Nach der Veröffentlichung der Ermittlungsakten zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein breiten sich unzählige Gerüchte und Falschinformationen aus. Eine Abbildung soll zum Beispiel beweisen, dass Epstein noch am Leben ist und in Israel gesehen wurde. Das Bild zeigt einen Mann mit grauen Haaren und Vollbart auf einer Straße.
Auf dem Bild, auf das sich Social-Media-Posts mit der Behauptung beziehen, sind zwei Straßenschilder zu sehen. Der eine Wegweiser soll die Richtung zu einem Ort namens »Haangus Ev.« anzeigen - doch dieser Ort existiert nicht, wie der Blick in unterschiedliche Verzeichnisse, Quellen und Karten zeigt. Sollte es sich um einen Straßennamen handeln, gibt es dazu ebenso keine Ergebnisse.
Wie der Journalist Henk van Ess schreibt, ist das Wort auch nicht in einem hebräischen Wörterbuch zu finden. Außerdem ist die Ortsmarke »Tel Aviv« auf dem zweiten Schild im vermeintlich Hebräischen falsch geschrieben. Der hebräische Schriftzug sieht in der Realität anders aus. Auf einer anderen Version der Fälschung ist im Hintergrund der Eingang einer U-Bahn-Station zu sehen, die in Budapest zu finden ist.
Unten rechts im Bild ist das Wasserzeichen von Googles KI »Gemini« zu sehen. Analysen von Henk van Ess mit KI-Erkennungsdiensten zeigen, dass die Abbildung mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurde. Fehler, wie ausgedachte Straßennamen und falsche Schriftzüge, passieren generativen KIs öfter.
Auffällig sind zudem die beiden Personen, die im Bild vor der angeblich Epstein darstellenden Person stehen: Sie sehen wie eine Kopie voneinander aus, denn sie haben fast exakt die gleiche Anordnung von Beinen, Armen und Körper. Auch dieser Fehler ist bei KIs verbreitet.
Das Bild beweist also nicht, dass Jeffrey Epstein noch am Leben ist. Es ist kein echtes Foto.
Jeffrey Epstein pflegte enge Kontakte zu Reichen und Mächtigen und betrieb jahrelang einen Missbrauchsring, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. 2019 kam er im Alter von 66 Jahren in einer Gefängniszelle zu Tode. Das US-Justizministerium hat am 30. Januar 2026 weitere Unterlagen aus den Ermittlungsakten zum Fall des verurteilten Sexualstraftäters veröffentlicht. Es handelt sich um mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten, Tausende Videos und weit mehr als 100.000 Fotos. Weitere drei Millionen Seiten fehlen noch. dpa/ja