Bundestag

Holocaust-Überlebende: Es begann mit Schweigen und Wegschauen

Eva Szepesi im Bundestag Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Die Holocaust-Überlebende Eva Szepesi hat die deutsche Gesellschaft eindringlich dazu aufgefordert, Hass und Vorurteile gegenüber Gruppen von Menschen nicht gleichgültig hinzunehmen. »Die Schoah begann nicht mit Auschwitz. Sie begann mit Worten und sie begann mit dem Schweigen und dem Wegschauen der Gesellschaft«, sagte Szepesi, die das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau überlebte, am Mittwoch in der Gedenkstunde des Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus.

Szepesi sagte, es schmerze sie, dass Juden auch heute deswegen angegriffen werden, weil sie Juden sind. Die 91-Jährige, die erst 50 Jahre nach ihrer Befreiung begonnen hatte, über ihre Erfahrungen zu sprechen, bezeichnete die Angriffe der Hamas auf Israel am 7. Oktober des vergangenen Jahres als »Tag, der für uns Juden alles veränderte«.

Auch ihr Alltag in Deutschland sei seitdem geprägt von erhöhten Sicherheitsmaßnahmen, antisemitischen Vorfällen und Ängsten. Lesungen von ihr seien abgesagt worden, weil die Veranstalter für ihre Sicherheit nicht hätten garantieren können. Szepesi beklagte in dem Zusammenhang ein »lautes Schweigen der Mitte der Gesellschaft« und »Gespräche, die mit ‚Ja, aber‘ beginnen«.

Menschenfeindliche Aussagen

Sie wünsche sich, dass nicht nur an Gedenktagen und nicht nur an die ermordeten Opfer des Holocaust erinnert werde, sondern auch an die Überlebenden. »Sie brauchen jetzt Schutz«, sagte Szepesi. Es erschrecke sie, wenn rechtsextreme Parteien wieder gewählt würden.

Sie fühle sich »noch« beschützt durch die Demokratie in Deutschland, sagte sie und forderte dazu auf, nicht nur gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren, sondern auch im Alltag menschenfeindlichen Aussagen zu widersprechen.

Szepesi stammt aus einer jüdischen Familie. Sie wurde 1932 in Budapest geboren. 1944 deportierten sie die Nationalsozialisten in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Sie erlebte die Befreiung des Lagers am 27. Januar 1945 durch die sowjetische Armee und überlebte als eines der wenigen Kinder die Verbrechen der Nazis. Erst 1995 sprach sie erstmals über die Schrecken dieser Zeit. epd

Bonn

Bundeszentrale für politische Bildung streicht Studienreisen nach Israel

 04.08.2026

Berlin

Nach antisemitischer Beschimpfung: Polizeilicher Staatsschutz ermittelt

Nach Beleidigungen gegenüber Gästen und Beschäftigten des jüdischen Kulturschiffs MS Goldberg auf dem Berliner Wannsee hat die Polizei Ermittlungen wegen Volksverhetzung aufgenommen

 04.08.2026

Kommentar

Politische Pünktchensammler

Ewig bewegte Palästina-Aktivisten wie Javier Bardem und israelische Politiker nutzen den Massenansturm auf Ceuta für politisch unwürdige Spielchen

von Nils Kottmann  04.08.2026

Justiz

Israel-Kritik mit Swastika und Davidstern? Könnte durchgehen

Für das Pfälzische Oberlandesgericht ist Schmähkritik an Israel samt Verwendung von Hakenkreuzen und Holocaustvergleichen nur dann strafbar, wenn die Gegnerschaft zur NS-Ideologie nicht offensichtlich ist. Vielen geht das Urteil zu weit

von Michael Thaidigsmann  04.08.2026

Spanien

Hakenkreuz auf Maimonides-Statue in Córdoba geschmiert

Der Bürgermeister der Stadt verurteilte den Vorfall scharf und sprach von einem Hasssymbol mit einer besonders schwerwiegenden Botschaft

 04.08.2026

Magdeburg

Dieter Hallervorden, Sven Schulze und der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt

Die Christdemokraten setzen bei ihrem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt auf Unterstützung des anti-israelischen Komikers Dieter Hallervorden

 04.08.2026

Berlin

Mehr als 1000 Juristen sprechen sich für AfD-Verbotsverfahren aus

Die Experten haben einen offenen Brief an die Bundesregierung und die Bundestagsabgeordneten unterzeichnet

 04.08.2026

Potsdam

Ex-Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye ist tot

Der Journalist und Autor prägte als Gründer von »Gesicht Zeigen!« den Kampf gegen Rechtsextremismus. Nun ist seine Stimme verstummt

 04.08.2026

Dessau-Roßlau

Schulze: Ich habe eine andere Meinung zum Thema Völkermord

Auftritte des Kabarettisten Dieter Hallervorden bei CDU-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt hatten bei den Christdemokraten teils für große Irritationen gesorgt. Der Spitzenkandidat verteidigt das Format

 04.08.2026 Aktualisiert