Meinung

Hitlergruß, Bushido und die Kunstfreiheit

Anmerkung der Redaktion (2. August 2023):

Als dieser Text von Fabian Wolff in der Jüdischen Allgemeinen erschien, glaubte die Redaktion Wolffs Auskunft, er sei Jude. Inzwischen hat sich Wolffs Behauptung als unwahr herausgestellt.

Wenn es in Deutschland eine Debatte gibt, bei der jemand »die Freiheit« bedroht sieht, dann geht es meist nicht um die Verteidigung der Freiheit, sondern um die der Ignoranz. Bei Jonathan Meese verhakelt sich beides, Freiheit und Ignoranz, wunderschön. Der Künstler zeigt nämlich bei Aktionen oft den Hitlergruß, um den Diktator »zu entdämonisieren«.

Das ist ziemlich bescheuert, aber doch von der Kunstfreiheit gedeckt – sollte man meinen. Meeses Spinnertum ist offenkundig. Eine politische Gefahr geht von ihm aber nicht aus. Dennoch wurde er angezeigt, der Fall wird beim Amtsgericht Kassel verhandelt. Man möchte sich ungern auf Meeses Seite stellen, trotzdem ist zu wünschen, dass er freigesprochen wird – und sich mit seiner angekündigten Verteidigungsrede nicht noch tiefer in den Sumpf labert.

Twitter Mit Kunstfreiheit hat der neue Skandal um Bushido nichts zu tun. Rückblende: Integrations-Bambi, Praktikum im Bundestag, ein geplantes Anti-Sarrazin-Buch. Dann bekannte sich Bushido auf Twitter zu einem Palästina ohne Israel. Später enthüllte der »Stern« seine enge Verbindung zum Abou-Chaker-Clan in Berlin (von denen drei Mitglieder, man kann es nicht oft genug sagen, Nasser, Rommel und Arafat heißen).

Bushido reagierte auf die jüngsten Vorwürfe mit Unterlassungserklärungen und Androhung von Schlägen. In seinem neuen Video kündigt Bushido, jetzt mit Bart, an, seine Gegner »in den Arsch zu ficken wie Wowereit«, fordert, dass der FDP-Politiker Serkan Tören »ins Gras beißt«, nachdem »die Schwuchtel gefoltert wird«, und will in Claudia Roth »Löcher schießen wie in einen Golfplatz«. YouTube ließ das Video sperren, gegen Bushido wurden Anzeigen erstattet.

Freak Hier geht es natürlich nicht mehr um Kunstfreiheit, sondern um Persönlichkeitsrechte. Meese ist ein harmloser Freak, der mal irgendwas nicht verstanden hat. Bushido hat nur dummen Hass. Meese soll meinetwegen bei Performances den Hitlergruß zeigen, bloß nicht die ganze Welt zu seiner Bühne machen.

Bushido hingegen ist Latrinendienst im Altenheim für Berliner Rapper ohne Talent zu wünschen, nachdem sein Geld an den Lesben- und Schwulenverband Deutschland gegangen ist. Bis es so weit ist, darf man jedoch beide nicht ignorieren. Wer beachtet wird, muss beachtet werden: Das ist die Dialektik im Supermarkt der Aufmerksamkeitsökonomie.

Der Autor ist freier Journalist in Berlin.

Terror

Argentinien schreibt Irans Innenminister zur Fahndung aus

Er war offenbar 1994 an dem Bombenanschlag 1994 auf das jüdische Gemeindezentrum Amia beteiligt

 25.04.2024

Oranienburg

Mehr antisemitische Vorfälle in Gedenkstätte Sachsenhausen

»Geschichtsrevisionistische Tabubrüche und Grenzverschiebungen von rechts« werden registriert

 25.04.2024

Wien

Spätwerk von Gustav Klimt für 30 Millionen Euro versteigert

Der Künstler malte das »Bildnis Fräulein Lieser« kurz vor seinem Tod

 25.04.2024

Berlin

Ausstellung im Haus der Wannsee-Konferenz beschädigt

Kuratorin: «Auffällig, dass ausgerechnet Plakate zum israelbezogenen Antisemitismus beschädigt wurden«

 24.04.2024

Kommentar

AfD in Talkshows: So jedenfalls nicht!

Die jüngsten Auftritte von AfD-Spitzenpolitikern in bekannten Talk-Formaten zeigen: Deutsche Medien haben im Umgang mit der Rechtsaußen-Partei noch viel zu lernen. Tiefpunkt war das Interview mit Maximilian Krah bei »Jung & Naiv«

von Joshua Schultheis  24.04.2024

Umfrage

Studie: Für die meisten muslimischen Schüler ist der Koran wichtiger als deutsche Gesetze

Fast die Hälfte der Befragten will einen islamischen Gottesstaat

 22.04.2024

Vereinte Nationen

»Whitewash«: UNRWA-Prüfbericht vorgelegt

Eine Untersuchung sollte die schweren Vorwürfe gegen das UN-Hilfswerk aufklären - vorab sickerten erste Details durch

von Michael Thaidigsmann  22.04.2024

Berlin

Ausstellung will Leben in Geiselhaft simulieren

In der Fasanenstraße werden in einem Container die Bedingungen der Geiseln in Gaza simuliert

von Pascal Beck  22.04.2024

Rechtsextremismus

»Höckes Sprachgebrauch ist ein klarer Angriff - und erfolgreich«

Der Soziologe Andreas Kemper zu Strategien des AfD-Politikers

von Nils Sandrisser  22.04.2024