Vereinte Nationen

Israel stimmt mit USA und Russland gegen die Ukraine

Die jüngste Notfallsitzung der UNO-Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Thema Ukraine Foto: picture alliance / Sipa USA

Israel hat bei den Vereinten Nationen erstmals seit Beginn des russischen Eroberungskrieges gegen eine UNO-Resolution gestimmt, die Moskaus Vorgehen in der Ukraine verurteilt und ein Ende der Angriffe fordert. In einer Notsitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen stimmte Jerusalem mit den USA, Russland, Nordkorea und 14 weiteren Staaten gegen eine am dritten Jahrestag des russischen Angriffs auf seinen Nachbarstaat vorgelegte Initiative, die von 53 Nationen verfasst wurde. 93 Staaten stimmten für die von Deutschland mitinitiierte Resolution.

Darin bekräftigt die UNO-Vollversammlung »die dringende Notwendigkeit, den Krieg noch in diesem Jahr zu beenden«. Ein gerechter und dauerhafter Frieden müsse erreicht werden. Zudem verlangt das Gremium eine vollständige Umsetzung seiner früheren Resolutionen und damit einen unverzüglichen Abzug aller militärischen Kräfte der Russischen Föderation aus der Ukraine.

Das Abstimmungsverhalten Israels ist in verschiedenerlei Hinsicht ein bisher einzigartiger Vorgang. Offenbar handelt es sich um einen Gefallen an den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, dessen neue Regierung den jüdischen Staat auf verschiedenen Ebenen unterstützt. Bisher hatte es die Regierung in Jerusalem vermieden, im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zu deutlich Partei zu ergreifen, da sie weder ihr Verhältnis zu Moskau gefährden, noch ihre demokratischen Prinzipien aufgeben wollte.

Ergebnis einer Abwägung

Weitere Aspekte machen das Votum Israels zu einem Ereignis, das aufhorchen lässt: Der jüdische Staat wird bei den Vereinten Nationen diskriminiert. Die Weltorganisation verabschiedet mehr Resolutionen gegen Israel als gegen jedes andere Land. Zudem spürt Israel die Folgen des Krieges in der Ukraine direkt, denn die Zahl der ukrainischen Juden, die Aliyah machten, stieg seit dem Angriff Russlands stark an.

Lesen Sie auch

Trotz allem entschied sich Jerusalem, gegen die Ukraine zu stimmen. Die Entscheidung war vermutlich das Ergebnis einer Abwägung. Die Gefahr, Trump zu verstimmen war gerade in dieser Situation zu groß und wäre weitaus folgenreicher gewesen als ein Schritt, der den ukrainischen Präsidenten Präsident Wolodymyr Selenskyj und einen großen Teil der Welt enttäuschen musste.

Seit seiner Amtsübernahme hat Donald Trump sowohl die Nahost- als auch die Ukraine-Politik seines Landes entscheidend geändert. Im Gegensatz zur Biden-Regierung unterstützt er das Vorgehen Israels gegen die Hamas ohne Einschränkung und droht den palästinensischen Terroristen regelmäßig selbst. Schwere Bomben, die Biden zurückgehalten hatte, wurden nun an Israel geliefert.

Russische Desinformation

Vor einer Woche hatte Trump die Ukraine wahrheitswidrig beschuldigt, den Krieg mit Russland begonnen zu haben. Seinen demokratisch gewählten, ukrainischen Amtskollegen Selenskyj bezeichnete der amerikanische Präsident als »Diktator«. Letzterer hatte hingegen Trump vorgehalten, von der russischen Desinformation beeinflusst zu sein.

Offenbar gibt es jedoch auch innerhalb der amerikanischen Administration Meinungsverschiedenheiten beim Thema Ukraine. Ein Anzeichen dafür: Am Montag legten die USA ihre eigene Resolution vor, in der ein herbei verhandeltes Ende des Krieges gefordert wurde, ohne dass die russische Aggression auch nur erwähnt worden wäre. Dann enthielt sich Washington bei der Abstimmung über seine eigene Initiative, die dann am Ende nicht angenommen wurde.

Karlsruhe

Mutmaßliche Unterstützer rechtsextremer Terrorgruppe angeklagt

Zwei Jugendliche stehen im Verdacht, die »Letzte Verteidigungswelle« unterstützt und einen Anschlag auf eine Asylunterkunft versucht zu haben. Die Bundesanwaltschaft will sie in Jena vor Gericht sehen

 01.09.2026

Kommentar

Intifada-Party bei der Linken

Für Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl, kommt der jüngste Antisemitismus-Skandal ihrer Partei zur Unzeit. Doch ihre Empörung wirkt unglaubwürdig

von Ralf Balke  01.09.2026

Helsinki/Genf

Finnland beendet UNRWA-Finanzierung

Die Regierung in Helsinki will die Hilfsgelder für die palästinensischen Gebiete nicht streichen, sondern künftig über Organisationen weiterleiten, die nicht von der Hamas unterwandert sind

 01.09.2026

Tino Chrupalla, Bundesvorsitzender der AfD, spricht bei dem Wahlkampfauftritt in Grimmen (Mecklenburg-Vorpommern), 28. August

Berlin/Heidelberg

Verdacht der Volksverhetzung: Dachorganisation der Sinti und Roma zeigt Tino Chrupalla an

Es geht um eine Äußerung des AfD-Chefs bei einer Wahlkampfveranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern

 01.09.2026

Madrid

Ceuta-Ansturm: Spanien erhebt Vorwürfe in Richtung Moskau und Jerusalem

Der spanische Regierungschef beschuldigt Netzwerke mit »Verbindungen zu Russland und Israel«, mit Falschmeldungen den Massenandrang auf die Nordafrika-Exklave angeheizt zu haben

 01.09.2026

New York

Met-Gala: Ausstellung mit umstrittenem Designer Galliano abgesagt

Das Event sollte eine Ausstellung zu Ehren des Designers eröffnen. Doch nach der Ankündigung hagelte es wegen des jüngsten Antisemitismus-Vorfalls Kritik

 01.09.2026

Berlin

Grünen-Politiker antisemitisch beschimpft und angegriffen

Daniel Eliasson sagt, der Täter habe versucht, ihn ins Gesicht zu boxen und ihn als »scheiß Juden« beschimpft

 01.09.2026 Aktualisiert

Berlin

Neuer Antisemitismus-Eklat setzt Linke unter Druck, Zentralrat übt scharfe Kritik

Knapp drei Wochen vor der Wahl zum Berliner Angeordnetenhaus sorgt der jüngste Skandal nun auch bei den möglichen Koalitionspartnern SPD und Grünen für Unruhe

 01.09.2026

Jerusalem

Geheimdienst: Netanjahus Sohn wegen Bedrohung aus USA zurück

Netanjahu hatte von iranischen Mordplänen gegen einen seiner Söhne gesprochen. Der Inlandsgeheimdienst bestätigt nun, Jair sei wegen einer akuten Bedrohung aus den USA nach Israel zurückgekehrt

 31.08.2026