Meinung

Israel: Identität und Staatsfernsehen

Ganz entschieden ist es noch nicht, ob das israelische Staatsfernsehen, die IBA, im März 2015 abgewickelt wird. Das ist zwar der Plan von Kommunikationsminister Gilad Erdan und Finanzminister Yair Lapid, aber es gibt noch politische Zweifel und außerdem eine starke gewerkschaftliche Gegenwehr. Die geplante Zerschlagung der IBA ist nämlich beides: eine Vernichtung von 1800 Arbeitsplätzen im Namen der »Verschlankung« eines angeblich aufgeblähten Apparats; und es ist auch der Versuch, das vermutlich bedeutendste Medium für eine eigene israelische Identität abzuwickeln.

quoten Von ihren Gegnern wird die IBA als anachronistisch beschimpft. Daher wurden zunächst Rundfunkgebühren gekürzt, und damit die Einnahmen der Anstalt. Dann wurden keine neuen Mitarbeiter mehr eingestellt. Die IBA wurde immer älter und kleiner, und die Einschaltquoten gingen zurück. Schließlich konnte der populistische Vorwurf erhoben werden: Ihr produziert ja nicht mehr fürs Volk! Seit der Ankündigung, dass die IBA abgewickelt wird, ist es noch schlimmer geworden. Warum noch Gebühren zahlen, wenn die eh in einem Jahr weg sind, fragen sich viele und zahlen schon jetzt nichts mehr.

Für Staatsgründer David Ben Gurion war noch klar, dass in Israel Staatlichkeit eine besondere Bedeutung haben muss. Sie sollte alle Differenzen ausgleichen, die es in einer derart heterogenen Einwanderungsgesellschaft wie der israelischen gab und gibt. Eine homogene Nation, so Ben Gurion, konnte nur mit den Mitteln moderner Massenmedien entstehen.

staatlichkeit In der Tat lieferte die IBA für alles, was für das israelische Selbstverständnis wichtig ist, die Bilder: sei es der Unabhängigkeitstag oder Jom Haschoa. Man sagt in Israel oft, das Fernsehen sei wie ein Lagerfeuer. Hier versammelt sich die gesamte Nation und lauscht seinen Erzählungen. Das staatliche Fernsehen ist der vielleicht letzte Ausdruck israelischer Staatlichkeit.

Im Kampf um den Erhalt der IBA muss sich erweisen, wie stark dieses israelische Selbstverständnis noch ist. Der Gewerkschaftsbund Histadrut hat in den letzten Jahren wieder an Kraft zulegen können, gerade in der Kommunikationsbranche. Auch die Histadrut – wie die IBA – wurde schon oft totgesagt und gehört doch zu Israel. Bei der drohenden Abwicklung des Staatsfernsehens geht es auch um Identität.

Der Autor ist Fernsehjournalist in Israel und moderiert die tägliche Nachrichtensendung »MeHayom LeMahar« im Kanal 1 der IBA.

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