Meinung

Keine Bühne für BDS

Philipp Peyman Engel Foto: Chris Hartung

Meinung

Keine Bühne für BDS

Michael Müller muss seinem klaren Bekenntnis gegen Israelhass nun Taten folgen lassen

von Philipp Peyman Engel  11.09.2017 18:51 Uhr

Es sind Worte, die deutlicher nicht sein könnten. »BDS steht mit antisemitischen Schildern vor Berliner Geschäften. Das sind unerträgliche Methoden aus der Nazizeit«, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller vergangene Woche im Interview mit dieser Zeitung.

Und weiter: »Nur wenn wir klare Grenzen ziehen, können wir wirksam und nachhaltig gegen alle Formen des Antisemitismus vorgehen.« Damit hatte sich der SPD-Politiker zwar spät, aber erstmals unmissverständlich gegen die israelfeindliche BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions) ausgesprochen.

volksbühne Doch erst jetzt wird sich zeigen, ob der Ankündigung auch wirklich Taten folgen werden. Am 6. Oktober tritt die Rapperin und Anti-Israel-Aktivistin Kate Tempest zur groß angekündigten Eröffnung der Volksbühne Berlin auf. »Let Them Eat Chaos!«, lautet das Konzertmotto der Globalisierungskritikerin, die so regelmäßig wie wütend gegen den Judenstaat hetzt. Zuletzt unterschrieb sie mit 1200 anderen Künstlern eine BDS-Petition, die zum umfassenden Boykott Israels aufruft, um den »palästinensischen Kampf« zu unterstützen.

Nun kann man der oft als »Englands schlaueste Rapperin« titulierten Kate Tempest nicht vorschreiben, in Kategorien der Vernunft statt des israelbezogenen Antisemitismus zu denken. Sehr wohl aber ist es möglich, ihr – und damit auch anderen Künstlern auf vom Land hoch subventionierten Bühnen – rote Linien aufzuzeigen.

signal Es ist deshalb Aufgabe des Regierenden Bürgermeisters – erst recht nach dem BDS-Eklat beim Berliner Popfestival, als von ihm wochenlang ein Statement ausblieb –, Wort zu halten und ein Signal zu senden: Antisemitische Hetze ist an unseren Bühnen nicht willkommen! Dass indes weder Müller noch die Volksbühne bislang Stellung beziehen wollten, stimmt nicht gerade hoffnungsvoll. Entsprechende Fragen dieser Zeitung zum Konzert blieben unbeantwortet.

»Worte, denen keine Werke folgen, sind wertlos, schlecht und falsch«, lautet eine populäre, eher banale Kalenderweisheit. Im Roten Rathaus und in der Volksbühne ist der Ausspruch anscheinend trotzdem nicht bekannt.

Berlin

Merz lehnt Apartheid-Vergleich von Israel entschieden ab

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat Israel mit einem Apartheid-System verglichen. Merz widerspricht sehr deutlich

 18.06.2026

Washington

US-Vize Vance verbittet sich israelische Kritik an Trump

Aus der israelischen Regierung wird Kritik laut – nicht nur am Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran, sondern auch an Präsident Trump. Dessen Vize kann mit damit allerdings gar nichts anfangen

 18.06.2026

Kommentar

Nimm die Wahrheit an, von wem auch immer sie gesagt wurde

Bisweilen wirkt die Debatte um KI-generierte Texte absurd. Denn die Qualität eines Arguments sollte entscheidender sein als sein Urheber

von Leeor Engländer  18.06.2026

Meinung

Wie Höcke die AfD zur Abrissbirne der Demokratie machen will

Die jüngsten Aussagen des Thüringer AfD-Chefs zeigen einmal mehr, wes Geistes Kind Björn Höcke ist und was er mit Deutschland vorhat: nichts Gutes

von Michael Thaidigsmann  18.06.2026

Wirtschaft

Weiter wenig Schiffsverkehr durch Straße von Hormus

Vor dem Krieg passierten täglich Hunderte Schiffe die Meerenge. Dann kam der Verkehr weitgehend zum Erliegen, weil der Iran Reedern drohte. Kommt nach der Einigung mit den USA ein Aufschwung?

 18.06.2026

Interview

»Die Anständigen sind zu leise«

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) über Antisemitismus, wachsende Zustimmung zur AfD und die Rolle sozialer Medien

von Michael Thaidigsmann  18.06.2026

Diplomatie

Israel bricht Beziehungen zu EU-Außenbeauftragter Kallas ab

Außenminister Gideon Sa’ar will mit Kaja Kallas so lange nicht mehr reden, bis sie sich für ihren Vorwurf, Israel praktiziere Apartheid, entschuldigt

von Michael Thaidigsmann  18.06.2026

Bremen

Acht Meter breite Parolen an Schulen gesprüht

Unbekannte haben zwei Schulzentren im Bremer Stadtteil Walle mit großflächigen Farbschmierereien beschädigt. Sie schrieben unter anderem »FCK ISRAEL« und »Free Palestine«

 18.06.2026

Rias-Antisemitismusbericht

Bitterer Alltag

Manchmal sind es Gesten, manchmal Pöbeleien, manchmal übelste Drohungen und Gewalt: Jüdinnen und Juden erleben in Deutschland täglich Feindseligkeit. Was tut die Gesellschaft?

von Verena Schmitt-Roschmann  18.06.2026