Brandenburg

Gefahren durch Rechtsextremismus deutlich zugenommen

Foto: imago

Die Gefahren durch den Rechtsextremismus haben in Brandenburg laut Verfassungsschutz weiter deutlich zugenommen. Bei der Zahl der zum rechtsextremen Spektrum gehörenden Personen sei ein historischer Höchststand erfasst worden, sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU) am Montag in Potsdam bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts 2019. Die Entwicklungen seien besorgniserregend. Auch die »Entgrenzung« durch das Internet spiele dabei eine Rolle.

Die Zahlen seien im sechsten Jahr in Folge gestiegen und hätten den höchsten Stand in der Geschichte des Bundeslandes erreicht, sagte Verfassungsschutzchef Jörg Müller. Vom Rechtsextremismus gehe die »mit Abstand« größte Gefahr für die Demokratie und die Menschen aus.

verdachtsfälle Inzwischen würden 2765 Personen in Brandenburg der rechtsextremen Szene zugerechnet, hieß es. Das seien 1090 mehr als im Vorjahr. Ein Höchststand wäre auch ohne Berücksichtigung der Anhänger von »Flügel« und »Junger Alternative« der AfD erreicht worden, die 2019 als sogenannte Verdachtsfälle eingestuft wurden, betonte Stübgen. Den beiden Gruppierungen wurden im vergangenen Jahr 670 Personen zugerechnet. Offiziell hat sich der »Flügel« der AfD inzwischen aufgelöst.

Seit 2020 wird der gesamte AfD-Landesverband in Brandenburg vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Zahl der Rechtsextremen könnte auch dadurch im nächsten Verfassungsschutzbericht erneut steigen, sagte Müller. Im AfD-Landesverband sei insgesamt eine »starke Verflügelung« festzustellen. Eine »demokratische Mitte« wie in anderen Bundesländern gebe es dort praktisch nicht. Vor allem im Süden Brandenburgs sei eine strukturelle Verflechtung von AfD und rechtsextremer Szene festzustellen.

Rund 46 Prozent der bekannten Rechtsextremen in Brandenburg seien gewaltbereit, heißt es. Ihre Zahl sei um 45 auf 1280 gestiegen.

Im Rechtsextremismus werde eine Entgrenzung und Modernisierung vorangetrieben, sagte Stübgen. Dieses Umfeld bilde eine durchlässige Grauzone und bewege sich sowohl ideologisch als auch personell »diesseits und jenseits der Schwelle zum herkömmlichen Rechtsextremismus«.

verzahnung Ziel der Rechtsextremen sei eine Verzahnung mit der Mitte der Gesellschaft, hieß es. Zu diesem Umfeld gehörten auch der neonationalsozialistisch beeinflusste Verein »Zukunft Heimat«, der zu Jahresbeginn als erwiesen rechtsextrem eingestuft wurde, die »Identitäre Bewegung« und der Verdachtsfall »Compact-Magazin«.

Bei den rechtsextremen Parteien spiele die NPD in Brandenburg keine große Rolle mehr, sagte Müller. Die NPD habe zwar weiter zehn Kreisverbände und noch 260 Mitglieder, ihre Aktivitäten seien jedoch deutlich »ermattet«. Die Kleinstpartei »Der III. Weg« habe weiterhin 40 Mitglieder. Deren Ziel seien jedoch nicht Wahlerfolge, sondern unter dem »Schutzschirm des Parteienprivilegs« zu agieren.

Rund 46 Prozent der bekannten Rechtsextremen in Brandenburg seien gewaltbereit, hieß es weiter. Ihre Zahl sei um 45 auf 1280 gestiegen. Zugleich seien rechtsextreme Gewaltstraftaten rückläufig gewesen. 2019 seien insgesamt 90 entsprechende Fälle erfasst worden, 33 weniger als im Vorjahr.

Die Zahl Linksextremer sei 2019 um 30 auf 650 gestiegen, die höchste Zahl seit 2004. Als gewaltbereit gelten dort 240 sogenannte Autonome. Die Zahl der Islamisten sei um zehn auf 190 gestiegen, sagte Müller. Seit 2013 sei dort ein stetiger Zuwachs zu verzeichnen. epd

Davos

Israels Präsident sieht iranische Führung als sehr fragil

Israels Präsident Herzog nimmt die iranische Führung nach den Massenprotesten als geschwächt wahr. Warum er trotzdem vor zu viel Optimismus warnt und internationale Unterstützung fordert

von Sara Lemel  22.01.2026

Davos

Trump gründet »Friedensrat«

US-Präsident Trump und weitere Staatenlenker unterzeichneten das Gründungsdokument des umstrittenen neuen Gremiums. Israel nahm an der Zeremonie nicht teil, will aber Mitglied des Rates werden

 22.01.2026

Diplomatie

Papst ernennt neuen Botschafter für Israel

Erst seit 1994 haben der Vatikan und Israel volle diplomatische Beziehungen. Der Botschafter des Papstes dort ist zugleich auch Delegat für Palästina. Nun hat der Papst einen Wechsel vorgenommen

 22.01.2026

Ulm/Stuttgart

Anklage nach Angriff auf israelischen Rüstungskonzern

Bekennervideos, zerstörte Labore und Proteste gegen ein Unternehmen aus Israel: Was den fünf Angeklagten vorgeworfen wird

 22.01.2026

NRW

Einladung von Terrorunterstützerin: Jüdische Gemeinde fordert Konsequenzen

In einer Presseerklärung wird eine Abberufung der Rektorin der Kunstakademie Düsseldorf, Donatella Fioretti, gefordert

von Imanuel Marcus  22.01.2026

Washington D.C.

USA wollen israelfeindlichen Aktivisten nach Algerien abschieben

Der frühere Student Mahmoud Khalil wird von den Behörden als Hamas-Unterstützer eingestuft. Seine Abschiebung sei auch eine Mahnung an Nicht-Staatsbürger im Land

 22.01.2026

Berlin

Linkes Bündnis will akademischen Boykott Israels

Ein linkes Bündnis will einen Boykott israelischer Wissenschaftler organisieren. Am Wochenende soll nun eine umstrittene Konferenz dazu stattfinden

 22.01.2026

Award

»Auch wenn es dunkel ist« ist Hörspiel des Jahres 2025

Das Hörspiel »Auch wenn es dunkel ist. Berichte vom 7. Oktober« gibt Opfern des Überfalls der Hamas auf Israel 2023 eine Stimme. Das Dokumentarstück interpretiere nicht und klage nicht an, lobte die Jury

 22.01.2026

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die umstrittene ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an. In allen Kategorien dominieren die Öffentlich-Rechtlichen. Zugleich gibt es Kritik an zahlreichen Leerstellen

von Jana Ballweber  22.01.2026