Trugschluss

Illusionen vom Frieden

Als »Zionistenfreund« beschimpft: Demonstranten erhängen vergangene Woche in Kairo symbolisch Ex-Präsident Mubarak. Foto: Reuters

Israelische Politiker und Freunde Zions werden seit Monaten ermahnt, das gegenwärtige »Zeitfenster« der arabischen Revolutionen als goldene Gelegenheit zu nutzen und endlich einen Kompromiss mit den Palästinensern zu schließen. Denn die Völker haben sich erhoben und begonnen, die alten Diktaturen hinwegzufegen.

An ihre Stelle treten gut gebildete, freiheitsliebende Menschen und Politiker. Deshalb sieht Barack Obama die Chance, den Nahostkonflikt ein für alle Mal beizulegen. Der US-Präsident befürwortet Verhandlungen ausgehend von den 67er Grenzen. Würde Netanjahu auf diese Offerte eingehen, hätten Israelis und Palästinenser endlich den ersehnten Frieden, so Obama.

Doch bedauerlicherweise lässt sich dieser Plan vorerst nicht in die Tat umsetzen. Denn Israels Regierung verweigert sich und lädt so Schuld auf sich und den jüdischen Staat. So zumindest verkündet es das Gros der Zeitungskommentare und gibt damit auch die Meinung der meisten demokratischen Staaten wieder.

Ost-Jerusalem Warum lehnt Jerusalem die Offerte aus Washington ab? Außenminister Avigdor Lieberman sowie nationalistische und religiöse Parteien sind zwar strikt gegen einen Rückzug aus dem Westjordanland und Ost-Jerusalem. Premier Netanjahu verkündete jedoch in einer Rede an der Bar-Ilan-Universität seine Bereitschaft, einen palästinensischen Staat zu akzeptieren.

In der Knesset und der israelischen Bevölkerung gibt es dafür eine Mehrheit. Weshalb schließen der Likud und die
oppositionelle Kadima-Partei unter Zipi Livni nicht eine Friedenskoalition und gehen auf den Vorschlag Obamas ein? Weil dieser nicht auf realen Grundlagen beruht – und seine Umsetzung der An-fang vom Ende Israels wäre. Und weil es auf arabischer Seite bisher keine Partner gibt, die ein realistisches Arrangement zwischen Israelis und Palästinensern verwirklichen wollen oder können.

Keine Frage: Die Erhebung der arabischen Massen für Freiheit ist zu begrüßen. Doch bislang haben die Revolutionäre sich nirgendwo durchsetzen können. In Ägypten gingen Millionen auf die Straße. Doch keineswegs für den Frieden. Mubarak, der eine unterkühlte, pragmatische Beziehung mit Israel pflegte, wurde als Helfer der Zionisten beschimpft. Wer immer sich bei den Wahlen in Ägypten durchsetzen wird – ein Ausgleich mit dem jüdischen Staat steht nicht auf seiner Prioritätenliste. Die Muslimbrüder, die am besten organisierte politische und soziale Kraft Ägyptens, sind vehemente Gegner Israels. Deren Ableger, die im Gazastreifen herrschende Hamas, will das »zionistische Gebilde« vernichten.

Syrien Israel wurde empfohlen, einen Ausgleich mit Syriens Diktator Assad zu suchen, nach der Formel: Rückzug vom Golan gegen Frieden. Jerusalem war prinzipiell dazu auch bereit. Doch Damaskus forderte als Vorbedingung die Rückgabe des besetzten Gebirgszuges – danach würde man weitersehen. Heute kämpft Assad um sein politisches Überleben.

Als Friedenspartner bleibt Israel lediglich Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas. Doch die Herrschaft von dessen PLO-Apparat reicht nicht weiter als bis an die Stadtgrenzen von Ramallah. Und Abbas fordert das Rückkehrrecht aller Flüchtlinge, auch nach Israel. Damit würde Yassir Arafats Traum wahr: Zion würde im Kreißsaal besiegt werden. Der Staat verlöre seinen jüdischen Charakter.

Hinzu kommt die Frage: Wie soll die Demilitarisierung Palästinas im Westjordanland gesichert werden? Durch UN-Truppen wie im Südlibanon, wo mittlerweile 40.000 Raketen der Hisbollah einsatzbereit sind? Israels einziger internationaler Flughafen und der Ballungsraum Tel Aviv würden in Reichweite von Kurzstreckengeschossen geraten.

Sicherlich, Israel ist nicht zu ewigem Krieg verurteilt. Selbst Frankreich und Deutschland fanden nach Jahrhunderten Feindschaft zum Frieden. Der jüdische Staat wird auf arabische Gebiete gegen reale Garantien verzichten müssen. Dazu ist Netanjahu bereit.

Die Palästinenser wiederum müssen unrealistische Forderungen wie das Rückkehrrecht der Flüchtlinge fallen lassen und den jüdischen Charakter Israels anerkennen. Auf dieser Basis hat ein Frieden zwischen den Parteien Chancen. Wirklichkeitsfremde Pläne aus Washington wecken lediglich wahnhafte Begehrlichkeiten.

Der Autor ist Historiker und Schriftsteller. Zuletzt erschien seine Autobiografie »Deutschland wird dir gefallen« (Aufbau).

Sachsen-Anhalt

Mehrere Siegmund-Vertraute haben Nazi-Vergangenheit und damit kein Problem

Nach Berichten von »Welt« und »Spiegel« waren mehrere enge Vertraute von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in der 2009 verbotenen Neonazi-Organisation »Heimattreuer Deutsche Jugend« (HDJ) aktiv. Nach der Wahl könnten sie Minister werden

 27.08.2026

»Artgemeinschaft«

Durchsuchungen bei Unterstützern von rechtsextremem Verein

Bei den Razzien in fünf Bundesländern wurden auch Wohnungen von zwei AfD-Kandidaten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt durchsucht

 27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026

Magdeburg

AfD legt weiter zu

In einer neuen Wahlumfrage von Infratest dimap steht die Rechtsaußenpartei in Sachsen-Anhalt bei 42 Prozent

 27.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  27.08.2026

Nahost

Sechs Monate Iran-Krieg: Eskalation oder Frieden?

Bombardierungen, Sanktionen, Verhandlungen: Ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn zeichnet sich zwischen den USA und dem Iran kein Frieden ab. Wo der Konflikt heute steht - und wie es weitergehen könnte

von Arne Bänsch, Jan Christoph Freybott  27.08.2026

Gesetzesinitiative

Bundesregierung distanziert sich von Hessens Vorstoß, Israel-Leugnung zu kriminalisieren

Vielleicht gut gemeint, aber nicht gut gemacht - so blickt die Bundesregierung auf einen Bundesratsvorschlag zur Strafbarkeit der Leugnung des Existenzrechts Israels. Aus Hessen kommt Widerspruch

 27.08.2026

Nahost

Weiterer Tanker in der Straße von Hormus angegriffen

Der Iran blockiert den Schiffsverkehr durch die für den globalen Ölhandel wichtige Meerenge immer noch weitestgehend. Erneut wird ein Tanker zum Ziel eines Angriffs

 27.08.2026

Das 9/11 Memorial, das an die rund 3000 Opfer der Terroranschläge am 11. 09. 2001 auf das World Trade Center erinnert

Terrorismus

Prozess gegen 9/11-Drahtzieher für 2028 geplant

Der Prozess gegen Khalid Scheich Mohammed, den mutmaßlichen Chefplaner der Anschläge vom 11. September, soll 2028 in Guantánamo beginnen – fast 27 Jahre nach der Tat

 27.08.2026