Kampagne

Immer noch nicht zu spät

Efraim Zuroff bei der Vorstellung der Plakatkampagne in München Foto: dpa

Kampagne

Immer noch nicht zu spät

Nach ersten Erfolgen fahndet das Simon Wiesenthal Center mit Plakaten nach NS-Verbrechern

 25.11.2013 13:52 Uhr

Für das Simon Wiesenthal Center gilt weiterhin: »Spät, aber nicht zu spät«. Unter diesem Motto werden in den nächsten Wochen in weiteren acht deutschen Großstädten Plakate geklebt, auf denen Menschen aufgerufen werden, Hinweise auf noch lebende und nicht verurteilte NS-Verbrecher zu geben. Diesmal geht es unter anderem um München, Stuttgart, Rostock und Leipzig.

Die Aktion hatte bereits in anderen deutschen Städten stattgefunden – »mit großem Erfolg«, wie Efraim Zuroff vom Wiesenthal Center in Jerusalem der Jüdischen Allgemeinen sagte. Bei der Präsentation der neuen Kampagne in München teilte Zuroff mit, beim letzten Mal seien 110 Hinweise auf verdächtige Personen eingegangen: 81 von ihnen lebten in Deutschland, acht in den USA und drei in Kanada.

Vorwürfe Oft seien die genannten Personen schon verstorben, doch in vier Fällen seien die Vorwürfe so konkret, dass sie der Staatsanwaltschaft übergeben worden seien. »Bei einem wurden in der Wohnung sogar Waffen gefunden«, berichtete Zuroff. Die Vorwürfe beziehen sich darauf, dass eine Person bei einem Massaker in Frankreich beteiligt gewesen sein soll, andere sollen KZ-Aufseher in Dachau beziehungsweise in Auschwitz gewesen sein.

Mit dem medialen Echo der anfangs auch in Deutschland kritisierten Kampagne zeigt sich Zuroff zufrieden. »Nur etwa zwei Dutzend Mails oder Anrufe waren negativ«, sagt er. Auch das macht ihn optimistisch, dass die zweite Plakatkampagne, die unter dem Motto »Operation Last Chance II« läuft, zu wertvollen Hinweisen auf NS-Verbrecher führen wird. Dass diese Plakate Wirkung zeigen, davon ist Zuroff überzeugt. Nicht zuletzt der Umstand, dass 70 Anfragen kamen, ob man nicht ein oder mehrere Exemplare haben könne, bestärke ihn in dieser Auffassung.

Am Wochenende hielt sich Zuroff auf dem Gemeindetag in Berlin auf. »Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit Dieter Graumann«, berichtet Zuroff. Der Präsident des Zentralrats der Juden habe ihm »volle Unterstützung« bei seiner Aktion angeboten. »Darüber sind wir sehr glücklich.« ja

Debatte

Zentralrat der Juden übt scharfe Kritik an Itamar Ben-Gvir

Israels rechtsextremer Minister Ben-Gvir wirbt unverhohlen für Tötungen im Gazastreifen. Das sorgt international für Entsetzen - auch beim jüdischen Dachverband in Deutschland

 18.08.2026

Wiesbaden

Hessen verbietet Verein Palästina e.V.

Sechs Objekte durchsucht, 35 Polizisten im Einsatz: Mit diesem Vereinsverbot geht Hessens Innenministerium gegen antisemitische Propaganda vor

 18.08.2026

Portugal

Staatsanwaltschaft soll Antisemitismus-Vorwürfe an Universität Coimbra untersuchen

Auch auf dem Campus im Coimbra wird offenbar antisemitische Propaganda verbreitet. Ein jüdischer Student soll Todesdrohungen erhalten haben

 18.08.2026

Berlin

Der Senat fördert seit Jahren Islamismus-nahes Seelsorge-Projekt

Am Projekt »Muslimisches Seelsorge Telefon« ist mit »Islamic Relief« eine Organisation beteiligt, bei der das Bundesamt für Verfassungsschutz personelle Verflechtungen zur Muslimbruderschaft sieht

von Ralf Fischer  18.08.2026

Berlin

CDU-Außenpolitiker fordert EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir

Immer wieder schockiert Israels Polizeiminister Ben-Gvir. Jetzt hat er zu mehr gezielten Tötungen in Gaza aufgerufen, nicht nur bei unmittelbarer Gefahr. Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, fordert Konsequenzen

 18.08.2026

Sachsen-Anhalt

Prominente unterstützen Kampagne gegen AfD-Alleinregierung

Mit Plakaten und einer Bustour will ein Bündnis auf die Folgen einer AfD-geführten Regierung aufmerksam machen. Welche Prominenten die Kampagne unterstützen und was geplant ist

 18.08.2026

Nahost

Trump droht Oman mit Angriff

Der Präsident wird erneut vulgär: »Wenn Oman im Weg steht, werden wir die Scheiße aus ihnen herausbomben«, erklärt er

 18.08.2026

Moskau

Russischer Oppositioneller Schlosberg zu elf Jahren Haft verurteilt

Wie begründet die russische Justiz dieses Urteil?

 18.08.2026

FU Berlin

Jüdischer Student legt Berufung ein

Lahav Shapira verlangt, dass seine Hochschule jüdische Studierende vor Diskriminierung schützen muss. Das Verwaltungsgericht Berlin hatte die Klage gegen die Freie Universität abgewiesen

von Mascha Malburg  18.08.2026