Justiz

Knobloch zu KZ-Wachmann: »Es darf keinen ruhigen Lebensabend geben«

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch Foto: picture alliance / Sven Hoppe/dpa

Das Gerichtsurteil gegen den 101-jährigen Mann wegen Beihilfe zum Mord in der NS-Zeit ist auf Zustimmung gestoßen. »Wer eine solche Schuld auf sich geladen hat, für den darf es keinen ruhigen Lebensabend geben«, erklärte am Dienstag die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch.

Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, begrüßte das Urteil des Landgerichts Neuruppin. Vertreter der Sinti und Roma würdigten, dass auch die Verfolgung und Ermordung dieser Gruppe im früheren KZ Sachsenhausen ausführlich in den Blick genommen worden sei.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Brandenburger Richter hatten den 101-Jährigen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der Mann war angeklagt worden, als damaliger Wachmann Beihilfe zum Mord an Häftlingen geleistet zu haben. Medienberichten zufolge handelte es sich um mehr als 3500 Inhaftierte. Der Mann habe bis zuletzt bestritten, zwischen 1942 und 1945 Wachmann in dem Lager gewesen zu sein. Das Konzentrationslager in Oranienburg nördlich von Berlin war 1936 errichtet worden. Bis 1945 waren dort mehr als 200.000 Menschen inhaftiert, Zehntausende wurden ermordet.

Knobloch, die auch Beauftragte des Jüdischen Weltkongresses für Holocaust-Gedenken ist, betonte, es sei eine wichtige Botschaft, dass Täter auch knapp acht Jahrzehnte nach Kriegsende noch zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Damit habe das Gericht ein Zeichen gesetzt und sei »zumindest einem kleinen Teil des massiven nationalsozialistischen Unrechts mit rechtsstaatlichen Mitteln begegnet«. Wer millionenfachen Mord ermöglicht habe, müsse bestraft werden. Das Alter dürfe dabei keine Rolle spielen.

Ähnlich äußerte sich Klein: »Das Urteil macht deutlich, dass Schuld keine Altersgrenze nach oben kennt«, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Es sei kein »Ruhmesblatt, weder für die DDR, in der der Angeklagte lebte, noch für die Bundesrepublik Deutschland«, dass der Mann so lange unbehelligt gelebt habe und eine Anklage erst so spät erfolgt sei.

Der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antiziganismus, Mehmet Daimagüler, erklärte mit Blick auf die Sinti und Roma, dass das Landgericht diese Opfer der Nazis »aus dem Dunkel des Vergessens geholt« habe. »Das heutige Urteil müssen wir als Anstoß für einen dringend notwendigen gesellschaftlichen Diskurs über den Völkermord an den Sinti und Roma und die anhaltenden Folgen bis in die Gegenwart sehen.«

Auch der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, begrüßte die Thematisierung der Leiden dieser Gruppe. Er mahnte an, nun die Aufarbeitung von Antiziganismus nach 1945 voranzutreiben. Dies habe auch die Unabhängige Kommission Antiziganismus in ihrem im vergangenen Jahr veröffentlichten Abschlussbericht festgestellt. Das Gerichtsurteil nannte Rose »wegweisend«. Und: »Mit diesem Urteil, das im Namen des Volkes gesprochen wurde, distanziert sich unsere Gesellschaft von diesen Verbrechen, die einen Zivilisationsbruch darstellten.« kna

Leipzig

Extremismusverdacht gegen sächsische Beamtin und BSW-Mitarbeiterin

Die Landesdirektion will die Vorwürfe im Fall ihrer hochrangigen Mitarbeiterin prüfen. »Gegebenenfalls werden weitere Schritte eingeleitet«, sagt ein Sprecher

 23.01.2026

Stuttgart

Holocaust-Überlebende kritisiert ARD-Spitze

Eva Umlauf bezeichnet den Umgang mit dem Film »Führer und Verführer« als »Skandal und Schande«. Programmdirektorin Christine Strobl reagiert

 23.01.2026 Aktualisiert

Saarland

Religiöses Bündnis will Gottesbezug in Saar-Verfassung

Beteiligt ist auch die Synagogengemeinde Saar

 23.01.2026

Teheran

Aktivisten verifizieren 5000 Tote bei Irans Massenprotesten

Aktivisten arbeiten weiter daran, die zahlreichen Angaben zu Todesopfern der Proteste zu überprüfen. Derweil dementiert das Regime Statements von US-Präsdident Trump, wonach Irans Justiz Hinrichtungen von Demonstranten stoppte

 23.01.2026

Justiz

Ehemaliger Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Berlin verurteilt

Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte den Angeklagten wegen eines sexuellen Übergriffs und sexueller Nötigung zu 10 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung

 23.01.2026

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die ebenso umstrittene wie vielfach kritisierte ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an

von Jana Ballweber  23.01.2026 Aktualisiert

Vetschau/Spreewald

Sellner-Vortrag in Brandenburg trotz Ärger in AfD

Ein Autohaus an der Autobahn mit Medienauflauf: Der österreichische Rechtsextremist hält einen Vortrag über Remigration. Nach Knatsch in der AfD ist die Landtagsabgeordnete Kotré nur Gast statt Gastgeberin

von Marc-Oliver von Riegen  23.01.2026

Davos/Washington D.C.

Trump: Marine-Armada nähert sich dem Iran

»Wir haben viele Schiffe, die in diese Richtung fahren, nur für den Fall«, sagt der Präsident

 23.01.2026

Davos

Kushner präsentiert 25-Milliarden-Dollar-Plan für Gaza

Laut dem Sondergesandten und Schwiegersohn des US-Präsidenten soll der Küstenstreifen bis 2035 ein Wirtschaftszentrum werden

 23.01.2026