Terror in Berlin

»Glücklich, noch am Leben zu sein«

Ashley Sweke über den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt, den sie als Augenzeugin erlebte

von Ayala Goldmann  19.12.2016 18:45 Uhr

Ashley Sweke Foto: privat

Ashley Sweke über den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt, den sie als Augenzeugin erlebte

von Ayala Goldmann  19.12.2016 18:45 Uhr

Frau Sweke, Sie waren am Montagabend auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz und sind Zeugin des Terroranschlags geworden. Können Sie uns schildern, was Sie erlebt haben?
Wir haben Glühwein getrunken, es war eine wunderbare Stimmung. Eigentlich wollten wir schon gehen, aber dann haben wir uns anders entschieden. Wir haben an einem Grillstand etwas bestellt und auf das Essen gewartet. Es war acht Uhr abends, und der Markt war sehr voll, mit Touristen und mit Berlinern. Dann haben wir diesen Lärm gehört und einen riesigen Lastwagen gesehen, der auf uns zukam. Mir war klar, was jetzt passieren würde. Ich habe wirklich geglaubt, dass ich in diesem Moment sterben würde.

Wie haben Sie reagiert?
Ich habe mich zusammen mit meinem Mann in eine Bude geflüchtet. Wir hatten unglaubliches Glück. Es war die letzte Bude auf der linken Seite, die nicht getroffen wurde. Der Lastwagen kam zum Stehen und stoppte auf der rechten Seite.

Wie fühlen Sie sich jetzt?
Das Trauma ist sehr real. Mein ganzer Körper fühlt den Schock, ich zittere immer noch. Ich bin so glücklich, noch am Leben zu sein.

Was war Anlass für Ihren Berlinbesuch?

Ich habe mit meinem Mann Desmond, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Bet David in Johannesburg, und mit dem Lewandowski Chorale Johannesburg das Louis-Lewandowski-Chorfestival besucht. Es war eine wundervolle Erfahrung für unseren Chor, und dass der Besuch jetzt so endete, hat nichts mit Berlin zu tun. Dieser Anschlag hätte überall in Europa passieren können.

US-Geheimdienste haben vor dem Besuch von Weihnachtsmärkten gewarnt. War Ihnen die Terrorgefahr bewusst?
Ja, ich habe schon im November gehört, dass Berlin ein Risiko sein soll. Mir war aber nicht klar, dass es speziell um Weihnachtsmärkte ging. Ich habe vor unserer Abreise nach Berlin sogar mit meinen Söhnen darüber gesprochen, dass uns etwas passieren könnte. Als wir auf dem Markt waren, habe ich gar nicht mehr daran gedacht. Aber als ich den Lastwagen sah, wusste ich sofort, was los war.

Was passierte danach?
Ich hatte das Gefühl, dass alles sehr gut funktioniert hat und die Rettung der Verletzten schnell anlief. Vielleicht war man auf so etwas vorbereitet. Was mich aber wütend macht: Deutschland war so entgegenkommend zu den Flüchtlingen aus dem Nahen Osten, und jetzt dieser Anschlag. Ich persönlich finde es gut, wie man hier Flüchtlingen hilft, aber ich kann auch verstehen, wenn Leute dagegen sind. Dieser Terroranschlag muss sehr sorgfältig vorbereitet worden sein. Ich glaube, dass die Sicherheitsbemühungen jetzt verstärkt werden müssen, denn Deutschland darf nicht das Risiko eingehen, dass sich ein solcher Anschlag wiederholt. Zwölf Tote sind zwölf Opfer zu viele. Aber es hätten auch 80 oder 100 Menschen sterben können.

Mit der Managerin des Lewandowski Chorale Johannesburg sprach Ayala Goldmann.

Debatte

Projekt zu Muezzinruf in Köln steht weiter in der Kritik

Ein Modellprojekt zum Muezzinruf in Köln stößt weiter auf Ablehnung. Kritiker sprechen von einer unzulässigen Bevorzugung einer Minderheit. Der islamische Gebetsruf beinhalte problematische Botschaften - und werde von vielen Muslimen nicht als notwendig erachtet

von Anita Hirschbeck  15.10.2021

Vereinte Nationen

USA zurück im UN-Menschenrechtsrat

Trotz der überwiegend gegen Israel gerichteten Hetze des UN-Gremiums will sich Washington dort wieder engagieren

 15.10.2021

»Wiedergutmachung«

428.000 Juden erhielten bislang Entschädigung vom Bund

Deutschland hat seit 1992 rund 1,1 Milliarden Euro für Härtefallzahlungen aufgewendet

 15.10.2021

Sachsen-Anhalt

AfD scheitert bei Wahl zum Landtagsvizepräsident

Die Fraktion ist zwei Mal damit gescheitert, einen Vizepräsidenten-Posten im Landtag zu besetzen

 15.10.2021

Internet

Studie: Antisemitismus auf allen Social-Media-Plattformen weit verbreitet

Junge Menschen kommen früh über Netzwerke wie Tiktok und Instagram in Kontakt mit Verschwörungsideologien und Antisemitismus

 14.10.2021

Einspruch

Update für die Freundschaft

Konstantin von Notz fordert, die Pläne für ein Deutsch-Israelisches Jugendwerk endlich entschlossen umzusetzen

von Konstantin von Notz  14.10.2021

Israelhass

Vor Gericht gescheitert

Warum die Klage der Boykott-Bewegung abgewiesen wurde

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  14.10.2021

Washington

»Wir müssen die Welt vor dem Bösen schützen«

Israel wählt im Atomstreit mit Iran deutliche Worte

 14.10.2021 Aktualisiert

Sachsen-Anhalt

AfD nimmt dritten Anlauf für Landtagsvizepräsident-Posten

Zentralrat der Juden erinnert CDU an Unvereinbarkeitsbeschluss

 14.10.2021