Israel

Für eine bessere Welt

Foto: Getty Images

Die Zukunft der deutschen Autoindustrie liegt in Tel Aviv. Mercedes-Benz, BMW, die Volkswagengruppe mit VW, Porsche, Seat und Audi: Alle diese Firmen haben Forschungs- und Entwicklungszentren in oder nahe der israelischen Metropole eröffnet, die zusammen mit örtlichen Start-ups die Software für selbstfahrende, vernetzte, ökologisch mitdenkende Autos entwickeln. Und es sind nicht nur die Deutschen: Ford, General Motors, Renault-Nissan-Mitsubishi und Tesla sind auch vor Ort. Ohne Israel geht in der Autobranche nichts mehr.

Namen wie Ehud Shabtai, der das – von Google gekaufte – GPS-Navigationssystem »Waze« erfand, oder Ziv Aviram, der das in jedes israelische Mietauto eingebaute – und von Intel aufgeschnappte – Anti-Crash-System »Mobileye« entwickelte, sind weltberühmt. Aber allein im israelischen Interessenverband »Ecomotion« sind mehr als 600 Jungunternehmer*innen zusammengeschlossen, die an Mobilitätssoftware arbeiten. Die »*innen«-Form ist hier keine leere Geste der politischen Korrektheit: Bei den israelischen Innovationszentren von VW, Porsche und Daimler geben Frauen den Ton an.

Auch in der Medizin ist Israel seit Jahrzehnten führend, wenn es um Innovation geht.

medizin Auch in der Medizin ist Israel seit Jahrzehnten führend, wenn es um Innovation geht. Marcelle Machluf vom Technion in Haifa verändert in ihrem Start-up »Nano-Ghost« körpereigene Zellen derart, dass sie Krebsmedikamente direkt in den Tumor bringen. »ReWalk Robotics« baut ein computergesteuertes Exoskelett, das Querschnittsgelähmte vom Dasein im Rollstuhl befreien kann. »OrCam«, entwickelt von Mobileye-Gründer Aviram, ist eine Minikamera, die Bilder und Texte in Sprache übersetzt und dadurch Blinden das »Sehen« ermöglicht.

»Dune Medical Devices« vermarktet das Gerät »MarginProbe«, das bereits bei einer Krebsoperation feststellen kann, ob wirklich alle schädlichen Zellen entfernt wurden, und dadurch etwa Frauen einen gefürchteten Zweit- oder Dritteingriff nach einer Brust-OP erspart.

Und dann gibt es natürlich die Verteidigungsindustrie: allen voran das israelische »Iron Dome«-Raketenabwehrsystem, dessen Erfolge viele Israelis in den letzten Wochen live am Himmel über ihrem Land miterleben konnten, als islamische Terrorgruppen Raketen auf den jüdischen Staat abfeuerten. Von »StuxNet« ganz zu schweigen, dem angeblich von der israelischen Cyber-Einheit 8200 entwickelten Computervirus, mit dem Irans Atomzentrifugen zeitweilig lahmgelegt wurden.

whiz kids Einheit 8200 ist der große Inkubator für Israels digitale Whiz Kids. Die IDF insgesamt sei »das größte Start-up Israels und vielleicht der Welt«, meint Generalstabschef Aviv Kochavi. Aber andere Staaten haben auch Armeen, die meisten größer als die Israels. Was ist das Geheimnis des jüdischen Staates?

Israel exportiert nicht Armut, Terror und Flüchtlinge, wie so viele seiner Nachbarn.

Wie Avi Jorisch in seinem Buch Thou Shalt Innovate (Du sollst innovativ sein) argumentiert, mussten die Israelis seit jeher den Mangel an Rohstoffen und schierer Menschenzahl mit Erfindungsreichtum kompensieren. So hat schon 1955 Harry Zvi Tabor die erste Solaranlage zur Herstellung von Warmwasser und Strom entwickelt. 1965 perfektionierten Simcha Blass und der Kibbuz Hatzerim ein modernes Tröpfchenbewässerungssystem, das inzwischen in aller Welt unzählige Milliarden Liter Wasser einsparen hilft. 1985 erfand Shlomo Navarro in Beit Dagan das »Grain Cocoon«, einen PVC-Sack, der es Bauern in Afrika und Asien ermöglicht, Reis, Weizen und andere Getreidesorten luft- und wasserdicht zu lagern und zu transportieren.

forscher Die Liste ließe sich fast endlos fortsetzen und schließt zunehmend auch israelisch-arabische Forscher ein, wie Imad und Reem Younis aus Nazareth, deren Firma »AlphaOmega« hochkomplexe Geräte für Gehirnoperationen und Hirnfoschung baut.

Das jüdische Volk hat sich mehrmals in seiner Geschichte neu erfunden. Kaum eine Verwandlung war größer als die zio­nistische Revolution, die aus europäischen Städtern, Händlern und Intellektuellen Kibbuzniks, Moschawniks und Soldaten machte. Nun verwandelt sich Israel in eine »Start-up-Nation« (Avi Jorisch), deren Produkte – vom Reissack bis zur Automobilsoftware – auch in Staaten Anwendung finden, die nicht einmal Israels Existenz anerkennen.

Das jüdische Volk hat sich mehrmals in seiner Geschichte neu erfunden.

Und sie werden – vom Tröpfchenschlauch im Garten bis zur Krebstherapie – auch von jenen gern angenommen, die den jüdischen Staat durch Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen dafür bestrafen wollen, dass er nicht Armut, Terror und Flüchtlinge exportiert, wie so viele seiner Nachbarn. Er exportiert vielmehr Dinge, mit denen unsere Erde ein besserer Ort wird – gemäß dem jüdischen Gebot des Tikkun Olam, der Reparatur der Schöpfung.

Die nicht einmal klammheimliche Häme, mit der etwa Berlins Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement, Sawsan Chebli, den Absturz der israelischen Mondsonde »Beresheet« kommentierte, bediente ebenjene hasserfüllte Klientel. Israel soll scheitern, und wenn darunter der wissenschaftliche Fortschritt der Menschheit leidet. Entscheidend an der Mondmission war aber nicht ihr Scheitern, sondern dass sie überhaupt unternommen wurde. Anderswo in der Region sind Raketen nur interessant als Mittel der Vernichtung. Israel ist da anders. Wer wirklich interessiert ist an einer besseren Zukunft für den Nahen Osten, würde sich die Frage stellen, warum das so ist.

Der Autor schreibt für die »Welt« und betreibt den Blog »Starke Meinungen«.

Krieg

Trump droht Mullahs mit »vollständiger Kontrolle« der iranischen Öl-Industrie

Darüber hinaus kündigte der US-Präsident auch weitere Angriffe an

 11.06.2026

Berlin

Streit an der TU um Beschlüsse der studentischen Vollversammlung

Besonders umstritten ist die Forderung, bestehende institutionelle Beziehungen zu israelischen Unis auszusetzen und überprüfen zu lassen. Eine jüdische Studentengruppe widerspricht

 11.06.2026

Berlin

Jüdischer Juristenverband als herausragende soziale Initiative ausgezeichnet

Die Organisation jüdischer Juristen ist eines von 25 Projekten, die vom Verein »startsocial« für ihr Engagement gewürdigt wurden. Gastgeber der Ehrenveranstaltung war Bundeskanzler Friedrich Merz

 11.06.2026

Pro & Contra

Soll die Bevölkerung in der Schweiz auf 10 Millionen begrenzt werden?

Ja, sagt Jessie Katz: »Sie anzunehmen sollte schon nur aus dem Grund, um die Sicherheit für die jüdische Bevölkerung zu verbessern.« Nein, findet Zsolt Balkanyi-Guery: »Ein Einwanderungsstopp verspricht nur vordergründig Sicherheit und ist für jüdische Menschen keine Antwort auf die tatsächlichen Herausforderungen des Antisemitismus.«

von Jessie Katz, Zsolt Balkanyi-Guery  11.06.2026

Washington D.C.

Bill Gates: Epstein hat mich erpresst

Der Sexualstraftäter habe sein Wissen um seine Untreue ausnutzen wollen, sagt der Microsoft-Mitgründer. Er räumt aber auch Fehler ein

 11.06.2026

Dresden

Kampagne soll Neugier auf jüdisches Leben wecken

Die Initiative soll mehr Wissen über Judentum und Israel vermitteln

 11.06.2026

Hass auf der Bühne

»Hofnarr der Hamas«: Bassem Youssef tritt heute in Berlin auf

Der amerikanisch-ägyptische Comedian relativiert die Hamas-Verbrechen vom 7. Oktober und verbreitet Verschwörungsmythen über Israel. Nun werden Forderungen nach einer Absage seiner Vorstellung im Tempodrom laut

von Imanuel Marcus  11.06.2026 Aktualisiert

Ramallah

Externe Prüfung geht von Ende der palästinensischen Terror-Renten aus

Vorläufige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Sozialleistungen der PA nicht mehr an die Dauer von Haftstrafen sogenannter »Märtyrer« gekoppelt sind

 11.06.2026

Tirana

Tausende protestieren gegen Kushner-Projekt an der Adria

In der albanischen Hauptstadt gehen Tausende Menschen auf die Straße, um ihre Stimme gegen das umstrittene Bauvorhaben an der Adriaküste zu erheben

 11.06.2026