Meinung

Hildesheim und das immer gleiche Spiel

Es ist immer das gleiche Spiel, und die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim beherrscht es. Als die HAWK mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, dass eine Dozentin unter dem Deckmantel der Wissenschaft antisemitisches Seminarmaterial anbietet, nämlich zur Ausbildung von Sozialarbeitern, reagierte die Hochschulleitung mit der Behauptung: Das sei Freiheit der Wissenschaft und diene der kritischen Ausbildung von Studenten.

palästina-konflikt Einem wissenschaftlichen Gutachten, das den Nachweis des Antisemitismus liefert, wurde tendenziöse Expertise attestiert. Weil es von einer Stiftung, Amadeu Antonio in Berlin, erstellt wurde, deren Nähe zum Judentum bekannt ist? Als auch die Jüdische Allgemeine darüber berichtet und sich der Zentralrat der Juden mit Kritik zu Wort meldet, glaubt HAWK-Präsidentin Christiane Dienel, dass jetzt versucht werde, ihre Hochschule zum »Austragungsort des Palästina-Konflikts« zu machen.

Dienel steigert sich noch: Ihre HAWK solle mit »moralischem Druck und dem völlig unberechtigten Vorwurf des Antisemitismus« dazu gezwungen werden, »den Kritikern nicht genehme Inhalte an unserer Hochschule« zu verbannen. Offensichtlich kann oder will Frau Dienel die Kritik nicht verstehen, dass und welcher Judenhass unter ihrem Dach propagiert wurde. Die HAWK habe doch »vielfältige und herzliche Austauschbeziehungen zu israelischen Hochschulen, Kolleginnen und Kollegen«, sagt sie.

jüdische freunde Es ist immer das gleiche Spiel: Wer jüdische Freunde hat, kann doch nicht antisemitisch sein. Wer seinen Kindern jüdische Namen gibt, kann doch nichts gegen Juden haben. Wer schon einmal am Strand von Tel Aviv war, kann doch nichts gegen Israel haben. Das kennen wir alles. Die HAWK-Präsidentin schafft es aber, dies noch zu toppen. Dass nämlich ihre Hochschule künftig das in die Kritik geratene Seminar »Zur sozialen Lage der Jugendlichen in Palästina« nicht mehr anbietet, verkauft sie mit dem Sound vom angeblichen jüdischen Einfluss: Mit dem Rückzug reagiere die Hochschule »auf die Tatsache, dass für die Lehrenden und Studierenden kein sicheres und vertrauensvolles Lehrumfeld gewährleistet werden kann«.

Es ist eine besonders unangenehme Form des ewig alten Spiels, die Frau Professor Dienel aufführt. Mit wissenschaftlicher Integrität, die sie ausstrahlen soll, hat das nichts zu tun. Um das alte Spiel zu beenden, sollte die Präsidentin zurücktreten.

Der Autor ist freier Journalist.

Diether Dehm

Nach Auftritt mit Höcke

Strafbefehl gegen Diether Dehm wegen SA-Parole

Björn Höcke wurde wegen der Verwendung der Parole »Alles für Deutschland« bereits rechtskräftig verurteilt. In einem Interview mit dem AfD-Mann wiederholte der frühere Linken-Politiker Diether Dehm diese Worte und soll dafür nun 9000 Euro zahlen

 20.10.2026

Reaktionen

Ein Hausmeister für die Mullahs

Die Bundesregierung habe zu lasch auf die iranischen Mordkomplotte in Deutschland reagiert, finden jüdische und pro-israelische Organisationen. Sie fordern tiefgreifende Konsequenzen

von Stefan Laurin  20.10.2026

Würzburg

Zentralratspräsident Josef Schuster kandidiert erneut

Der Würzburger Internist will auf der Ratsversammlung des Zentralrats der Juden am 29. November für weitere vier Jahre antreten

 20.10.2026 Aktualisiert

Vereinte Nationen

Wer finanziert die Arbeit der UN-Berichterstatter?

Die Genfer NGO UN Watch hat einen Bericht vorgelegt, der die Zuwendungen an rund 140 unabhängige Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen unter die Lupe nimmt. Auf Platz 3 der Liste: Francesca Albanese

von Michael Thaidigsmann  20.10.2026

Israel

»So wollte ich nicht sterben«

Der indische Kapitän des »Fly Dubai«-Fluges schildert erstmals ausführlich, was genau sich an Bord abspielte

 20.10.2026

Washington D.C.

Vance gibt keine Wahlempfehlung für Netanjahu ab

Im Gegensatz zu seinem Chef Donald Trump sieht der amerikanische Vizepräsident von einer Unterstützung des israelischen Ministerpräsidenten ab. Warum?

 20.10.2026

Nach Spionage-Urteil

Deutscher Botschafter im Iran einbestellt

Dem Diplomaten solle der starke Protest des Iran übermittelt werden, heißt es. Kurz zuvor hatte das Auswärtige Amt den iranischen Botschafter einbestellt

 20.10.2026

Gießen

Staatsanwaltschaft klagt AfD-Politiker wegen NS-Parole an

Bei seiner Bewerbungsrede für den Vorstand der AfD-Jugendorganisation soll Kevin Dorow eine Parole der Hitlerjugend verwendet haben. Nun muss ein Gericht über die Anklage entscheiden

 20.10.2026

Luftwaffenstützpunkt Ovda

Hegseth trifft Netanjahu bei unangekündigtem Israel-Besuch

Wenige Tage vor der israelischen Wahl ging es bei dem Geheimtreffen wohl um das weitere Vorgehen gegen das Mullah-Regime in Teheran

 20.10.2026