Debatte

Holocaust-Überlebender will Verdienstkreuz zurückgeben

Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg will sein Bundesverdienstkreuz zurückgeben, nachdem die Union mit Stimmen der AfD einen Bundestagsantrag zur Migrationspolitik durchgebracht hat. Der Mannheimer Fotograf Luigi Toscano, der sich wie Weinberg für ein NS-Gedenken engagiert, möchte es ihm gleichtun. Er habe den Plan gemeinsam mit seinem Freund Weinberg, der aus Leer in Ostfriesland kommt vereinbart, sagte Toscano. 

Er werde die ihm 2021 verliehene Ehrung zusammen mit Weinberg zeitnah in Berlin an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zurückgeben. »Entweder empfängt uns der Bundespräsident oder wir werfen es bei ihm in den Briefkasten«, sagte er. Er sei erschüttert, empört und aufgewühlt über das, was am Mittwoch im Bundestag geschehen sei. »Ich bin um meine demokratischen Werte verraten worden«, sagte Toscano der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet. 

Die Union hatte am Mittwoch ihren Fünf-Punkte-Plan für eine schärfere Migrationspolitik knapp mit Stimmen von AfD, FDP und Fraktionslosen durch den Bundestag gebracht. Erstmals beschaffte die AfD dabei im Plenum eine Mehrheit. Am Freitag stimmt das Parlament über einen Gesetzentwurf der Union zur Eindämmung der Migration ab. Neben der AfD signalisierten bereits FDP und BSW ihre Zustimmung.

Rückgabe ein spontaner Entschluss

Auch Weinberg ist schockiert über das Abstimmungsergebnis im Bundestag. Es sei eine spontane Entscheidung gewesen, das Bundesverdienstkreuz, das eine hohe Ehre für ihn sei, zurückzugeben. Er wolle das Gleiche tun wie sein Freund Toscano. »Es ist zu schwer geworden, es zu tragen, wenn man solche Nachrichten hat. Furchtbar«, sagte der 99-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Weinberg überlebte die drei Konzentrationslager Auschwitz, Mittelbau-Dora im Harz, Bergen-Belsen bei Celle und mehrere Todesmärsche. Seine jüdische Familie wurde von den Nazis fast vollständig ermordet. 2012 kehrte er zusammen mit seiner Schwester aus den USA zurück in seine ostfriesische Heimat. Seitdem geht er in Schulen und berichtet Schülerinnen und Schülern von seinen Erinnerungen. 

Das will er auch weiter tun. »Ich gehe in den letzten zehn Jahren in Schulen und spreche zu Schülern, was sein kann und was würde sein, wenn die die Macht wieder übernehmen«, sagte Weinberg mit Blick auf die AfD. »Die haben ja keine Ahnung, wie das ausgesehen hat ’45 Deutschland.« Er hoffe, dass die Menschen zur Vernunft kommen. »Politik ist ein komisches Geschäft.«

Toscano erwartet Einsatz für Demokratie

Toscano, Fotograf und Filmemacher, macht mit dem Erinnerungsprojekt »Gegen das Vergessen« die Schicksale der Überlebenden öffentlich und verschafft den letzten Zeitzeugen der NS-Verbrechen Aufmerksamkeit. 

Lesen Sie auch

»Die Probleme, die wir haben mit der Migration, wir wissen, dass sie da sind, aber die dürfen wir nicht mit den Steigbügelhaltern der Rechten lösen«, sagte er weiter. Er erwarte von Demokraten eigentlich hundertprozentigen Einsatz für die Demokratie. Was gestern passiert sei, habe damit nichts mehr zu tun. »Die Symbolik und die Gefahren, die daraus resultieren, sind verheerend.« dpa

Teheran

Bericht: Revolutionsgarden bestimmen Irans Kurs nach Tod Chameneis

Modschtaba Chamenei spielt offenbar bislang eher eine moderierende als eine dominierende Rolle

 24.04.2026

Berlin

Rücktritt? Kultursenatorin kündigt Statement an

Senatorin Wedl-Wilson steht wegen der Vergabe von Millionen-Fördermitteln erheblich unter Druck. Nun hat sie ein Statement angekündigt. Es dürfte nach dpa-Informationen um einen Rücktritt gehen

 24.04.2026

Washington D.C.

Trump kündigt Verlängerung der Waffenruhe zwischen Israel und Libanon an

Der Präsident sagt auch, die Vereinigten Staaten wollten mit Beirut zusammenarbeiten, damit sich das Land besser gegen die Hisbollah schützen könne

 24.04.2026

Straße von Hormus

US-Marine soll jeden Minenleger versenken

Der amerikanische Präsident Donald Trump verschärft seinen Kurs gegen den Iran

 23.04.2026

Berlin

Bundesregierung sieht Chance bei Verhandlungen zwischen USA und Iran

Kehren die Washington und Teheran zurück an den Verhandlungstisch? Die Bundesregierung sieht in Verhandlungen eine Chance für den Frieden

 23.04.2026

Parteien

Streit um Israel: Linke auf der Sandbank?

Die Linke ringt weiter über ihre Haltung zu Israel und zum Nahostkonflikt. Der Parteivorstand will mit einem Leitantrag für den Parteitag in Postdam im Juni den Streit befrieden. Doch auch eine Personalie sorgt für Diskussionen

von Michael Thaidigsmann  23.04.2026

Zukünftige Führung

Schah-Sohn Reza Pahlavi wirbt in Berlin für härteren Kurs gegen Mullahs

Reza Pahlavi sieht keine Reformer in der iranischen Führung und wirbt für einen politischen Wandel. Vor seinem Auftritt wurde er mit Tomaten beworfen

 23.04.2026 Aktualisiert

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« kooperiert mit katholischer »Tagespost«

Ein Zeichen gegen Antisemitismus: »Die Tagespost« legt ihren Abonnenten die »Jüdische Allgemeine« kostenlos bei. Hinter der Aktion steckt unter anderem ein rundes Jubiläum

von Hannah Krewer  23.04.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon warnt: Räumung von Minen in Straße von Hormus könnte ein halbes Jahr dauern

Der Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus wird darüber informiert, dass Teheran mindestens 20 Minen in und um der wichtigen Meerenge platziert haben soll

 23.04.2026