Analyse

Krise am Golf

Sturm über Doha: Saudi-Arabien, Bahrain und andere werfen dem Golfstaat vor, islamistischen Terror zu unterstützen. Foto: imago

Am Montag, dem 5. Juni, vor Sonnenaufgang begannen Katars Nachbarn im Golf, ihre diplomatischen Beziehungen zum winzigen Emirat zu kappen. In einer konzertierten Aktion leiteten Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate entsprechende Schritte gegen Doha ein. Saudi-Arabien schloss seine Grenzen zu Land, wodurch Katar praktisch in einen Belagerungszustand versetzt wurde.

Nachdem sich Ägypten, die Malediven, die Regierung der Republik Jemen und die Regierung des östlichen Landesteils von Libyen der Aktion angeschlossen hatten, musste Katar feststellen, dass seine Flugzeuge und Schiffe den benachbarten Luftraum und die Häfen nicht mehr ansteuern durften.

einfluss Für den kleinen Staat, der in den vergangenen zehn Jahren einen unverhältnismäßig großen Einfluss im gesamten Nahen Osten ausübte, war das eine überraschende Wende. Israel, das in den 90er-Jahren noch ein Büro in Katar hatte, beobachtet, wie die Krise sich weiter entfaltet. Im Lauf der Jahre hat Katar sich auf die Seite der historisch schlimmsten Feinde des jüdischen Staates gestellt, einschließlich der Hamas und der Muslimbruderschaft in Ägypten. Was also ist passiert, und was bedeutet es für Israel?

Katar ist ein »Mikrostaat« mit nur 300.000 Einwohnern und 2,3 Millionen ausländischen Arbeitern. Dennoch ist Katar einer der einflussreichsten Staaten am Golf. Nicht nur wegen seines Reichtums. Emir Hamad bin Khalifa Al Thani, der von 1995 bis 2013 regierte, sorgte höchstpersönlich dafür, diesen Einfluss auszubauen.

Eine diplomatische Note von US-Botschafter Joseph LeBaron vom September 2008 konstatierte, das Land sei bestrebt, seine »strategischen militärischen Beziehungen« zu den USA, die eine Basis in Katar unterhalten, zu festigen. Gleichzeitig arbeite das Land mit dem Iran zusammen und versuche, im israelisch-palästinensischen Konflikt zu vermitteln. Er merkte an, Katar sei ein »unsicherer Partner in der Bekämpfung der Terrorismus-Finanzierung«, und »bad actors« würden die Transitroute über Doha nutzen.

terror Tatsache ist, dass Katar mehr als nur ein Auge zudrückt, wenn es um Terrorfinanzierung geht. Für Israel hatte das unmittelbare Auswirkungen, denn nachdem die Hamas im Gazastreifen an die Macht gekommen war, begann sie, mit der Unterstützung Irans Waffen einzuschleusen.

Nach dem Chaos des »Arabischen Frühlings« im Jahr 2011 fungierte der Sinai als ein wichtiges Transitland, was zu den Kriegen mit Israel in den Jahren 2012 und 2014 führte und zum Beschuss Israels mit Tausenden von Hamas-Raketen. 2012 besuchte Hamad bin Khalifa Al Thani den Gazastreifen und versprach 400 Millionen Dollar. Darüber hinaus nahm Katar Hamas-Führer Chalid Maschal auf, als er 2012 Damaskus verließ.

Nach der Rede Donald Trumps in Riad, in der er den Terror verurteilte, begannen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar zu isolieren und das Land der Unterstützung von Terror und der Verbreitung von Instabilität zu bezichtigen. »Die Länder in der Region können in zwei Lager unterteilt werden: eins, das versucht, ausländische Interessen durch die Unterstützung von Islamisten zu fördern, und eins, dessen Außenpolitik vom Widerstand gegen den Aufstieg der Islamisten geleitet wird«, schrieb Hassan Hassan in der Zeitung »National« in den VAE. Auch Al Arabiya in Saudi-Arabien beschuldigt Katar, sich mit dem Iran zu verbünden und die Muslimbruderschaft zu unterstützen.

hamas Je mehr Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten ein Problem darin sehen, dass Katar die Hamas und andere Islamisten unterstützt, desto mehr überschneiden sich ihre Interessen mit denen Israels. Israel fürchtet sich nicht nur vor Chaos in der Region, wie es in Libyen, Jemen, Syrien und Irak herrscht, wo sich die Dschihadisten festgesetzt haben. Es fürchtet ebenso Staaten, die Hamas-Führer beherbergen und Extremisten finanzieren.

Die Entwicklung ist Teil eines umfassenderen israelischen Versuchs, engere Beziehungen mit stabilen Staaten wie Jordanien einzugehen und mit den Golfstaaten zusammenzuarbeiten. Und es geht darum, der iranischen Hegemonie zu begegnen und Irans Unterstützung der Hisbollah, die Israels Norden bedroht, einen Riegel vorzuschieben. Premierminister Benjamin Netanjahu setzt sich für einen »regionalen« Ansatz ein, um den Friedensprozess voranzubringen, und Jerusalem deutet an, dass engere Beziehungen zu Saudi-Arabien und den Golfstaaten angestrebt werden.

Ein weiterer Vorteil der Katar-Krise für Israel ist, dass sie Israel vom panarabischen Druck hinsichtlich der Idee entlastet, Israel müsse Frieden mit den Palästinensern schließen – als bräuchte es dafür nur ein Zauberwort. Wenn Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate Katar, Hamas, Hisbollah und den Iran als das Hauptproblem ansehen, bedeutet das, dass sie Israels Sorgen angesichts dieser Feinde verstehen. Und dass ihnen klar wird, warum Israel fürchtet, ein Abzug aus dem Westjordanland werde Extremisten stärken und zu chaotischen Zuständen in einer unregierbaren Region führen.

Der Autor ist Meinungsredakteur der »Jerusalem Post«.

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