Meinung

Jena: Demokraten brauchen Hilfe

Teilnehmer einer Thügida-Demonstration in Jena Foto: dpa

Am 3. Oktober in Dresden, bei den Feiern zur deutschen Einheit, wurde die Aggressivität, mit der sich Anhänger der Pegida-Bewegung äußern, besonders deutlich. Doch diese Bewegung ist kein nur sächsisches oder gar nur Dresdner Phänomen; einer der gefährlichsten Ableger von Pegida findet sich in Thüringen.

Dort, bei Thügida, treffen »besorgte Bürger« auf erfahrene Neonazi-Kader, und Letztere konnten, nicht zuletzt wegen dieses politischen Klimas, in den vergangenen Jahren ihre Strukturen in Süd- und Ostthüringen weitgehend ungestört ausbauen. Von dort drängen sie nach Jena, in die Stadt also, aus der der Kern des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU) stammt, in der aber auch eine starke Zivilgesellschaft an ihrer Marginalisierung arbeitet.

verbot Am 20. April, den Nazis als Hitlers Geburtstag feiern, marschierten 200 Thügida-Anhänger mit Fackeln durch Jena. Die Stadtverwaltung sprach nur ein halbherziges Verbot aus, das vom Verwaltungsgericht Gera, das keinen historischen Bezug des Datums erkennen wollte, kassiert wurde.

Die Behörden nahmen das hin und bekamen umgehend die Quittung: Am Todestag von Rudolf Heß waren die Neonazis wieder da, ausgerüstet mit Fackeln und Sarg. Die Polizei sah keinen Grund einzuschreiten; nur die Jenaer Zivilgesellschaft zeigte mit mehr als 3000 Protestierenden Courage. Doch ein massives Polizeiaufgebot aus Thüringen und Sachsen ging mit Pfefferspray, Hunden, Räumpanzern und Wasserwerfern gegen die Gegendemonstration vor. Für die Neonazis hingegen wurden Geschäfte, Kitas und Unibibliothek geschlossen und der Verkehr lahmgelegt.

verständnis In Jena wird offenbar, wohin die mit Pegida begonnene Entwicklung geführt hat: Jahrelang wurde Verständnis für »besorgte Bürger« geäußert, in deren Bewegung Neonazis ungehindert aufgehen konnten. Ihren Aufmärschen wird mehr Raum gegeben, als das Recht auf Versammlungsfreiheit es verlangt: Die Behörden tun – außer einigen wenigen kritischen Abgeordneten, die auf taube Ohren stoßen – wenig, um die Demokratie gegen rassistische und antisemitische Manifestationen zu verteidigen. Im Gegenteil, sie gehen gegen die Menschen vor, die sich couragiert zur Wehr setzen. Besonders erschreckend ist die Gleichgültigkeit in Teilen von Politik und Öffentlichkeit.

Für den 9. November hat Thügida erneut einen Aufmarsch in Jena angemeldet. Die Zivilgesellschaft in Jena braucht dringend Unterstützung. Ohne öffentlichen Druck ist nicht zu erwarten, dass Stadt und Polizei ihre Strategie ändern.

Die Autorin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Erfurt.

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026 Aktualisiert

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026