Einspruch

Gaddafis Triumph

Erdbeben, Tsunami und atomarer Gau – die Welt blickt erschrocken, voller Mitleid und ängstlich zugleich nach Japan. Eine humanitäre Katastrophe biblischen Ausmaßes, wie es immer dann heißt, wenn uns eigentlich die Worte fehlen. Not und Elend, so weit das Fernsehauge reicht. Der Sog der Bilder – er ist reißend, herzzerreißend. Doch mal angenommen, es gäbe keine Kameras und Fotoapparate, die das Geschehen festhalten? Wären wir genauso mitgenommen? Wohl kaum. Es erginge den Japanern wohl ähnlich wie den Libyern. Ihr Schicksal bliebe von der Welt weitgehend unbeachtet. Dabei spielt sich im nordafrikanischen Land ebenfalls eine Tragödie ab. Eine menschliche und eine politische. Daran trägt der Westen große Mitschuld. Denn er versagt kläglich dabei, seinen eigenen Werten gerecht zu werden: der Freiheit zum Sieg zu verhelfen – auch gegen Widerstand.

DIKTATOR Keine Flugverbotszone, dafür aber viel wohlfeile Zurückhaltung und noch mehr lauwarmes Blabla. Nur einen kann solche Untätigkeit erfreuen: Muammar al-Gaddafi, der Tyrann, der ungestraft auf sein eigenes Volk schießen lässt und wohl bald den Sieg davontragen wird. Dabei fordert inzwischen sogar die Arabische Liga vom UN-Sicherheitsrat, in Libyen einzugreifen. Die Menschen müssten vor Luftangriffen der Truppen des Diktators geschützt werden. Doch daraus wird sicherlich nichts. Hier geht es immerhin um Öl und Wohlstand. Was zählen da ein paar Leben? Schließlich war doch Gaddafi immer ein zuverlässiger Geschäftspartner. So ist Realpolitik nun mal. Überhaupt die Lage, völlig unübersichtlich. Da halten wir uns lieber vornehm zurück. Man möchte ja den Aufständischen auch nicht schaden.

Doch den Menschen, die dem Despoten den Krieg erklärt haben, wird diese Haltung schwerlich einleuchten. Sie werden die Ausflüchte als das werten, was sie de facto sind: Heuchelei. Und die wird uns schon bald auf die Füße fallen. Die Glaubwürdigkeit des Westens hat bereits bei den Aufständen in Tunesien und Ägypten gelitten. Libyen zeigt nun: Sie ist vollends auf der Strecke geblieben.

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