto: Leonardo Kahn

Frankreich

»Le Pens Wähler sind frustriert«

Serge Klarsfeld über das Ergebnis der Wahlen und zukünftige politische Aufgaben

von Léonardo Kahn  28.04.2022 09:37 Uhr

Herr Klarsfeld, Emmanuel Macron gewinnt mit 58,5 Prozent die Präsidentschaftswahl. Ist das ein Grund zur Freude für die jüdische Gemeinschaft in Frankreich?
Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist die Wiederwahl von Herrn Macron. Die schlechte ist, dass Marine Le Pen mehr als 40 Prozent bekommen hat.

Die rechtsextreme Kandidatin konnte ihr Wahlergebnis in den vergangenen fünf Jahren um fast zehn Prozentpunkte steigern. Ein Grund zur Beunruhigung?
Ja. Als der Front National 1972 gegründet wurde, schaffte es der rechtsextreme Flügel nicht einmal auf einen Prozentpunkt. Die Rechtsextremisten gewinnen in Frankreich an Macht. Vor der Stichwahl hat unsere Organisation »Fils et filles de déportés juifs de France« in Tageszeitungen wie »Figaro« und »Libération« ganzseitige Anzeigen geschaltet, um die Leser zur Wahl von Emmanuel Macron zu mobilisieren und dem Populismus den Weg in den Élysée-Palast zu versperren. Ich will aber betonen, dass Marine Le Pens Wähler nicht alle per se rechtsextrem sind.

Was sollen sie denn sonst sein?
Frustriert. Sieht man sich zum Beispiel das Wahlergebnis in den Überseegebieten an, dann haben die Einwohner dort in der ersten Wahlrunde für den linken Amtsanwärter Jean-Luc Mélenchon gestimmt und zwei Wochen später dann für Marine Le Pen. Diese Menschen befinden sich in einer finanziellen Notsituation und verfallen dem Extremismus. Es ist daher nun die Verantwortung des Präsidenten, den Menschen während seines Mandats aus der Misere zu helfen.

Ist Marine Le Pens Wählerschaft Ihrer Ansicht nach dann auch nicht antisemitisch?
Es sind ehemalige Kommunisten, Arbeiter und junge Arbeitslose, welche die Partei Rassemblement National in den letzten Jahrzehnten gut mobilisieren konnte. Marine Le Pen bleibt jedoch eine rechtsex­treme Kandidatin, auch wenn sie es nicht zugibt. Der Antisemitismus bleibt in der DNA des Rechtsextremismus. Marine Le Pen trennt sich aber nicht vom rechtsradikalen Strang ihrer Partei. Würde sie die Aussagen ihres Vaters aufs Schärfste verachten, die Konzentrationslager seien nur ein Detail der Geschichte, dann würde ich auch meine Vorwürfe überdenken. Aber da sie das nicht tut, bleibt sie für uns rechtsradikal.

Sie reisen an diesem Donnerstag gemeinsam mit Ihrer Frau Beate nach Jerusalem, zur Gedenkfeier in Yad Vashem. Was erwarten Sie sich von der Zukunft der französisch-israelischen Beziehungen?
Die französisch-israelische Freundschaft ist auf einem Höhepunkt, vor allem in Hinblick auf den wirtschaftlichen und intellektuellen Austausch. Ich hoffe sehr, dass die internationalen Beziehungen weiterhin stabil bleiben.

Mit dem Historiker und Zeitzeugen sprach Léonardo Kahn.

Berlin

CSD-Veranstalter: Anschlag nicht instrumentalisieren

Der Berliner CSD-Verein fordert Solidarität statt Spaltung nach dem Anschlag im Tiergarten. Was die Veranstalter noch betonen

 26.07.2026

Berlin

Wegner lobt nach Anschlag Einsatzkräfte und CSD-Veranstalter

Berlins Regierungschef Wegner hebt das rasche Handeln und das Zusammenspiel nach dem Terroranschlag am Rande des CSD hervor. Worüber er nun in den nächsten Tage sprechen möchte

 26.07.2026

Berlin

Bundeskanzler nennt CSD-Anschlag terroristisch und islamistisch

Nicht nur ein Angriff auf Teilnehmer des Berliner CSD, sondern auch einer gegen Freiheit und Offenheit – Bundeskanzler Merz kündigt an, genau das über Parteigrenzen verteidigen zu wollen

 26.07.2026

Karlsruhe

Generalbundesanwalt soll CSD-Ermittlungen übernehmen

Ein mutmaßlich islamistischer Hintergrund steht bei den Ermittlungen zum Anschlag am Rande des Berliner CSD im Fokus. Die Zuständigkeit wechselt daher bald zur obersten Anklagebehörde in Deutschland

 26.07.2026

Berlin

Dobrindt spricht von Terroranschlag – Verdächtiger flüchtig

Dramatisches Ende eines bunten Festes: Am Rande des CSD in Berlin fährt ein Fahrzeug in die Menge. Eine Person stirbt, 29 Menschen werden verletzt. Nach dem mutmaßlichen Täter wird gefahndet

 26.07.2026 Aktualisiert

Meinung

Die Gefahr des Islamismus endlich ernst nehmen

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD reichen Bekundungen der Trauer und Betroffenheit nicht. Es braucht konkretes gesetzgeberisches Handeln, um dem Terror zu begegnen

von Volker Beck  26.07.2026

Berlin

Blumen, Trauer und Tränen nach CSD-Angriff

Eine Frau stirbt, viele Menschen werden schwer verletzt. Der Angriff mit einem Auto im Berliner Tiergarten galt offensichtlich den Besuchern des Christopher Street Day

von Andreas Rabenstein, Monika Wendel  26.07.2026

Teheran

Iran droht USA mit Ausweitung des Konflikts

Das iranische Militär droht den USA mit einer Ausweitung der Kämpfe. Sollten die Luftangriffe andauern, werde Teheran neue militärische Strategien in der Region anwenden

 26.07.2026

Berlin

CSD-Angriff: Keine Lebensgefahr bei acht Charité-Patienten

Ein Mann steuert am Samstagabend einen Van in eine Menschenmenge. Eine Frau stirbt. Mehrere Menschen erleiden teilweise schwere Verletzungen. Acht von ihnen werden in die Charité gebracht

 26.07.2026