Meinung

Krakau: Der Papst als Partner

Der Besuch von Franziskus in Auschwitz kann den polnischen Juden helfen

von Anna Chipczynska  02.08.2016 10:21 Uhr

Anna Chipczynska Foto: privat

Der Besuch von Franziskus in Auschwitz kann den polnischen Juden helfen

von Anna Chipczynska  02.08.2016 10:21 Uhr

Auschwitz-Birkenau – das ist der Ort der Vernichtung unserer Nation. Es ist ein Ort der Trauer und des Leidens. Papst Franziskus hat Auschwitz nun zu einem Ort des stillen Gebets und der Kontemplation gemacht. Sein Schweigen trägt eine Botschaft, die Worte nicht auszudrücken vermögen. Diese Stille an diesem Ort ist die Stille des massenhaften Todes.

Dass der Papst nach Auschwitz kam, um dort in Schweigen zu verharren und die Totenstille nicht zu stören, ist Zeichen für seine enge emotionale Bindung an uns Juden und zugleich eine Geste seiner Solidarität. Sein Besuch trägt dazu bei, die immer noch oft in Frage gestellte Wahrheit über Auschwitz zu verbreiten. Wir Juden sind beim Kampf gegen Antisemitismus und gegen die Leugnung des Holocaust auf Beistand angewiesen.

jugendliche Einige Tage vor Beginn des katholischen Weltjugendtages meldete sich bei unserer Gemeinde in Warschau eine internationale Jugendgruppe. Sie traf sich mit unseren Gemeindemitgliedern in der Synagoge und unterstützte uns auch ganz praktisch auf dem Jüdischen Friedhof. Sie halfen uns, die Gräber aus dem Zweiten Weltkrieg in Ordnung zu bringen, und erkundigten sich nach Dingen, die heute für unsere Gemeinschaft wichtig sind. Sie fragten auch nach dem Antisemitismus und danach, was sie selbst, als junge Christen, für die christlich-jüdischen Beziehungen tun könnten. Für viele von ihnen war es der erste Kontakt mit Juden.

Vielleicht zieht Franziskus’ Auschwitzbesuch während des Weltjugendtages eine neue Initiative junger Christen nach sich, die den Dialog mit uns Juden suchen. Daraus könnten engere Kontakte zu den Gemeinden oder gemeinsame Anstrengungen zum Erhalt des jüdischen Erbes erwachsen, seien dies nun Friedhöfe, ehemalige Synagogen oder Mikwen. Aber auch auf Gebieten wie jüdische Philosophie, Literatur und Musik könnte man zusammenarbeiten.

Mit dem Trauma der Schoa setzen wir uns in unseren Gemeinschaften, Synagogen und Häusern jeden Tag auseinander, geben wir doch die Erinnerung daran von Generation zu Generation weiter. In Polen gibt es keinen Ort ohne Erinnerung an die lokalen Tragödien der jüdischen Gemeinden. Wir möchten gerne den Kreis unserer Partner und nichtjüdischen Freunde erweitern, denen die Erinnerung an die Vorkriegswelt des polnischen Judentums am Herzen liegt und die sich im Bildungsbereich engagieren. Wir möchten unsere Erinnerungen gern mit anderen teilen. Papst Franziskus könnte dabei zu unserem wichtigsten Partner werden.

Die Autorin ist Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Warschau.

Berlin

»Schutz ist unsere Pflicht«

Finanzminister Scholz will mehr Geld zum Schutz vor rechtem Terror ausgeben – und gibt der AfD Mitschuld an Synagogen-Anschlag

 16.10.2019

Bonn

Urteil nach antisemitischem Angriff auf jüdischen Professor

Der 21-jährige Deutsch-Palästinenser ist zu einer Gesamtstrafe von viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden

 16.10.2019

Niedersachsen

Franz Rainer Enste wird erster Antisemitismus-Beauftragter

Der Jurist soll künftig Ansprechpartner für die jüdischen Verbände und für alle Juden im Land sein

 16.10.2019

Anschlag auf Synagoge

»Irritierend und unkritisch«

Der Zentralrat der Juden kritisiert die Aussagen von Sachsen-Anhalts Innenministers Holger Stahlknecht scharf

 13.10.2019

Extremismus

»Eine zumindest rechtsradikale Partei«

Politiker anderer Parteien greifen die AfD scharf an - und werfen ihr nach dem Anschlag in Halle Heuchelei vor

von Martina Herzog  12.10.2019

Meinung

Wir dürfen uns nichts mehr vormachen

Der Rechtsstaat muss härter gegen Judenhasser und Hetze im Netz vorgehen

von Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt  11.10.2019