Berlin

Kein Prozess gegen mutmaßlichen Wehrmachtssoldaten

Foto: picture alliance/dpa

Ein mutmaßlicher Wachmann eines Kriegsgefangenenlagers der Wehrmacht kommt nicht in Berlin vor Gericht. Der heute 99-Jährige sei »aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft verhandlungsunfähig«, teilte das Landgericht Berlin am Freitag mit. Die Staatsanwaltschaft Berlin hatte den Mann wegen Beihilfe zum grausamen Mord in mindestens 809 Fällen angeklagt.

Gefangene Als junger Mann soll er demnach von Ende November 1942 bis zum 20. März 1943 im Lager Wladimir-Wolynsk auf dem Gebiet der heutigen Westukraine eingesetzt gewesen sein, wo sowjetische Soldaten unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten wurden. Viele Gefangene verhungerten oder starben an Krankheiten.

Dem Angeklagten sei bewusst gewesen, dass er durch seine Tätigkeiten »einen reibungslosen Ablauf der angeordneten Massenvernichtung unterstützt habe«, so die Staatsanwaltschaft.

Laut Staatsanwaltschaft war der Beschuldigte als Angehöriger eines Landesschützenbataillons der Wehrmacht unter anderem für die Bewachung der dort untergebrachten Kriegsgefangenen zuständig. Daneben sei er als einfacher Soldat in der Innenverwaltung des Lagers tätig gewesen. Er habe einen dezidierten Einblick in das Lagergeschehen gehabt. Zudem sei ihm bewusst gewesen, dass er durch seine Tätigkeiten »einen reibungslosen Ablauf der angeordneten Massenvernichtung unterstützt habe«, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft in der Anklage vom 5. Mai 2022.

Gutachten Mitte August hieß es vom Landgericht, bei der Staatsanwaltschaft seien Nachermittlungen in Auftrag gegeben. Nun teilte eine Gerichtssprecherin mit, aufgrund des Alters des Beschuldigten habe die Staatsanwaltschaft ein Gutachten eingeholt zur Frage der Verhandlungsfähigkeit. Ein Sachverständiger sei zu dem Ergebnis gekommen, dass der inzwischen 99-Jährige nicht verhandlungsfähig und eine Besserung nicht zu erwarten sei. Diesen Ausführungen sei das Gericht »vollumfänglich gefolgt«, hieß es nun.

Für den Fall war eine Jugendkammer des Landgerichts zuständig, weil der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt noch unter 21 Jahre alt war. Damit gilt er nach dem heutigen Strafrecht als Heranwachsender. Die Staatsanwaltschaft wollte sich noch nicht zu der Entscheidung äußern. Dafür sei es noch zu früh, sagte eine Sprecherin.

Rechtspraxis Nach der Verurteilung des Wachmanns John Demjanjuk im Jahr 2011 wegen Beihilfe zu tausendfachen Morden werden auch Wachleute niedriger Ränge strafrechtlich verfolgt. Nach dieser geänderten Rechtspraxis wird die einfache Wachtätigkeit in einem KZ, in dem systematisch Menschen ermordet wurden, als Beihilfe zum Mord gewertet. Ende Juni war in Brandenburg ein ehemaliger Wachmann des KZ Sachsenhausen wegen Beihilfe zum Mord an tausenden Häftlingen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. dpa

Davos

Trump: »Iran kann das Nukleare nicht machen«

Der US-Präsident hat dem Mullah-Regime mit einem Angriff gedroht, sollte es sein Atomprogramm fortsetzen

 22.01.2026

Berlin

»Palestine in Berlin«-Festival wegen Hamas-Dreiecken abgesagt

Ausgangspunkt der Entscheidung: ein Werbeflyer des Festivals, auf dem rote Dreiecke zu sehen waren. Dieses Symbol wird von der palästinensischen Terrororganisation Hamas genutzt, um ihre Feinde zu markieren

 22.01.2026

Davos

Trumps »Friedensrat«: Wer dabei ist - und wer nicht

Während einige Länder bereits ihre Teilnahme zugesagt haben, halten sich andere mit einer Entscheidung noch zurück oder lehnen ab

von Antonia Hofmann, Sebastian Fischer  22.01.2026

Berlin

Weimer drängt EU zu Vorgehen gegen KI-Fälschungen zum Holocaust

Der Kulturstaatsminister sieht die EU-Kommission in der Verantwortung, Plattformbetreiber stärker in die Pflicht zu nehmen, um massenhafte Geschichtsverzerrung zu unterbinden

 22.01.2026

Gaza

USA werfen Hilfsorganisationen geheime Hamas-Verbindung vor

Sechs Hilfsorganisationen im Gazastreifen stehen unter Verdacht, heimlich mit der Hamas verbunden zu sein. Die USA kündigen Konsequenzen an und wollen Vermögenswerte einfrieren

 22.01.2026

Sydney

Australien begeht nationalen Trauertag nach Anschlag auf Chanukka-Event

Eine Schweigeminute ist ebenso vorgesehen wie das Entzünden von Kerzen für die 15 Opfer

 22.01.2026

Diplomatie

Großes Zögern

Das iranische Regime unterdrückt die Proteste im eigenen Land brutal. Doch Brüssel und Berlin erhöhen den Druck nur langsam

von Michael Thaidigsmann  21.01.2026

Meinung

Jugendwerk endlich gründen

Seit vielen Jahren wird immer wieder betont, wie wichtig die Institutionalisierung des deutsch-israelischen Jugendaustauschs wäre. Höchste Zeit, die Idee in die Tat umzusetzen

von Joshua Schultheis  21.01.2026

Meinung

Liebe Iraner, wir fühlen mit euch!

Als Israelin wünscht sich unsere Autorin nichts mehr, als dass das brutale Regime in Teheran bald fällt. Ein offener Brief an die mutigen Menschen im Iran

von Sabine Brandes  21.01.2026