EILMELDUNG! Nach Angriff Israels auf Iran: Sicherheitsbehörden verstärken Schutz für jüdische Einrichtungen

Meinung

Israels Bürger sind liberaler als der Staat

Nathan Sznaider Foto: studio-thomas

Meinung

Israels Bürger sind liberaler als der Staat

Das Nationalgesetz ist ein verzweifeltes Aufbäumen der politischen Klasse gegen die Lebenspraktiken der eigenen Bürger

von Natan Sznaider  24.07.2018 11:59 Uhr

Am selben Tag wie das umstrittene Nationalitätengesetz verabschiedete die Knesset auch eine neue Version des Leihmutterschaftsgesetzes. Es räumt zwar alleinstehenden Frauen das Recht auf das Kind einer sogenannten Leihmutter ein, will dieses Recht schwulen Männern allerdings nicht zugestehen.

Das brachte am Sonntag mehr als 80.000 Menschen auf die Straße. Eine Mehrzahl der Israelis hat nichts gegen gleichgeschlechtliche Ehen, Adoptionen und Leihmutterschaft. Der Kampf lesbischer Frauen und schwuler Männer, Eltern zu sein und in der Armee dienen zu können, hat zentrale Werte in Israel zwar ausgedehnt, aber nie infrage gestellt.

Gleichheit Israel war nie ein liberaler Staat, obwohl die Menschen selbst liberal sind. Israel wurde auf dem Grundsatz gegründet, dass es der Nationalstaat des jüdischen Volkes ist. Liberale Prinzipien sind Prinzipien der Gleichheit. Ethno-nationale Prinzipien sind Prinzipien der Ungleichheit.

Liberale Prinzipien sind Prinzipien der Universalität, ethno-nationale Prinzipien sind solche der Partikularität. »Jüdisch« und »demokratisch« mögen auf der theoretischen Ebene widersprüchlich sein, werden aber in der Praxis ständig bis zum Zerreißen ausgehandelt. Die Menschen in Israel waren immer schon liberaler als ihr Staat.

So gesehen sind die umstrittenen Gesetze der vergangenen Woche ein verzweifeltes Aufbäumen der politischen Klasse gegen die Lebenspraktiken der eigenen Bürger. Das gilt auch für das Gesetz, das Israel als »Nationalstaat des jüdischen Volkes« definiert. Dass damit etwa Arabisch seinen Status als offizielle Amtssprache verliert, wird im gesellschaftlichen Leben wohl nichts verändern – außer dass man die fast 21 Prozent zählende arabische Bevölkerung brüskiert.

Wohl auch deswegen, weil eine neue Generation von Arabern in Israel aufgewachsen ist, die der jüdischen Bevölkerung immer ähnlicher wird. Wenn man an Privilegien gewöhnt ist, fühlt sich Gleichheit wie Unterdrückung an, sagt schon ein altes soziologisches Klischee.

Der Autor ist Soziologe in Tel Aviv.

Deutschland

Behörden verstärken Schutz von jüdischen und israelischen Einrichtungen

Nach dem gemeinsamen Angriff Israels und der USA auf den Iran reagieren die Behörden auf die erhöhte Sicherheitslage

 28.02.2026 Aktualisiert

Standpunkt

Braucht es ein Verbot?

Warum gerade Juden einen Social-Media-Stopp für Jugendliche unter 16 Jahren unterstützen sollten

von Daniel Neumann  27.02.2026

Meinung

Kein Geld mehr für die UNRWA

Die CDU hat auf ihrem Bundesparteitag einen Stopp deutscher Zahlungen an das Flüchtlingshilfswerk für die Palästinenser gefordert. Warum der Beschluss richtig ist

von Michael Thaidigsmann  27.02.2026

Meinung

Olympia: Mehr als ein Regelbruch

Das israelische Bobteam wurde disqualifiziert – doch dahinter steht eine Geschichte von Loyalität, Koexistenz und Mut

von Sabine Brandes  27.02.2026

Essay

Ich habe Xavier Naidoos öffentlicher Abbitte geglaubt ...

Da steht er also wieder vor dem Kanzleramt. Nicht als Sänger, nicht als geläuterter Rückkehrer, nicht als jemand, der seine eigenen Irrwege wirklich aufgearbeitet hätte, sondern als Lautsprecher für den nächsten verschwörungsideologischen Ausnahmezustand

von Serdar Somuncu  27.02.2026

Analyse

Hamas-naher Verein organisiert pro-palästinensische Demos

Anadolu Gençlik Derneği gibt sich in Deutschland betont moderat, doch die Mutterorganisation in der Türkei zeigt ihre Terrorverbindungen offen

 27.02.2026

Washington D.C.

Ex-Präsident Clinton sagt vor US-Kongress zu Epstein aus

Erst Ex-Außenministerin Hillary Clinton, nun ihr Mann, Bill Clinton: Erstmals seit mehr als 40 Jahren sagt heute ein Ex-Präsident vor dem US-Kongress aus

 27.02.2026

Ehrung

Bundesverdienstkreuz für Holocaust-Überlebende Renate Aris

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer überreicht am Dienstag mehrere Bundesverdienstkreuze. Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist die höchste deutsche Anerkennung für Menschen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen

 27.02.2026

Schmähplastik

Straßburg bestätigt deutsche Urteile: Wittenberger »Judensau« bleibt

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erklärt die Eingabe eines jüdischen Rentners für unzulässig. Die Entscheidung ist endgültig

 27.02.2026