Meinung

Junge Jüdinnen und Juden stehen vor einem Dilemma

Tim Kurockin Foto: MORDINSON

Es ist gut, dass wir auf die Straße gehen. Die Frustration meiner Generation ist angesichts der aktuellen politischen Lage nachvollziehbar, sei es durch die Klimakrise, soziale Ungerechtigkeiten oder den spürbaren Rechtsruck. Junge Menschen müssen der Motor einer jeden Demokratie sein.

Aber genau dieser Motor stottert gerade. Was als legitimer Protest begonnen hat, wird zunehmend von Radikalen unterlaufen. Wer als junger Jude oder junge Jüdin auf diesen Demos unterwegs ist, merkt schnell, dass der Ton sich verschoben hat. Er ist vielerorts offen antisemitisch geworden. Wenn auf unseren Straßen plötzlich die Massaker des 7. Oktober gerechtfertigt und islamistischer Terror relativiert wird, hat das rein gar nichts mehr mit progressiven Werten und berechtigten Interessen der Jugend zu tun. Das schießt völlig an jeder berechtigten politischen Kritik vorbei.

Auch die Gewalt, zu der es bei den Protesten kam, muss man klar verurteilen. Wer randaliert, diskreditiert das eigentliche Anliegen. Hier braucht es ebenfalls Ehrlichkeit in der Debatte. Die Ausschreitungen waren längst nicht so aggressiv, wie manche Politiker und Medien sie angekündigt und im Nachhinein herbeigeschrieben haben. Diese gezielte Panikmache hilft uns nicht weiter. Sie lenkt nur vom Kernproblem ab, der gefährlichen Unterwanderung legitimer Proteste durch Antisemiten und Extremisten.

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Wir jungen Jüdinnen und Juden stehen vor einem echten Dilemma. Wir teilen viele Sorgen unserer Generation und wollen mitdemonstrieren. Wir sind genauso betroffen von den Problemen, wie den steigenden Preisen bis hin zur Wehrpflichtdebatte. Aber wir können und werden uns nicht mit Leuten gemein machen, die den Hass auf uns und auf Israel schüren. Echter Aktivismus darf nicht blind gegenüber Antisemitismus sein. Es wird Zeit, dass die Gen Z anfängt, ihre Protesträume zu verteidigen. Gegen plumpe Hetze und ganz besonders gegen den offenen Antisemitismus in den eigenen, vermeintlich ach so toleranten Reihen.

Der Autor ist Vorstandsmitglied der Jüdischen Studierendenunion Deutschland.

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