Meinung

Kopenhagen: Mörder ins Museum?

Als Ort haben sich die Künstler das Kopenhagener Schlachthofviertel ausgesucht. Dort will ein Kollektiv eine Ausstellung namens »Märtyrermuseum« eröffnen. Jeanne d’Arc wird zu sehen sein, Rosa Luxemburg und sogar Sokrates. Der Begriff Märtyrer soll, sagt eine Initiatorin, »aus verschiedenen Blickwinkeln« betrachtet werden, denn: »Jeder ist der Held seiner eigenen Geschichte.«

weltanschauung Solche Helden sind dann wohl auch die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui, die am 22. März in Brüssel ein Blutbad anrichteten. Entsprechend stößt die Kunstaktion in Dänemark auf harsche Kritik. Die Zeitung »Politiken« etwa fragt, ob demnächst noch Auschwitz-Kommandant Rudolf Höss im Museum als Held präsentiert wird. Fürsprecher argumentieren hingegen, es sei wichtig, sich auch mit der Weltanschauung islamistischer Terroristen zu beschäftigen.

Ob dies in Kopenhagen mit der Ausstellungseröffnung am 26. Mai geschehen wird, ob der Status des heroischen Märtyrers, den Terroristen viel zu oft genießen, dekonstruiert werden wird – all das weiß derzeit keiner, nicht die Kritiker und nicht die Befürworter. Dass die Debatte stattfindet, dass also heftige Kritik an dem Künstlerkollektiv geäußert wird, der sich dieses wiederum stellen muss, ist zu begrüßen.

selbstmordattenate Aus dem Blick gerät in der Debatte jedoch die offensichtlich unkritische Heldenverehrung, die Mörder in weiten Teilen des Nahen Ostens genießen: Straßen, Plätze, Schulen, Kindergärten sind nach palästinensischen »Märtyrern« benannt, deren »heroische Taten« im Mord an jüdischen Israelis bestehen.

Erst jüngst wurde Naschat Milhem geehrt, der am 1. Januar in Tel Aviv ein Café angriff: drei Tote und sieben Verletzte. Oder: Ende 2015 wurde Muhannad Halabi in einem Dorf nahe Ramallah gefeiert, in dem eine Straße nach ihm benannt wurde; seine Heldentat: die Ermordung zweier Israelis, das Niederstechen einer Frau und ihres zweijährigen Sohnes. Und der Pokal eines Jugendfußballturniers wurde nach Wafa Idris benannt, der ersten Frau, die sich für die palästinensische Sache zu einem Selbstmordattentat entschied.

Nichts gegen die Freiheit der Kunst in Dänemark. Kunst kann helfen, mörderische Mythen zu zerstören. Aber wir sollten nicht die ganz und gar unkritische Mörderverehrung übersehen, die es sehr real gibt. Schon gar nicht, wenn eine nach einem Terroristen benannte Schule von EU-Geldern errichtet wurde.

Krieg gegen Iran

USA könnten Abfangraketen für die Ukraine nach Nahost umleiten

Schicken die USA für die Ukraine vorgesehene Rüstungsgüter in den Nahen Osten? Ein Bericht der »Washington Post« sorgt Aufsehen - vor allem, weil eine Nato-Initiative betroffen sein könnte

 26.03.2026

Meinung

Lahav Shapiras Fall hätte vor Gericht verhandelt werden müssen

Der jüdische Student wirft der FU Berlin vor, ihn nicht ausreichend vor Diskriminierung geschützt zu haben. Doch die Richter wiesen seine Klage mit einer Begründung ab, die nur schwer nachzuvollziehen ist

von Matthias Fuchs  26.03.2026

Iran-Krieg

Israel meldet Tötung von IRGC-Marineführung

Die Tötung von Admiral Ali Reza Tangsiri stellt laut IDF »einen bedeutenden Schlag gegen die Führungsstrukturen der IRGC und ihre Fähigkeit dar, Terroraktivitäten im maritimen Bereich zu orchestrieren«

 26.03.2026

Nahost

Zwei Tote in Abu Dhabi durch herabfallende Raketenteile

Die Angriffe in den Golfstaaten lassen nicht nach. Erneut werden Menschen getötet

 26.03.2026

Berlin

Demonstration gegen Auftritt von Francesca Albanese

»Wer das Existenzrecht Israels delegitimiert und Gräueltaten rechtfertigt, darf in Berlin keine unwidersprochene Bühne erhalten«, sagen die Organisatoren der Kundgebung

von Imanuel Marcus  26.03.2026

Berlin

Merz: »Wolfram Weimer hat mein Vertrauen«

Der Kulturstaatsminister steht wegen des Ausschlusses von linken Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis in der Kritik. Der Kanzler sieht durchaus schwierige Debatten - gibt aber generelle Rückendeckung

 26.03.2026

Nahost

Straße von Hormus: Iran richtet »Mautstelle« ein

Schiffe müssen Informationen über Ladung, Besatzung und Zielort übermitteln – und bezahlen

 26.03.2026

Berlin

Prosor übt scharfe Kritik an Bundespräsident Steinmeier

Der israelische Botschafter moniert eine zu optimistische Sicht auf Diplomatie. In der internationalen Politik sei der Glaube verbreitet, dass sich Konflikte durch Gespräche lösen ließen. Doch dieses Denken habe Grenzen

 26.03.2026

Achse Teheran-Moskau

Bericht: Russland liefert Drohnen an Iran

Diese Art der Unterstützung für das iranische Regime ist ein Novum. Bisher wurden Drohnen in umgekehrter Richtung geliefert

 26.03.2026