Interview

»Ich hätte einen öffentlichen Aufschrei erwartet!«

Frau Knobloch, auf die Synagoge in Worms, eines der ältesten Zentren des Judentums in Deutschland, ist ein Brandanschlag verübt worden. Ein Angriff mit Symbolgehalt?
Selbstverständlich hat dieser Anschlag einen hohen Symbolgehalt. Schließlich ist die ursprüngliche Synagoge in Worms in der Reichspogromnacht von den Nazis niedergebrannt und zerstört worden. Die Tat in Worms kann also nur eines bedeuten: Wehret den Anfängen!

Von dem Anschlag hat die Öffentlichkeit anscheinend kaum Notiz genommen. Beunruhigt Sie das?
Ich hätte einen öffentlichen Aufschrei erwartet. Auch wenn Politiker wie der Ministerpräsident Kurt Beck die Tat scharf verurteilt haben, war der Anschlag eine Randnotiz in der öffentlichen Debatte.

Jetzt werden die Sicherheitsmaßnahmen für jüdische Einrichtungen in Rheinland-Pfalz verstärkt. Zu spät?
Es ist kein Geheimnis, dass jüdische Einrichtungen von Extremisten bedroht werden. Deshalb ist es unverständlich, dass die bestehenden Schutzvorkehrungen – wenn überhaupt … bei Weitem nicht ausreichend waren.

Im Bekennerschreiben wird der Anschlag mit dem Schicksal der Palästinenser begründet. Wird der Nahostkonflikt jetzt auch auf deutschem Boden ausgetragen?
Die Authentizität des Bekennerschreibens wird noch überprüft. Sollte sich dieser Verdacht erhärten, wäre das alarmierend. Bereits während des Gaza-Konflikts hat sich der Hass auf alles Jüdische hier in Deutschland übermäßig geäußert. Diesem neuen Antisemitismus unter dem Deckmantel der Israelkritik gilt es, entschlossen entgegenzutreten.

Das Gespräch führte Christian Böhme.

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