Frankfurt/Main

IS-Terror und Flüchtlingsproblem

Mit einer Podiumsdiskussion über den islamistischen Terror und das Flüchtlingsproblem ist am Sonntagmittag der Jugendkongress des Zentralrats und der Zentralwohlfahrtsstelle (ZWST) der Juden in Deutschland zu Ende gegangen.

Mehr als 400 Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Deutschland hatten an der viertägigen Konferenz unter dem Motto »Terrorgefahr. Der islamische Fundamentalismus – Herausforderungen und Perspektiven« in Frankfurt am Main teilgenommen.

In der vom israelischen Nahostexperten Shuki de Gofer moderierten Abschlussrunde ging es unter anderem um strategische Fragen der Terrorbekämpfung, um Entwicklungen in der muslimischen Gesellschaft und um jüdische Positionen in der Flüchtlingsdebatte.

Antisemitismus Dabei betonte Zentralratspräsident Josef Schuster, dass er schon aus eigener familiärer Geschichte nachvollziehen könne, was es bedeutet, fliehen zu müssen. Andererseits sei es fraglich, welches Gedankengut – zum Beispiel Israel- und Judenfeindlichkeit – ein nicht unerheblicher Teil der arabischen Flüchtlinge im Gepäck hätte. Insofern sei es richtig, von jüdischer Seite aktiv auf muslimische Flüchtlinge zuzugehen und ihnen ein anderes Bild vom Judentum zu vermitteln, als sie es bisher kennengelernt hätten, sagte Schuster. Er unterstrich die Bedeutung der Integration, äußerte aber zugleich Bedenken, wenn diese misslingen sollte. »Ich mache mir Sorgen, inwieweit dann jüdische Gemeinden ein Ziel des Hasses sein können.«

Benjamin Fischer, Präsident der Europäischen Union Jüdischer Studenten, sagte, dass man sich in der aktuellen Situation nicht von Angst leiten lassen, weniger über den Islam und dafür mehr mit Muslimen sprechen sollte. Diese Erfahrung und dieser Austausch bringe auch der jüdischen Gemeinschaft viel.

Abdul-Ahmad Rashid, ZDF-Journalist und Islamwissenschaftler, erklärte, dass Salafismus und Dschihadismus ein Phänomen des sunnitischen Islam seien. Schiitische Jugendlichen würden sich nicht radikalisieren, zumindest nicht in Deutschland. Er habe den Eindruck, dass Flüchtlinge aus Syrien kein radikales, dafür aber ein sehr konservatives Islamverständnis mitbringen. »Die meisten wollen hier friedlich leben, sie sind froh, dass sie hier in Freiheit sind«, sagte Rashid.

Professor Eyal Zisser von der Universität Tel Aviv sagte, die muslimische Gesellschaft müsse sich in Europa mehr engagieren und sich auch selbst fragen, warum so viele junge Menschen derart radikalen Ideen anhängen.

Der israelische Brigadegeneral Itai Brun stellte klar, dass es sich bei der Auseinandersetzung mit dem islamistischen Terror nicht um einen Krieg des Westens gegen den Islam handele, sondern vielmehr um einen Kampf gegen islamistische Gruppen. Es gehe nicht darum, Ideen zu bekämpfen. Vielmehr müssten Menschen bekämpft werden, die terroristische Ideen vertreten und diese umsetzen.

Haim Tomer, israelischer Terrorismusexperte, unterstrich, dass die Strategien in Bezug auf potenzielle Terroristen und aus dem Nahen Osten zurückkehrende Kämpfer verbessert werden müssen. Er erinnerte an den ehemaligen israelischen Premier Yitzhak Rabin, von dem die Aussage überliefert ist, dass der Terror bekämpft werden müsse, als ob es keinen Friedensprozess gibt, und der Friedensprozess vorangetrieben werden solle, als ob es keinen Terror gebe. Das könne er – im übertragenen Sinne – auch heute den Europäern empfehlen.

Europa Wie aktuell das Thema des diesjährigen Jugendkongresses war, hatte der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, bereits beim Auftakt am Donnerstagabend verdeutlicht: »Der IS hat das freiheitliche Europa als eines seiner Ziele für Terrorattacken ausgemacht. Auch in Deutschland gibt es eine ernst zu nehmende Bedrohungslage«, Anschläge könnten keineswegs ausgeschlossen werden.

Nach wie vor bestehe eine erhöhte Gefahr für jüdische Einrichtungen, sagte der BKA-Chef. »Das islamistische Personenpotenzial ist groß und wächst. Der islamistische Terror richtet sich dabei aber nicht primär gegen Juden, sondern gegen die ›Ungläubigen‹ insgesamt und gegen unsere freiheitliche und moderne Lebensweise.«

programm Am Freitag und Samstag folgten Vorträge, Workshops und Diskussionen, unter anderem mit dem Terrorismusforscher Peter R. Neumann, dem ZDF-Terrorexperten Elmar Theveßen und dem »Israel Hayom«-Chefredakteur Boaz Bismuth. Zum Programm gehörten aber auch die Lesung der Esther-Rolle, eine gemeinsame Schabbatfeier und Gottesdienste sowie am Samstagabend, nach der Hawdala, die große Jugendkongress-Party.

Resümierend sagte Zentralratspräsident Josef Schuster, dass Inhalt und Programm für den diesjährigen Jugendkongress richtig gewählt waren: »Unabhängig von den aktuellen Vorkommnissen in Brüssel ist es ein Thema, das für die jüdische Gemeinschaft und gerade für junge jüdische Menschen eine Bedeutung hat – besonders in der gegenwärtigen Situation, aber auch in der Entwicklung der vergangenen Jahre.«

Lesen Sie mehr über den Jugendkongress am Donnerstag in der nächsten Printausgabe.

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